Rezension zu Nachtlilien von Siri Lindberg

Endlich einmal wieder ein High Fantasy Roman, der:
1.) eine weibliche Hauptfigur hat
2.) dabei aber kein Jugendbuch ist
3.) und wundersamer Weise auch nicht Teil einer Serie ist

Das ist endlich mal wieder ein Buch, auf das ich so richtig Lust habe und dementsprechend groß war meine Vorfreude – und auch wenn „Nachtlilien“ meiner Meinung nach durchaus noch Potential nach oben gehabt hätte, ist es doch ein tolles Buch, das mich nicht enttäuscht hat.

Erzählt wird die Geschichte aus zwei Perspektiven, der von Jerusha, einer jungen Frau, die kurz vor ihrer Hochzeit von dem Fluch erfährt, der über ihre Großmutter verhängt wurde und seitdem auf allen Frauen der Familie lastet, und der des Kriegers Kiéran, der im Kampf verwundet und daraufhin erblindet ist, durch eine geheimnisvolle Macht jedoch die Chance bekommt, die Welt aus einer ganz neuen Sicht kennen zu lernen. Die beiden Perspektiven wechseln sich in regelmäßigen Abständen ab und beiden Protagonisten hat die Autorin eine ganz eigene Stimme verliehen, sodass sich die einzelnen Abschnitte auch vom Ton und Stil her unterscheiden. Dadurch werden die Figuren sehr greifbar und man bekommt als Leser tiefe Einblicke in ihre Gedanken und Motivationen, was sie realistisch und mehrdimensional wirken lässt.

Die Figuren, die sich im Laufe der Geschichte um dieses so ungleiche Paar sammeln, bekommen von dieser Mehrdimensionaltät leider nur begrenzt etwas ab. So gibt es zwischendurch zwar immer mal wieder kürzere ergänzende Szenen aus anderen Perspektiven wie z.B. der von Jerushas Verlobtem, doch leider bleiben viele der Nebenfiguren relativ vage und schemenhaft. Hier hätte ich mir daher doch deutlich mehr Tiefe erhofft, denn das dämpft natürlich auch die Atmosphäre des Buchs immer wieder.

Trotzdem fand ich die Geschichte von „Nachtlilien“ wahnsinnig spannend, die Welt der Autorin ist facettenreich und voller Abwechslungen und Überraschungen und auch wenn ich mir auch hier immer wieder mal etwas mehr Details gewünscht hätte, hat mich diese Welt doch sehr schnell in ihren Bann gezogen und bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. Wirklich neue Elemente gibt es hier, wie bei High Fantasy generell, natürlich kaum, aber die Autorin versteht es die ihr zur Verfügung stehenden Mittel gekonnt zu etwas Neuem, etwas Einzigartigem zusammen zu setzen.

Alles in allem fand ich „Nachtlilien“ von Siri Lindberg sehr gut, der Fokus der Geschichte liegt halt eindeutig auf Jerusha und Kiéran und ihrer Beziehung zu einander, wodurch einige andere Dinge, bei denen ich mir mehr Details erhofft hätte, in den Hintergrund rücken, aber das Buch ist nichtsdestotrotz ein tolles und gelungenes Debüt, das mich neugierig darauf macht, was es von der Autorin als nächstes geben wird.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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2 Kommentare zu “Rezension zu Nachtlilien von Siri Lindberg”

  1. Der Titel hat mich angelockt, die Rezension zu lesen. Ich bin Lilienfan 😉
    Aber das Buch klingt auch sehr gut, die Punkte, die du ganz oben genannt hast, finde ich interessant. Vor allen Dingen das mit der Buchreihe, scheint es ja nur noch zu geben.

    Sehr schön 🙂
    Alles Liebe, Chimiko

    1. Der Titel war auch tatsächlich das, was mich auf das Buch aufmerksam gemacht hat ^^

      Und ja, ich finde es auch total angenehm endlich mal wieder ein Buch zu lesen, bei dem ich danach nicht ewig auf die Fortsetzung warten muss – gerade bei High Fantasy kann das ja auch mal locker 5, 6 Jahre oder noch länger dauern.

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