Rezension zu Schwert und Rose von Sara B. Larson

Hätte ich das Buch zu einem anderen Zeitpunkt gelesen, wer weiß, vielleicht hätte es mir deutlich besser gefallen. Aber wer meinen Post „Das YA-Debakel oder Wie sich meine Leseliste spontan halbierte“ gelesen hat, der wird mitbekommen haben, dass Sara B. Larsons „Schwert und Rose“ zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt den Weg in mein Regal gefunden hat.

Okay, ich bin an dem Dilemma selbst schuld, ich hätte eigentlich schon bei der Inhaltsangabe stutzig werden müssen, immerhin ist von dem „romantischste[n] Fantasyabenteuer des Jahres“ die Rede mit einer Protagonistin, die „zwischen zwei Männern, die um ihr Herz kämpfen“ steht… Hätte ich mir denken können, dass das nicht mein Ding ist, aber – wie so oft, wobei ich ja Besserung gelobt habe – habe ich diese Teile gekonnt überlesen und mich von der restlichen Inhaltsangabe, dem Cover und den guten Bewertungen einlullen lassen… Hätte ich mal besser die Finger davon gelassen.

Ich bin mir sicher, dass „Schwert und Rose“ noch viele, viele Leser begeistern wird, denn es hält, was die Inhaltsangabe verspricht und ist  wirklich überaus romantisch – eigentlich ist es nicht außer romantisch, denn die Dreiecksbeziehung überschattet schnell jeden Ansatz irgendeiner anderen Handlung (wobei die Handlung auch erst nach gut einem Drittel des Buchs überhaupt mal in Gang kommt). Nur wirklich romantisch ist die – meiner Meinung nach – eigentlich auch nicht, denn nicht nur ist sie quasi nur in Alexas Gedanken existent, es ist auch von Anfang an klar, auf welchen Kerl es hinauslaufen wird, bleibt der andere doch derartig blass, dass weder Leser noch Alexa selbst einen wirklichen Grund haben, ihn als Romanzenmaterial in Betracht zu ziehen.

Dabei ist die Ausgangssituation so gut! Nach dem Tod ihrer Eltern gibt sich die 14jährige Alexa mit Hilfe ihres Zwillingsbruders als Junge aus und tritt der königlichen Leibgarde bei. Okay, das ganze erinnerte mich irgendwie schon ein wenig an Tamora Pierces „Alanna: Das Lied der Löwin“ (naja, vielleicht auch ein bisschen mehr als ein wenig…) aber das hat mich ja nur in der Hoffnung bestärkt, dass es hier einen wirklich vielversprechenden Ansatz gibt! Aber nein, es ist nichts weiter als ein mehr oder minder phantastisches Geschichtengespinnst, das die Autorin hier um eine blasse, völlig konstruierte Dreiecksgeschichte webt.

Oh, und noch einen Punkt gibt es! Der hätte eventuell wirklich Potential gehabt, wäre er nicht völlig unsinniges und dadurch geschmackloses Mittel zum Zweck gewesen: Das Bruthaus! Es ist der Grund, aus dem Alexa überhaupt entscheidet sich als Junge zu verkleiden, es ist das, was den bösen König böse und die guten Helden gut macht, mehr als zwei kurze Erwähnungen am Rande ist es aber nicht Wert. Im Bruthaus werden junge Mädchen und Frauen gefangen gehalten, die – wie auch immer – in den Fängen der Armee gelandet sind. Denn das Königreich befindet sich seit zehn Jahren im Krieg und im Bruthaus sollen neue Soldaten gezüchtet werden – klingt logisch, nicht?

Nein! In diesem Zusammenhang ist das grenzenlos unlogisch! Würde der Krieg nun schon seit Jahrzehnten, vielleicht sogar Jahrhunderten andauern, okay, dann hätte so ein Bruthaus zumindest einen strategischen Sinn. Dauert der Krieg aber „erst“ zehn Jahre an und hofft man immer noch, dass der Krieg bald vorbei ist, dann ist das totaler Quatsch! Wie lange, bis man ein Kind als Soldaten nutzen kann? Ach, keine Ahnung, aber meiner Meinung nach, macht dieses Element in diesem Zusammenhang überhaupt keinen Sinn. Es dient ausschließlich dazu, dass Alexa einen Grund hat, sich zu verkleiden, es macht deutlich wie böse der böse König doch ist und macht die, die gegen dieses Bruthaus sind, zu Helden.

Ach, und es räumt die anderen weiblichen Charaktere ganz geschickt aus dem Weg. Denn natürlich darf an keiner Frau außer Alexa auch nur ein gutes Haar gelassen werden! Alexas Mutter ist tot, die Königin ebenfalls, sodass die älteren/weiseren Frauen schon mal weg sind. Die meisten anderen Frauen stecken im Bruthaus, sind also hilflose, wehrlose Opfer. Und die Frauen, die sich am Hof aufhalten? Dahergelaufene Flittchen, auf die Alexa herabblicken kann, weil deren Art, sich vor dem Bruthaus zu retten, ja so verabscheuungswürdig ist im Vergleich zu ihrer Art (die ja auch noch ihre anhaltende Unschuld und Jungfräulichkeit garantiert… Hm… Scheint auch so eine Voraussetzung für YA-Heldinnen zu sein: Sex ist böööse! ❓ )

Naja, lange Rede, kurzer Sinn: „Schwert und Rose“ von Sara B. Larson hätte mir vermutlich auch zu irgendeinem anderen Zeitpunkt nicht wirklich gefallen, denn die Geschichte ist langweilig und völlig vorhersehbar, geht unter dem viel zu unglaubwürdigen Beziehungsdreieck unter, der Plot, wenn er denn irgendwann mal ins Rollen kommt, kann nur aufgrund von Alexas völlig schwachsinnigen Entscheidungen funktionieren und überhaupt ist hier vieles nach dem Prinzip „reim dich oder ich fress dich“ von der Autorin so zurecht gebogen, dass nichts an der Geschichte wirklich natürlich wirkt. Schade… Aber mich bestärkt das nur in meinem Schluss, meine Lektüren im YA Bereich deutlich einzuschränken und sehr viel vorsichtiger auszuwählen.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

Alle Beiträge von Rike »

Hinterlasse einen Kommentar

Du kannst die folgenden HTML Codes in deinem Kommentar verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*

%d Bloggern gefällt das: