Rezension zu Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers

Zum ersten Mal nach Zamonien gereist bin ich vor 15 Jahren. Da kam nämlich das Hörbuch zu „Ensel und Krete“ raus und so sehr ich Hörbücher auch verabscheut habe, dieses hat mich doch faszinierend, was sowohl an der Geschichte als auch an dem grandiosen Job lag, den Dirk Bach als Sprecher geleistet hat. Das war also der Beginn meiner großen Liebe für diesen abgedrehten Kontinent, den Walter Moers geschaffen hat. Die folgenden Romane, vor allem mein persönlicher Favorit „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ und auch „Rumo & die Wunder im Dunkeln“, haben diese Liebe nur noch verstärkt. Wobei „Der Schrecksenmeister“ ja leider nicht mehr ganz so großartig war und „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ meiner Meinung nach im Gegensatz zum ersten Teil, „Die Stadt der träumenden Bücher“, sogar eine ziemliche Katastrophe. Als ich gesehen habe, dass es einen weiteren Zamonien Roman geben wird, war ich daher auch gleichermaßen begeistert und zögerlich, immerhin hatte „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ das Potential Zamonien zu alter Größe zurückzuführen oder weiter in den Abgrund zu reißen.

Sie sah sich selbst zu wie der Hauptdarstellerin eines absurden Theaterstückes, das aus viel zu vielen und viel zu langen Akten bestand, aber dennoch seltsam fesselnd war.

Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers

Und ich muss auch ehrlich sagen, der Anfang des Romans war nicht gerade vielversprechend. Über sechs Kapitel hinweg dreht sich alles ausschließlich um Prinzessin Dylia, die sich selbst Prinzessin Insomnia nennt, weil sie unter chronischer Schlaflosigkeit leidet. Der Leser streift mit ihr durchs Schloss und wird dabei mit ihrem inneren Monolog berieselt. Das Ganze macht rückblickend zwar durchaus Sinn, ist aber beim ersten Lesen doch ausgesprochen langatmig und schwafelig und damit nicht gerade der spannendste Einstieg in die Geschichte. Aber wo die Erzählung erst etwas schleppend verläuft, sind die Illustrationen von Beginn an ein Highlight. „Prinzessin Insomnia“ kommt nämlich in voller Farbe daher und ist dabei gleichzeitig der erste Zamonien-Roman, den Moers nicht selbst illustriert hat. Stattdessen stammen die regenbogenfarbigen Aquarelle von der Berlinerin Lydia Rode, die auch Inspiration und Anlass für den Roman ist (das wieso, weshalb, warum wird im Nachwort erklärt)

Und nachdem die einleitenden Kapitel erst einmal überstanden waren – und ich mich an die Massen von Alliterationen und Dylias teils doch sehr kuriose Vorliebe für Sprache gewöhnt hatte -, holte der Inhalt dann auch auf und wurde tatsächlich ebenso zauberhaft wie die Illustrationen. Es geht nämlich ab ins Gehirn der schlaflosen Prinzessin und dabei begeistert die skurrile Szenerie ebenso sehr wie die beiden widersprüchlichen Charaktere. Die Beschreibungen des Innenlebens von Dylias Gehirn sind nämlich ebenso fantasievoll wie amüsant und immer wieder sogar überraschend informativ. Um die Protagonistin und ihren Gefährten steht es ganz ähnlich, denn Havarius Opal ist eine noch wesentlich seltsamere Gestalt als die Prinzessin mit ihrer rätselhaften Krankheit. Das macht die ganze Sache zu einem höchst unterhaltsamen Abenteuer, dass zwar nicht mit den ersten Zamonien Titel mithalten kann, aber definitiv wieder eine Steigerung im Vergleich zu den letzten zwei ist.

»Also: Die erste Antwort lautet: Ich bin dein schlimmster Alptraum. Und für die zweite muss ich etwas weiter ausholen.«

Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers

Daher gibt es von mir auch alles in allem auch vier gute Sterne für „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“. Eine faszinierende Reise durchs Gehirn mit einem etwas schleppenden Anfang, grandiosem Mittelteil und überraschend gutem Ende. Die Illustrationen von Lydia Rode passen hervorragend dazu, auch wenn ich nichts dagegen hätte, wenn Moers seinen nächsten Roman wieder selbst illustriert. Ein lohnender Ausflug nach Zamonien, der Hoffnung darauf macht, dass der Autor in kommenden Büchern wieder zu alter Größe zurückfindet – auf „Die Insel der 1000 Leuchttürme“ bin ich jedenfalls sehr neugierig, sollte dieses Buch tatsächlich jemals erscheinen, so ganz kann man sich da ja nie sicher sein, solange man das Buch nicht tatsächlich in der Hand hat… Oh, und die Graphic Novel zu „Die Stadt der träumenden Bücher“ hat natürlich schon einen Platz ganz oben auf der Wunschliste!

Für Fans von…

  • Walter Moers, Hildegunst von Mythenmetz und Zamonien
  • Abenteuer zwischen Traum und Wirklichkeit
  • humorvoll-philosophischer Fantasy

Was andere Blogger sagen:

Elena von All meine Träume | Steffi von Nur Lesen ist schöner | Janine von Kapri-Zioes

Habt ihr das Buch gelesen und rezensiert? Dann lasst mir doch einen Kommentar da und ich verlinke eure Rezension hier 😊

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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3 Kommentare zu “Rezension zu Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers”

  1. Liebe Rike,

    herzlichen Dank fürs Verlinken. Da revanchiere ich mich gern.

    Deine Zeilen haben mir sehr gut gefallen und betrachten den ersten Teil des Romans etwas kritischer als ich. Ich stimme dir zu, dass der erste Teil etwas schleppend verlief, gerade wegen der Konzentration auf Prinzessin Dylia und ihrer Krankheit. Da ich allerdings mit dem Hörbuch in die Geschichte eingestiegen bin, ist mir das scheinbar noch ein wenig unterhaltsamer begegnet als dir. Die Vielzahl an Pfauenwörter, Anagrammen, etc. war schon etwas mühsam, aber das zeichnet für mich auch einen typischen Moers aus (wenn ich da an die Vielzahl von Fellfarben in „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ zurückdenke – pfieuw).

    Da all diese Begriffe uns aber während der Reise durch Dylias Hirn wiederbegegnen, haben sie durchaus ihre Daseinsberechtigung. Vielleicht wollte Moers auch die ersten Kapitel seiner Illustratorin widmen, die ja an der seltenen Schlafkrankheit leidet und hat deshalb einen so starken Fokus auf die Prinzessin gesetzt.

    Was die restlichen Werke von Moers angeht, meine Lieblinge sind „Die Stadt der träumenden Bücher“ und „Rumo“, wobei auch „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ toll war. „Der Schrecksenmeister“ war zwar nett, konnte aber auch mich nicht 100% überzeugen und die Enttäuschung von „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ ist meines Erachtens auf die unglückliche Vermarktung des Verlags und auf das In-Druck-Setzen von Moers zurückzuführen. Die Ideen an sich waren schon toll, verärgert haben mich vielmehr die ganzen Wiederholungen.

    Fest steht, Moers ist sein neues Werk durchaus gelungen. Es beinhaltet etwas völlig Neues und Eigenständiges und lebt von seiner wiedergewonnenen Stärke und seinem Einfallsreichtum. Ich habe es förmlich inhaliert.

    Und was die Illustrationen angeht, die fand ich wirklich außerordentlich gelungen, wobei ich dir zustimme: er sollte das nächste Werk wieder selbst illustrieren. Hoffen wir, dass es nicht so lange dauert. Die Graphic Novels sind natürlich auch schon auf meinem Wunschzettel gelandet. 😉

    Herzliche Stöbergrüße
    Steffi

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