Rezension zu Nebelsilber von Tanja Heitmann

Manchmal, wenn ein Rezensionsexemplar bei mir ankommt, dann frage ich mich ja doch ernsthaft, was genau ich mir bloß dabei gedacht habe, als ich das Buch angefragt habe. So auch bei „Nebelsilber“ von Tanja Heitmann, das monatelang auf meiner als Lesezeichen getarnten Wunschliste rumdümpelte, bevor es dann vor einer Weile in meinem Briefkasten gelandet ist. Und nachdem ich es ausgepackt und mir die Inhaltsangabe nochmal durchgelesen hatte, war ich doch plötzlich ziemlich verwirrt, wie ich um Himmels Willen jemals auf die Idee gekommen bin, dieses Buch lesen zu wollen. Allerdings konnte mich die Geschichte dann, nachdem ich ihr eine Chance gegeben habe, doch überraschend überzeugen.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? —
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? —
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. —

(Johann Wolfgang von Goethe, 1782)

Tanja Heitmann nimmt die Mythologie und Folklore rund um den Erlkönig, den wohl jeder aus der gleichnamigen Ballade von Goethe kennt (neben Theodor Fontanes „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ wohl das einzige Gedicht aus der Schulzeit, das ich noch auswendig kann 😀 ), und verpackt sie neu in einer spannenden, modernen Hülle mit originellen und faszinierenden Charakteren und einer fesselnden Story, die einen schnell in ihren Bann zieht.

Ich gebe zu, ich fand die Handlung zwischendurch dann doch ein kleines bisschen absurd, manchmal hatte ich etwas Probleme die Logik hinter dem Geschehen zu entdecken und auch die Liebesgeschichte war ehrlich gesagt nicht wirklich mein Fall. Allerdings haben mir die Charaktere und auch die Idee sowie in großen Teilen deren Umsetzung in der Handlung dann eben doch sehr gut gefallen und vor allem der großartige, sehr atmosphärische Schreibstil und die düster-magische Stimmung haben meine Probleme mit dem Roman dann doch größtenteils wieder wettgemacht.

Alles in allem gibt es daher eine klare Empfehlung für Tanja Heitmanns „Nebelsilber“, auch wenn die Geschichte nicht immer so ganz schlüssig war, konnte sie mich vor allem durch ihre wunderbare Atmosphäre überzeugen. Wenn man sich für typische Jugendbuchliebesgeschichten begeistern kann, dürfte einem der Roman sogar noch eine ganze Ecke besser gefallen 😉

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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