Rezension zu Royal: Eine Hochzeit aus Brokat von Valentina Fast

Für alle, die vorhaben, diese Serie zu lesen, es aber noch nicht getan haben oder noch nicht so ganz auf dem neusten Stand sind, hier der offizielle Hinweis: Meine Rezension zu „Royal: Eine Hochzeit aus Brokat“ von Valentina Fast enthält Spoiler – viele Spoiler, also besser nicht weiterlesen. Falls ihr euch aber einfach nur mein Gemecker durchlesen wollt, dann viel Spaß! 😉

Nach Band 5 von 6 weiß ich irgendwie nicht so recht, warum ich die Serie so lang verfolgt habe, gleichzeitig bin ich aber total gespannt darauf, wie es im nächsten Band weiter geht… Es gibt einfach so vieles an der Geschichte, das mich fürchterlich aufregt und gleichzeitig so vieles, was eigentlich so großes Potential hat. Im Detail:

Das Setting: Viterra, das Königreich unter der Kuppel, abgeschnitten von der angeblich verseuchten, verstrahlten, jedenfalls nicht mehr bewohnbaren Außenwelt. Etikette wird groß geschrieben, unverheiratete Frauen lassen sich in der Öffentlichkeit nur in langen Kleidern blicken und ähnliche Späßchen. Dass hier allerdings nicht alles eitel Sonnenschein ist, sollte dem Leser schon in Band 1 klar geworden sein, spätestens als die Kuppel dann irgendwann angegriffen wurde, wurde die Sache offensichtlich und in diesem Band wurde es jetzt doch tatsächlich offenbart: Es gibt Leben außerhalb der Kuppel und wer auch immer dort ist, hat es auf das Königreich abgesehen. An sich finde ich das Setting großartig, weniger großartig finde ich aber, dass von Anfang an klar war, dass etwas nicht stimmt und nun nur noch ein einziger Band bleibt, um zu klären, wer das Königreich angreift, warum derjenige das tut und wie dieser Konflikt ausgehen wird. Nach fünf Bänden ohne nennenswerte Informationen fällt es mir sehr schwer zu glauben, dass dieser Punkt glaubhaft abgeschlossen werden kann.

Die Handlung: Ausgangssituation des Ganzen ist, dass der Prinz von Viterra auf Brautschau geht. Die hat allerdings einen kleinen Twist, denn keiner weiß, wie der Prinz überhaupt aussieht und so gibt es vier mögliche Prinzen, dazu einen Haufen von Kandidatinnen, eine Reihe von Aufgaben und alles in allem eine Auswahl, die doch sehr an Kiera Cass‘ „Selection“-Serie erinnert – inklusive Glitzer, Glamour, Kleider, Klatsch und Tratsch. Allerdings entwickelt sich die Handlung weiter, dummerweise aber nur fürchterlich langsam und auch der kurze Abstecher ins Ausbildungslager der Wächter, so interessant er auch war, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Handlung eigentlich nur unsinnig im Kreis dreht. Naja, ein bisschen geht es schon voran, aber…

Das Tempo: Der Einstieg in die einzelnen Bände ist fast immer langsam, auf denkbar langatmige Art werden alltäglichste Szenarien beschrieben, irgendwann kommt dann Fahrt auf, die Handlung wird erstaunlich spannend und dann: Bumm… Cliffhanger! Und im nächsten Band geht dann alles wieder von vorne los, sodass man jedes Mal genau dann aus der Handlung gerissen wird, wenn man das Gefühl hat endlich Antworten zu bekommen. Wenn sich das auch im letzten Band so fortsetzt, habe ich keine Ahnung wie auch nur irgendein Aspekt der Handlung wirklich zufriedenstellend beendet werden kann.

Die Liebesgeschichte: Für die gilt genau das gleiche wie für die Handlung auch, sie dreht sich einfach immer nur im Kreis, sie fühlt sich zu ihm hingezogen, er unternimmt eindeutige Annäherungsversuche, die lässt sich nach einigem Zögern darauf ein, er stößt sie mit völlig hirnrissigen Begründungen – nämlich eigentlich nur „Es liegt nicht an dir, ich habe nur anderweitige Verpflichtungen, die ich dir aber nicht sagen kann“ – zurück und alles geht wieder von vorne los. Halleluja ist das nervtötend! Das liegt natürlich vor allem an…

Die Charaktere: Tanya ist eigentlich gar nicht so schlecht, andererseits aber fürchterlich naiv und ignorant. Wirklich nervig aber ist Prinz Phillip, den ich ja doch gerne erwürgen würde mit diesem ewigen „Ich liebe dich über alles, aber ich kann aus Gründen, die ich dir nicht nennen kann, nicht mit dir zusammen sein“. Die anderen Figuren sind… Naja, sie bleiben alle irgendwie relativ blass und obwohl sie teilweise einiges an Potential haben, werden sie von dieser nervigen Liebesgeschichte in den Hintergrund gedrängt.

Alles in allem konnte mich „Royal: Eine Hochzeit aus Brokat“ von Valentina Fast einerseits erneut in den Bann dieser Serie ziehen, andererseits lässt es mich vor allem deshalb so skeptisch zurück, weil ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass die Geschichte im nächsten Band wirklich vernünftig zum Abschluss gebracht werden kann, einfach schon deshalb, weil in den ersten fünf Bänden so viel offen geblieben ist und im sechsten Teil quasi alles geklärt werden muss… Lesen werde ich Teil 6 aber natürlich trotzdem, immerhin bin ich dann doch zu neugierig wie die ganze Sache ausgeht.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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