Rezension zu Die myrrhischen drei Könige von Seth Grahame-Smith

Die Geschichte der myrrhischen drei Könige bietet einem wirklich einmal eine ganz andere Perspektive auf das Leben Jesu. Mit viel Witz und Ironie, aber auch großer Ernsthaftigkeit erzählt Seth Grahame-Smith hier die Geschichte der drei Gauner Caspar, Melchior und Balthasar, die durch puren Zufall an Josef, Maria und Jesuskind geraten und deren Geschichten von da an untrennbar verbunden sind.

Meine größte Sorge war bei diesem Buch, ob es nicht schnell abgedroschen wird, wenn man versucht über 400 Seiten mit einer solchen Geschichte zu füllen. Meine Bedenken haben sich allerdings schnell als völlig haltlos erwiesen und ich habe „Die myrrhischen drei Könige“ wirklich voll und ganz genossen.

Der erste Teil dieser Erzählung, die übrigens knappe 65 Jahre umfasst – beginnend kurz vor der Heiligen Nacht und endend 64 nach Christus am Kreuz -, strotzt nur so vor bitterbösem Humor, schrägen Figuren und aberwitzigen Handlungssträngen. Erzählt wird aus der Sicht Balthasar, der auf der Flucht vor diversen, von ihm bestohlenen Herrschaften aus Jerusalem flieht und dabei Caspar und Melchior aufgabelt, die auch keine anständigeren Gesellen sind.

Als diese drei „Könige“ dann im Stall zu Bethlehem landen, lässt der humorvolle Unterton der Geschichte jedoch schnell nach, die Erzählung wird deutlich ernsthafter. Das wirkt einige Seiten lang doch etwas komisch und irritierend auf den Leser, denn der Bruch ist relativ plötzlich und man vermisst diese locker-leichte Art, die den Anfang des Buchs so grandios gemacht hat.

Allerdings stellt man dann doch schnell fest, dass dieser neue Ton durchaus zur Geschichte passt. Es geht um Gut und Böse, Recht und Unrecht und man ist doch recht erstaunt darüber, was für eine Spur aus Blut und Leichen sich durch die Geschichte zieht – denn der Autor schreckt nicht davor zurück den damaligen Alltag zwar immer noch mit einem guten Klecks künstlerischer Freiheit aber trotzdem sehr authentisch und vor allem nicht weichgespült darzustellen.

Dabei schafft Grahame-Smith es vor allem, die Geschichte nicht ins Lächerliche zu ziehen. Ja, natürlich unterscheidet sich das, was er hier erzählt doch stark von dem, was man so in den Evangelien über das Leben Jesu zu lesen bekommt, aber der Kern ist der gleiche, nur hat sich der Autor eben die Freiheit genommen die Geschichte auszuschmücken.

Alles in allem ist „Die myrrhischen drei Könige“ ein sehr, sehr unterhaltsames Buch, das zwar immer wieder sehr witzig ist, trotzdem nichts ins Lächerliche zieht und ernst bleibt. Mir persönlich hat es jedenfalls hervorragend gefallen und ich kann es nur weiter empfehlen.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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