Rezension zu Infernale von Sophie Jordan

Okay, das war langweilig. Ich hatte mich eigentlich ziemlich auf Sophie Jordans „Infernale“ gefreut, das, was ich vorher schon von ihr gelesen hatte, ist mir eigentlich alles recht positiv in Erinnerung geblieben und hier fand ich das Thema einfach interessant. Die ganze „Was passiert, wenn unsere DNA verrät, was für Menschen wir werden“-Thematik fand ich wirklich vielversprechend – leider ist die Geschichte drumherum ein einziges Klischee.

In Davys Welt werden Menschen auf HTS, das Homicidal Tendency Syndrome, getestet, um zu sehen, ob sie vielleicht zu Gewalttätern und Mördern werden könnten. Das Ganze ist eine super spannende Prämisse, mit ganz viel Potential für die Diskussion von „nature vs nurture“, Diskriminierung, etc. pp. Das alles wird durchaus diskutiert und diese Abschnitte sind auch gut geschrieben und stimmen einen ausgesprochen nachdenklich, unglücklicherweise wird das aber alles von der einfach langweiligen Handlung und den stereotypischen Figuren überschattet.

Die ganze Geschichte ist extrem auf Protagonistin Davy fokussiert und Davy ist natürlich perfekt – hochbegabt, hübsch, und so weiter und so fort. Und natürlich ist sie eine der wenigen, die trotz HTS nicht unglaublich gewalttätig sind. Ebenso logisch ist natürlich auch, dass sie sich, kaum dass ihr altes Leben nach ihrer Diagnose in sich zusammen gefallen ist, in den ultimativen Bad Boy verliebt. Die Liebesgeschichte ist völlig überflüssig und nimmt nur Raum in der Handlung ein, den man viel besser hätte nutzen können, um die ganze Geschichte mit ein weniger mehr Substanz zu versehen – denn leider bleibt quasi alles unklar:

Wann wurde das HTS entdeckt? Wo sind die Widerstände gegen die Art und Weise, auf die HTS-Positive behandelt werden (und es gibt IMMER Widerstände)? Und wieso dürfen Davy und ihre Freunde die einzigen sein, die trotz HTS nicht direkt zu Mordmaschinen mutieren? Sind sie denn noch nicht special genug? Oder sind sie einfach so blasse, nichtssagenden Charaktere, dass sie sich nur dann irgendwie von der Masse abheben können, wenn alle um sie herum besonders schlecht sind? (An dieser stelle lautet meine Antwort übrigens eindeutig JA)

Insgesamt bietet „Infernale“ so unglaublich viel Potential, dass es einfach nur traurig ist, wie wenig Autorin Sophie Jordan im Endeffekt daraus macht. Die eigentlich sehr interessanten Fragen und auch wirklich gut geschilderten Problematiken gehen in einem Wust aus klischeehaften Charakteren, fehlenden Hintergrundinformationen und langatmiger, oberflächlicher Handlung unter. Schade, aber den nächsten Band werde ich mir sparen…

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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