Rezension zu Iron Dead: Der zehnte Kreis von Wolfgang Hohlbein

Ich bin wirklich, wirklich zwiegespalten was diese Buch angeht. Denn eigentlich mag ich Hohlbein schon seit einer ganzen Weile nicht mehr. Klar, er hat viele wirklich großartige Bücher geschrieben aber eben auch viele, die ich einfach miserabel fand und die mir die Lust daran verdorben haben, mehr von ihm zu lesen. Trotzdem, irgendwie landen in unregelmäßigen Abständen immer wieder Bücher von ihm in meinem Regal, zuletzt „Infinity: Der Turm“, ein absoluter Reinfall, den ich auch nur gelesen habe, weil Schandmaul ein von diesem Roman inspiriertes Lied geschrieben haben. „Iron Dead: Der zehnte Kreis“ klang jetzt aber wieder so anders und so untypisch irgendwie, dass mein Interesse doch wieder geweckt wurde.

Allerdings hat sich „Iron Dead: Der zehnte Kreis“ dann doch als ziemlich typischer Hohlbein herausgestellt. Lange, verschachtelte Sätze, die im Laufe der Buchs immer mehr Repetition enthalten und sich in Detailbeschreibungen und Abschweifungen verlieren, die die Erzählung unschön in die Länge ziehen. Wie bei den meisten Werken Hohlbeins hatte ich hier daher das Gefühl, dass man die Geschichte eigentlich auch auf die Hälfte der Länge hätte reduzieren können, ohne dass dadurch irgendetwas an Spannung oder relevanter Handlung verloren gegangen wäre, im Gegenteil wären diese Teil dann wohl sogar deutlich besser zur Geltung gekommen.

Dazu kommt, dass die in der Inhaltsangabe so angepriesene Titanic – eine Kulisse, auf die ich mich wirklich sehr gefreut hatte – im Endeffekt völlig irrelevant für die Handlung war und durch jedes beliebige Schiff hätte ersetzt werden können – hier nutzt Hohlbein nicht einmal annähernd das Potenzial, dass diese Szenerie zu bieten gehabt hätte. Auch sonst hält sich die „Potentialnutzung“ in diesem Roman leider immer wieder in Grenzen, so eben auch wenn es um die, gerade auch im Zusammenhang mit den Charakteren verstärkt auftauchenden, Wiederholungen geht – seien es repetitive Phrasen oder auch Handlungen und Beschreibungen.

Darunter leidet natürlich nicht nur die Handlung sondern auch die Charaktere, von denen einige zwar wirklich originell und innovativ sind, viele aber auch ziemlich klischeehaft. Insgesamt hatte ich Schwierigkeiten ihnen überhaupt irgendwie nahe zu kommen, sie waren mir oft nicht greifbar genug und auch ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte konnte mich nicht überzeugen, sodass im Endeffekt keinerlei emotionale Bindung zwischen mir und den Charakteren entstand, was ich doch als störend beim Lesen empfinde.

Trotzdem, irgendeinen Grund muss es ja geben, warum ich dem Buch 4 Sterne gegeben habe und den gibt es auch tatsächlich. Ich hatte trotz allem wahnsinnigen Spaß beim Lesen und hatte diesen ja doch nicht ganz dünnen Roman rasend schnell durch. Warum? Wegen der Thematik. Ich mag Steampunk und an dieser Stelle hat sich Hohlbeins Detailverliebtheit als etwas durchaus Positives herausgestellt und während viele die ausführlichen Beschreibungen der Technik vermutlich eher störend finden werden, haben sie mir wirklich gut gefallen.

Alles in allem ist „Iron Dead: Der zehnte Kreis“ von Wolfgang Hohlbein kein Buch, das ich weiterempfehlen würde und auch keins, das ich nochmal lesen würde. Es hat alles, was mich in den letzten Jahren so an Hohlbein gestört hat und trotzdem hat es mich fesseln und begeistern können – bis ich zum typisch verwirrenden Ende gekommen bin und angefangen habe, darüber nachzudenken, was ich da gerade eigentlich gelesen habe…

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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