Rezension zu Schwestern der Wahrheit von Susan Dennard

Und ein letztes Mal gehe ich euch noch mit „Schwestern der Wahrheit“ von Susan Dennard auf die Nerven, danach ist Schluss 😉 Heute endet die Bloggeraktion zum Buch, gestern habe ich die letzten Seiten gelesen und jetzt kriegt ihr meine Rezension. Die ist allerdings nicht wirklich begeistert, denn auch wenn ich die gut 500 Seiten des Romans ohne Probleme an zwei Tagen durchgelesen habe, für mehr als 2,5⭐ reicht es leider nicht – wie so oft bei so stark gehypten Büchern kann ich den Hype einfach nicht nachvollziehen. Ja, „Schwestern der Wahrheit“ ist unterhaltsam, aber es ist vor allem auch sehr, sehr platt.

Die beiden Protagonistinnen des Romans sind Safi und Iseult, Strangschwestern aka. BFFs und unregistrierte Magi, wobei Safi etwas ganz besonderes ist: eine Wahrmagis, von allen Machthabenden gewollt und gefürchtet. Es kommt, wie es kommen muss, Safis Fähigkeiten werden entdeckt und die beiden Mädchen fliehen, verfolgt von Aeduan, einem Blutmagis, der den Geruch ihrer Magie wittern kann, und mit der Unterstützung des seefahrenden Prinzen Merik. Und im Grunde genommen ist das die Handlung, denn mehr passiert in diesem Roman im Endeffekt nicht – es wird geflohen, zwischendurch gibt es ein bisschen Schwertgeklirre und Wortgefechte und joar… Am Ende passiert dann etwas, was irgendwie kaum mit dem Rest der Geschichte zu tun haben scheint und alles wirkt einfach so willkürlich.

Das war also die Handlung – quasi nicht existent, dafür aber schnell und aktionreich und dadurch trotz allem unterhaltsam – auch wenn man sämtliche Entwicklungen eigentlich schon 100 Seiten vorher riechen kann. Noch weniger existent ist allerdings die Welt, denn die ist nicht mehr als ein grauer Klumpen, so wenig definiert, dass man es auch gleich hätte bleiben lassen können. Die Geschichte spielt in den Magislanden. Die bestehen aus ein paar Reichen, eins davon hat Macht durch Handel, eins hat einen Kaiser und viele Armeen, eins eine Kaiserin und Gift- und Feuermagi, eins war mal ein Piratenstaat ist jetzt aber von Magie zerstört und eins ist einfach nur Chaos, der Rest ist zu klein, um Erwähnung zu finden, die Namen kennt man nur dank der Karte, die vorne im Buch abgedruckt ist und aussieht, als hätte ich versucht mit geschlossenen Augen Europa zu malen. All diese Länder sind Teil eines 20jährigen Waffenstillstands, der aber bald zu Ende geht und dann wird jeder wieder mit jedem Krieg führen. Warum auch immer. Ist halt so.

Es gibt keine historischen Hintergründe, keine Erklärungen der politischen Verhältnisse, keinerlei Gefühl dafür, warum die Verhältnisse in dieser Welt so sind, wie sie sind. Es gibt auch keine großartigen Schilderungen von Kultur und Religion – die Carawen Mönche verehren die Cahr Awen, aber was genau die sind, das wird nie so wirklich klar. Und es gibt Puristenpriester, offenbar sind die gegen sämtliche Magie, aber auch das wird nicht erklärt. Genauso wenig wird wirklich klar, warum die Welt so ein Problem mit den Nomatsi hat, dem Volk, dem Iseult entstammt. Es ist eine Art fahrendes Volk, Nomaden oder ähnliches, von allen verachtet, gehasst und gefürchtet, offenbar geht das so weit, dass sie keinerlei rechtlichen Schutz genießen und allein aufgrund ihrer Abstammung erhängt werden können. Nur wieso?!

Und die Magie? Auch davon habe ich keine Ahnung. Es gibt halt sechs verschiedene Elemente, denen die einzelnen Magien zugeordnet werden. Offenbar sind sowohl Wahr- als auch Strangmagi (das ist die Art Magis, die Iseult ist) dem Aether zugeordnet, während Blutmagi der Finsternis angehören. Dass Wassermagi zum Element Wasser gehören, Feuermagi zu Feuer und Windmagi zur Luft ist nun nicht so überraschend, aber was ist mit Webermagi? Illusionsmagi? Und was auch immer es sonst noch für Magi gibt! Und gibt es Strangmagi wirklich nur bei den Nomasti oder war das nur mein Eindruck? Was genau tun Strangmagi eigentlich? Sie können die „Stränge“ von anderen Menschen sehen, also deren Beziehungen und auch Emotionen und ääääh… Und wieso ist eine Wahrmagi so wertvoll? Nur wegen des Seltenheitsfaktors? Weil so wahnsinnig special erscheint mir Safis Magie jetzt nicht.

Überhaupt, Safi leidet ganz eindeutig an diesem „special snowflake“-Syndrom. Sie ist halt was besonderes. Wunderhübsch und eine der seltensten Magi überhaupt und außerdem noch hervorragend im Umgang mit dem Schwert. Warum also sollte sie nicht mit Leichtigkeit sämtliche Prinzen, die ihren Weg kreuzen um den kleinen Finger wickeln können? Wirklich etwas können muss man dafür ja nicht und das ist auch ganz gut so, Safi kann nämlich auch nicht wirklich etwas, außer in dumme Situationen zu rennen, ohne vorher an die Konsequenzen zu denken – dafür hat sie schließlich Iseult. Iseult ist nämlich der Kopf des Teams, diejenige, die die beiden aus all den Schlamassel rausholt, in die Safi sie mit ihren impulsiven, egozentrischen Art reinmanövriert. Auch sonst ist Iseult in meinen Augen eindeutig die interessantere der beiden, leider steht Safi aber ganz klar im Zentrum der Handlung (das Buch heißt im Original ja auch „Truthwitch“) und Iseult… naja, die trottet halt so hinterher.

Oh, und nicht zu vergessen: Es gibt Insta-Dingsda! Es ist keine Instantliebe, weil sie ja nicht ab Seite drei mit den Lippen aneinander kleben, aber es ist quasi unwiderstehliche Anziehung beim ersten Schritt – kaum tanzen Safi und einer ihrer Prinzen einmal miteinander (bis dahin haben sie sich maximal fünf Minuten unterhalten), ist klar: Zwischen den beiden ist mehr! Und es knistert auch ordentlich, denn beide haben einen aufbrausenden Charakter und keifen sich die nächsten zig Kapitel ständig gegenseitig an – nur um dann in Gedanken von dem anderen zu schwärmen… Diese „Romanze“ hätte man meiner Meinung nach auch einfach streichen können, sie ist überflüssig wie sonst was und sollte nicht eigentlich eh die starke Freundschaft zwischen den Mädchen im Zentrum stehen? Davon merkt man nicht so wahnsinnig viel.

Denn auch wenn ich Iseult eindeutig als die interessantere Protagonistin empfunden habe, wird sie doch recht stark marginalisiert. Schade, denn sie hatte so viel Potential… Aber so unklar wie ihre Hintergründe, ihr Volk, ihre Fähigkeiten sind, so unklar war für mich zwischendurch auch ihre Rolle in diesem Roman. Ja, sie ist Safis beste Freundin, aber die Freundschaft zwischen den beiden Mädchen kam für mich zeitweise einfach eher wie eine Zweckgemeinschaft rüber, die Gefühle zwischen ihnen waren ähnlich oberflächlich wie auch sonst das meiste in der Geschichte. Trotzdem war Iseult eine der beiden Figuren, die ich wirklich mochte – die andere war der Blutmagis, der definitiv die interessanteste Figur überhaupt ist.

Insgesamt klingt das zwar ziemlich negativ, aber ich werde wohl auch noch den zweiten Teil von Susan Dennards „Schwestern der Wahrheit“ lesen, sobald er denn erscheint – auch wenn er sich dem Originaltitel „Windwitch“ nach ebenfalls weder auf Iseult noch auf Aeduan konzentrieren wird, sondern Safis Prinz, aber vielleicht gibt es ja wenigstens Hintergrundinfos. „Schwestern der Wahrheit“ war nicht schlecht, der Schreibstil ist völlig okay, die Geschichte schnell und actionlastig, aber es steckt halt einfach viel zu wenig dahinter. Für mich braucht High Fantasy großartig beschriebene Welten, fremde Kulturen, Religionen und vor allem Geschichte und Politik, damit man ein Gefühl nicht nur für die Welt sondern auch die Hintergründe bekommt – und wenn noch Magie im Spiel ist, dann muss die verdammt nochmal ebenfalls zumindest etwas erklärt werden! Aber hier hatte ich das Gefühl, als hätte ich das „Magislande 101“-Einführungsmemo verpasst, in dem solche Dinge erklärt wurden…

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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1 Kommentare zu “Rezension zu Schwestern der Wahrheit von Susan Dennard”

  1. Hallo liebe Hannah!

    Da habe ich deinen Blog doch gerade erst über amazon entdeckt. Sehr schön hast du es hier!:)

    Ich lese das Buch gerade und stimme dir in den meisten Punkten zu. Gerade der Anfang wirkt sehr unausgegorren, als ob alles zum Weltenbau irgendwo anders schon erklärt worden wäre.
    Zu meinem Glück gefällt es mir nun langsam besser, aber am Anfang konnte ich dem Ganzen kaum folgen, da man einfach so vor vollendete Tatsachen gestellt und nichts erklärt wird.

    Iseult finde ich so interessant. Ich hoffe sehr, dass sie noch ihr eigenes Buch bekommen wird und wir dann erfahren, was es mit den Nomatsi auf sich hat, denn ich mus gestehen, dass ich es bis jetzt nicht recht verstanden habe. Auch bei Aeduan stimme ich dir zu (Kullen finde ich aber ebenfalls sehr interessant, bin aber auch erst bei der Mitte des Buches, wer weiß also, was noch auf mich zukommt.^^)

    Trotz der Schwächen bin ich – wie du – neugierig auf die weiteren Bände, da Potenzial in der Story steckt und ich hoffe, dass Susan Dennard die Startschwierigkeiten aus diesem Band dann getilgt haben wird.

    Liebe Grüße

    Effi

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