Rezension zu Alanna: Das Lied der Löwin von Tamora Pierce

Dieses Buch ist echt ein verdammter Wälzer… Kein Wunder, wurden hier doch vier Stories in ein Buch gepackt: Unter dem Titel „Alanna: Das Lied der Löwin“ vereint es zwischen seinen zwei Buchdeckeln alle vier Bände der in den 80ern unter dem Titel „Alanna: Die Löwin von Tortall“ erschienenen Serie von Tamora Pierce:
– Die schwarze Stadt
– Im Bann der Göttin
– Das zerbrochene Schwert
– Das Juwel der Macht

Dementsprechend vielfältig ist dieses Buch auch, denn es begleitet die junge Adlige Alanna von Kindheit an, vom dem Moment, in dem sie mit ihrem Zwilling Thom die Rollen tauscht, um als Alan von Trebond Ritter zu werden, bis hin zu den Abenteuern, die sie schließlich als einziger weiblicher Ritter Tortalls erlebt. Dabei hat mich die Autorin vor allem durch die konstante Entwicklung ihrer Charaktere überzeugt. Die Handlung der Bücher umfasst mehrere Jahre und schon oft ist mir aufgefallen, dass so mancher Autor Probleme damit hat, seine Charaktere über solch einen langen Zeitraum konstant vielschichtig und realistisch zu halten.

Alanna allerdings ist von Anfang an ein in meinen Augen sehr überzeugender Charakter gewesen. Sympathisch war sie mir nicht immer, zwischendurch hatte sie so ihre Momente, in denen ich sie am liebsten gegen die Wand geklatscht hätte, aber ich finde, irgendwie gehört das dazu, gerade wenn man einen Charakter dabei begleitet, wie er vom Kind zum Erwachsenen wird. Dafür war sie um so vielschichtiger und realistischer in ihren Aktionen und Emotionen und eben auch in ihren Reaktionen auf die Stolpersteine, die die Autorin ihr in dieser Geschichte immer wieder in den Weg gelegt hat. „Alanna“ ist kein weichgespültes Friede-Freude-Eierkuchen-Buch, sondern eins, das auch die dunklen Seiten des Lebens, Selbstzweifel, Einsamkeit, Verlust, etc. beleuchtet, wobei die Autorin diese Themen äußerst gelungen in die Geschichte einflechtet und genau das richtige Maß gefunden hat, sodass die Geschichte eine gewisse Leichtigkeit versprüht ohne dabei oberflächlich zu werden.

Und auch die anderen Charaktere, denen Alanna auf ihrem Weg begegnet, hat mich schnell in ihren Bann gezogen. Sie alle verfügen über eine gewisse Vielschichtigkeit, manche mehr, manche weniger, abhängig davon, wie groß ihre Rollen in der Geschichte sind, und alle haben sie auch ihre Schattenseiten, die sich Pierce auch nicht scheut zu beleuchten und den Leser an Alannas Seite ergründen zu lassen. Das alles gibt es Geschichte eine faszinierende Tiefe, die sich hervorragend mit der fesselnden Spannung verbindet, die die Autorin hier gekonnt immer wieder aufbaut – auch wenn es durchaus die eine oder andere kleinere Länge gibt.

Das einzige, was mich an diesem Buch wirklich gestört hat, waren die ganzen Fehler im Text. Da fehlten Wörter und Buchstaben oder sie waren an der falschen Stelle oder schlicht und ergreifend vertauscht. Wenn man sich schon die Mühe macht, nach teils über 25 Jahren (die Originale sind von 1983, 84, 86 und 88 und die ersten deutschen Übersetzungen von 85-88), eine neue Übersetzung anzufertigen, dann kann man sich doch wenigstens auch die Mühe machen, diese vernünftig Korrektur lesen zu lassen, oder? Vor allem, fallen diese Fehler teilweise gar nicht auf, kapitellang gibt es, außer vielleicht mal einem kleinen Buchstabendreher, gar keine Fehler, nur damit diese dann plötzlich gehäuft auftreten, sodass man sie gar nicht übersehen kann.

Alles in allem ist „Alanna: Das Lied der Löwin“ zwar ein etwas unhandliches Buch, aber dafür auch ein wahnsinnig vielschichtiges und fesselndes. Hier findet man endlich einmal ein wirklich gutes YA-High Fantasy Buch mit einer starken weiblichen Hauptfigur, das – was wohl nicht zu letzt an seinem doch schon etwas länger zurückliegendem Entstehungszeitraum liegt – so ganz anders ist, als all diese „Modeerscheinungen“, die man heutzutage so im Jugendbuchbereich findet. Bis auf ein paar kleinere Ecken, die Lesefluss und Spannung unschön unterbricht, ist dieses Buch einfach toll gewesen und es ist definitiv eine dicke Empfehlung wert!

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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