Rezension zu Schwarze Tränen von Thomas Finn

 

»Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, dass es zugrunde geht;
Drum besser wär’s, dass nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.«

Mephistopheles, Faust; Vers 1338ff

„Schwarze Tränen“ von Thomas Finn ist einfach ein klasse Buch. Mit großem Können und jede Menge Hintergrundwissen erschafft der Autor hier eine Art „Faust 2.0“. Dabei entsteht eine moderne, spannende und immer wieder auch sehr witzige Geschichte, die gleichzeitig aber auch sehr komplex ist und vom Leser doch ein wenig Vorwissen im Bereich Mythen, Sagen, Märchen, Religion, klassische Literatur, Geschichte und auch Popkultur fordert, wenn man sie denn wirklich genießen will.

Denn Finns Werk strotzt nur so vor Anspielungen, Verweisen und genreübergreifenden Verknüpfungen, die zwar oftmals auch erklärt werden (da Protagonist Lukas selbst zwar hier und da durchaus auf eigenes Wissen zurückgreifen kann, jedoch z.B. nicht unbedingt als allzu bibelfest zu bezeichnen ist), teilweise aber ohne die entsprechenden Hintergrundkenntnise auch durchaus für Verständnisprobleme sorgen bzw. zumindest den Lesefluss stören und unterbrechen können.

Dabei ist „Schwarze Tränen“, wenn man denn ein Mindestmaß an Vorkenntnis und vor allem auch Interesse an diesen Themen mitbringt, einfach nur fesselnd. Ich war mir nicht wirklich sicher, was ich von diesem Buch halten sollte und habe das Buch auch nur mit mäßiger Begeisterung aufgeschlagen, jedoch schon mit dem obigen Zitat von Mephistopheles aus Goethes Faust, das zu Beginn des Buchs abgedruckt ist, war meine Neugierde geweckt und die restlichen knapp 550 Seiten vergingen wie im Flug.

Denn nicht nur Finns Schreibstil, der vor klugem Witz und interessanten Anspielungen nur so wimmelt und sich trotzdem sehr leicht und flüssig lesen lässt, und die Handlung, die komplex, spannend und immer wieder überraschend ist, sondern auch die Charaktere haben mich in ihren Bann ziehen können, allen voran natürlich Lukas Faust. Der Ururur…urenkel des ursprünglichen Dr. Faust war mir auf Anhieb sympathisch, er ist ein kluger Kopf, aber kein Alleswisser oder -könner, sondern jemand, dem man seine Geschichte mit all ihren Irrungen und Wirrungen sehr gut abkaufen kann und mit dem man sich schnell identifizieren kann. Und auch die Gefährten, die er im Laufe der Geschichte so ansammelt und die anderen Gestalten, die sich in diesem Roman tummeln, bestechen durch ihr Facettenreichtum, das sie sehr lebensecht wirken lässt, sowie die gut recherchierten Hintergründe.

Allerdings gibt es eine Sache, die mich nun wirklich nicht begeistern konnte: Die Inhaltsangabe. Denn die verrät, wie ja leider so oft, Dinge, die erst im Laufe der ersten 200 Seiten offenbart werden und nimmt damit doch an einigen Stellen Spannung aus der Geschichte. So etwas finde ich immer schade, das es vor allem einfach so völlig unnötig ist.

Trotzdem, alles in allem hat mich Thomas Finn mit „Schwarze Tränen“ voll und ganz überzeugen können, ich bin wirklich begeistert von diesem Buch und auch wenn die Geschichte in sich weitestgehed abgeschlossen ist, hält der Epilog doch die Möglichkeit einer Fortsetzung offen und ich würde mich sehr darüber freuen, wenn es mehr von dieser Geschichte zu lesen gäbe. Eine dicke, fette Empfehlung an alle Freunde anspruchsvoller, komplexer Fantasy!

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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1 Kommentare zu “Rezension zu Schwarze Tränen von Thomas Finn”

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