Rezension zu Wie ein Himmel voller Seehunde von Sara Lövestam

Anna und Lollo sind fünfzehn und verbringen den Sommer auf einer Insel in den schwedischen Schären. Aber nicht gemeinsam, ganz im Gegenteil. Zwar sind beide Mädchen mit ihren Familien dort, haben ein Grundstück auf der Insel und ein Boot, aber unterschiedlicher könnten sie trotzdem kaum sein.

Anna freut sich wie jedes Jahr auf diesen Sommerurlaub, darauf mit ihrem Vater in dem kleinen Boot, das sie haben, rauszufahren und zu fischen. An der kleinen Hütte und dem ‚Paradies‘, in dem diese steht, herumzuwerkeln. Dass sie ihre Freunde für ein paar Wochen nicht sieht, ist zwar schade, aber der Urlaub hat schließlich Tradition, er gehört einfach dazu – auch wenn ihre Mutter verstorben ist und ihr älterer Bruder nicht mehr mitkommt und sie auf die lächerlichen, reichen Schnösel auf der Insel gut verzichten könnte.

Lollo, die mit vollem Namen Loppan heißt, hingegen ist überhaupt nicht angetan von diesem Urlaub. Da ändern weder das luxuriöse Ferienhaus, noch Papas Yacht etwas dran. Sie wäre viel lieber mit ihrer besten Freundin in Oslo, als mit der nervigen Familie mitten im Nirgendwo fest zu sitzen. Gerade mit ihrer Mutter möchte die 15jährige eigentlich keine Minute mehr verbringen als zwingend nötig ist.

Das Mädchen ist eigentlich genau wie sie, und irgendwie auch wieder überhaupt nicht.

Wie ein Himmel voller Seehunde von Sara Lövestam

Mit Anna und Lollo hat Sara Lövestam zwei Protagonistinnen geschaffen, die ebenso viel verbindet, wie sie auf den ersten Blick trennt. Und das beschreibt die Autorin ganz wundervoll. Auf der einen Seite Lollo, für die ihr elitärer Lebensstil so selbstverständlich ist und auf der anderen Seite Anna, die Leute wie Lollo und ihre Familie generell für unmöglich hält. Während sich zwischen den Mädchen erst Freundschaft und dann mehr entwickelt, entdecken sie nicht nur neue Seiten an der jeweils anderen, sondern lernen auch sich selbst besser kennen.

Ganz ruhig erzählt die Autorin diese Geschichte der ersten großen Liebe, deren größte Hindernisse oft in Anna und Lollo selbst liegen. Mit viel Geschick und Einfühlungsvermögen werden die Gefühle beschrieben, die die zwei durchmachen, das Knistern, das sich zwischen ihnen entwickelt, ist dabei ebenso überzeugend, wie ihre (Selbst)Zweifel und es ist ein Leichtes, sich beim Lesen in die Mädchen hineinzuversetzen und nachzuvollziehen, was in ihnen vorgeht, denn das porträtiert die Autorin hier ausgesprochen realistisch.

Überhaupt bestechen nicht nur die beiden Protagonistinnen in diesem Roman durch die vielschichtige, realistische Art, auf die sie dargestellt werden, sondern die ganze Geschichte, die Nebencharaktere und die Szenerie wirken so lebendig, dass man sie beim Lesen regelrecht vor Augen hat. Und das, obwohl der Schreibstil manchmal geradezu kühl-distanziert wirkt. Die emotionale Verbindung zu den Geschehnissen und Figuren des Romans ist trotzdem auf jeder Seite vorhanden und das ist das, was mich an diesem Buch so begeistert hat.

Überall dort im Paradies, wo keine Bäume den Weg verstellen, ergießt sich das Sonnenlicht über hohe Farne und Gräser. […] Im Gegensatz zur Hölle mit dem ganzen Schritt ist es hier sommerlich und richtig schön. Nur wenige Meter trennen das Hübsche vom Hässlichen.

Wie ein Himmel voller Seehunde von Sara Lövestam

„Wie ein Himmel voller Seehunde“ von Sara Lövestam ist nicht einfach irgendein fluffiger Sommerroman über zwei Mädchen, die gemeinsam die erste große Liebe erleben. Es ist einer dieser Romane, die einfach tiefer gehen, als man im ersten Moment erwarten würde. Es geht natürlich um die Liebe, aber auch um Freundschaften und Familie, um Privilegien und die, die sie nicht haben und darum, wie man manche Dinge manchmal einfach nicht wahrnimmt.

Von mir gibt es für diesen Roman eine dicke Empfehlung, denn er hat mir ausgesprochen gut gefallen – kurzweilig und trotzdem nicht seicht, wundervoll sommerlich (ich möchte jetzt so gerne mit einem Koffer voller Bücher nach Schweden und es mir auf einer Schäreninsel bequem machen), ohne dabei so ein Buch zu sein, das zu anderen Jahreszeiten nicht funktionieren würde. Alles in allem: Lesen! 😉

Für Fans von…

  • f/f Jugendromanen
  • mutigen Figuren
  • Romanen, die einfach ein bisschen „mehr“ sind

Was andere Blogger sagen:

Habt ihr das Buch gelesen und rezensiert? Dann lasst mir doch einen Kommentar da und ich verlinke eure Rezension hier 😊

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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