Rezension zu Royal: Eine Krone aus Stahl von Valentina Fast

Ich kann einfach nicht anders als mich jedes Mal aufs neue über Valentina Fasts YA-Dystopie aufzuregen, so auch beim vierten Band, „Royal: Eine Krone aus Stahl“. Denn natürlich war die Geschichte a) wieder viel zu kurz und b) endete auch wieder mit einem völlig nervtötenden Cliffhanger. Wobei ich sagen muss, dass dieser Teil tatsächlich mehr Handlung abdeckt, als ich erwartet hätte.

Denn statt schon direkt nach der Enthüllung der Identität des Prinzen zu enden – übrigens keine Überraschung, selbst wenn man es nicht vorher schon vermutet hätte, spätestens im ersten Teil dieses Bandes wird es wirklich deutlich -, schließt sich noch ein gutes Stück Handlung an und dieses wurde zu meiner großen Überraschung sogar richtig spannend.

Bis zur der nicht allzu überraschenden Identitätsoffenbarung ist die Handlung allerdings auch denkbar langweilig, sie dreht sich – wie schon in den Bänden zuvor – permanent im Kreis während Tanya mit Ihrer absurden Perfektion alle um den kleinen Finger wickelt, bis auf Charlotte natürlich, mit der sie einen anhaltenden Zickenkrieg führt, bei dem sie aber immer als die Reifere der beiden dasteht, und zwischen ihren Liebesinteressen hin und her pendelt. Gleichzeitig habe ich das Gefühl gehabt, dass der Schreibstil der Autorin irgendwie noch simpler geworden ist, wobei mir manche Formulierungen immer noch sauer aufstoßen, weil sie einfach nicht so recht natürlich wirken wollen.

Als dann aber der Prinz bekannt gegeben wird, zieht sich gleichzeitig Tanyas anderer Verehrer aus diesem ganzen dämlichen „ich liebe dich, ich liebe dich nicht, ich empfinde mehr als Freundschaft für dich, ich aber nicht für dich, ich liebe ihn zwar nicht, aber ich will seinen Status, ich liebe zwar dich, aber ich muss gesellschaftliche Erwartungen erfüllen“-Getue zurück, sodass nur noch drei Personen in dieser ganze Situation verstrickt sind, wobei meine Sympathien für alle drei so langsam doch arg strapaziert sind…

Und natürlich kann die Handlung danach nicht einfach gradlinig weitergehen und noch etwas mehr Klarheit bringen, das wäre wohl zu viel verlangt. Stattdessen meldet sich plötzlich der ganze dystopische Aspekt der Geschichte mal wieder zurück, wenn auch nur für eine kurze Stipvisite, wie um den Leser daran zu erinnern, dass das hier nicht einfach nur eine Art Disney-Telenovela ist. Trotzdem wird es, unerwarteterweise und wie schon erwähnt, noch erstaunlich spannenden, denn die Handlung gewinnt ein gänzlich neues Moment dazu, nur um dann wieder im unpassendsten Moment in einen Cliffhanger zu enden.

Also zusammengefasst lässt sich sagen: Ich habe noch nie so lange für eins der „Royal“-Bücher gebraucht, einfach weil der Anfang schrecklich zäh und langweilig war, wozu auch der überaus simple und nicht immer ganz flüssige Schreibstil beigetragen hat, weshalb ich wiederholt nach wenigen Seiten schon wieder aufgegeben hatte, bis ich dann irgendwann beschlossen habe, den Teil einfach nur zu überfliegen. Danach gewinnt die Handlung allerdings unerwartet an Fahrt und wird richtig spannend, wobei meine Begeisterung sowohl für Tanya als auch den Prinzen allerdings immer wieder stark strapaziert wurde, ebenso wie meine Begeisterung für die Geschichte selbst durch den diesmal wieder ausgesprochen brutalen Schnitt am Ende erneut auf die Probe gestellt wird.

Alles in allem ist Valentina Fasts „Royal: Eine Krone aus Stahl“ eine sehr durchwachsene Fortsetzung, deren erste Hälfte den wohl bislang langweiligsten Abschnitt der Reihe darstellt, während die zweite Hälfte aber wohl mit das bislang spannendste Stück ist – was nun zugegebenermaßen auch nicht so schwierig ist, wodurch der Cliffhanger am Schluss aber natürlich nur noch brutaler wirkt. Wer es allerdings schon so lange mit der Reihe ausgehalten hat, wird sie wohl entweder wirklich toll finden oder, wie ich, dieser absurden Faszination erlegen sein, sodass ihn mit Teil vier der Serie zumindest keine allzu große Enttäuschung erwarten dürfte… Was ich mich gerade frage, ist jetzt allerdings, ob Band fünf der letzte sein wird oder ob es tatsächlich noch einen sechsten Band geben wird und damit auch noch so einen blöden Cliffhanger?

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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