Rezension zu Die Karte der Welt von Royce Buckingham

Dieses Buch lässt sich am besten mit dem bekannten Sprichwort „Außen hui, innen pfui“ beschreiben. Das erste, was meine Aufmerksamkeit erregt hat, war das Cover, das zwar verhältnismäßig schlicht aber trotzdem schön ist, und der Titel, der in Verbindung mit dem Cover einfach einen irgendwie vielversprechenden Eindruck macht. Die Inhaltsangabe hat mich dann nur noch neugieriger gemacht, denn sie rundet den äußeren Eindruck des Buchs einfach perfekt ab. Kein Wunder also, dass ich quasi ewig um dieses Buch herumgeschlichen bin und es mir schlussendlich gekauft habe. Leider.

Denn inhaltlich ist „Die Karte der Welt“ eine absolute Katastrophe. Erste Zweifel sind mir gekommen, als ich aus purer Neugierde mal nach der Originalausgabe „Mapper“ gesucht habe, die allerdings im Buchhandel faktisch nicht existent ist – das Buch ist ausschließlich auf dem deutschen Markt erschienen, wird auf der Website des Autors sogar ausdrücklich als ein Projekt für Deutschland beschrieben und das, obwohl Mr. Buckingham Amerikaner ist und als solcher das Buch auch auf Englisch verfasst hat. Irgendwie komisch, aber was solls, dachte ich mir und hab mich ans Lesen gemacht.

Und nach gerade einmal 100 Seiten die Lust verloren. Bzw. die Lust habe ich bereits vorher verloren, nach 100 Seiten war dann alerdings auch meine Motivation vollständig dahin, sodass ich die restlichen 500 Seiten nur noch grob überflogen und den Epilog gelesen habe – ohne auch nur im Geringsten das Gefühl zu haben, dass mir irgendwelche wichtigen Handlungsentwicklungen oder -elemente entgangen sind, was ja eigentlich schon alles sagt.

Ist der Anfang des Buchs noch relativ spannend, einfach weil die Idee des Schleiers, etc. ganz interessant ist und natürlich die, dass dieser Schleier von einem jungen Kartographen durch seine Zeichnungen verdrängt werden kann, flacht diese Spannung schon nach dem ersten Kapitel rapide ab. Schnell stellt man fest, dass die Charaktere allesamt völlig unrealistisch, flach und blass sind und sich weder gemäß ihrer angeblichen bisherigen Lebenserfahrung verhalten noch im Laufe der Handlung auch nur die geringste Weiterentwicklung durch machen.

So sind die Soldaten, die direkt zu Beginn in Erscheinung treten und bei denen es sich angeblich um so kompetente und welterfahrene Männer handelt, im Endeffekt völlig unfähig Entscheidungen zu treffen – von sinnigen Entscheidungen ganz zu schweigen – und auf Dauer schlicht und ergreifend einfach inkompetent und alles andere als hartnäckig.

Da Traurigste ist jedoch Wex, der Protagonist. An ihm merkt man besonders stark, wie ‚viel‘ Wert der Autor auf glaubhafte, facettenreiche und vielschichte Charaktere gelegt hat. Wex ist 17, Schweinehirte und der Kerl, der durch Zufall zum Kartographen wird. Und Ende. Für mehr reicht es leider nicht, denn Wex ist schlicht sterbendslangweilig, viel zu naiv und unwissend für sein Alter und die Art der Welt, in der er aufgewachsen ist, furchtbar leicht zu beeindrucken und im Grunde tut er nur drei Dinge und die quasi in einer Endlosschleife.

Daher besteht auch die gesamte Geschichte, von Einleitung und Schluss einmal abgesehen, aus genau diesen drei Zuständen von Wex: Ein neues Stück Karte zeichnen und damit irgendwelche Probleme verursachen, seine Reisegefährten, von denen einer immer irgendein Ass im Ärmel hat, mit dem genau dieses eine, gerade geschaffene Problem behoben werden kann, bewundern und sich anhören, dass all die gerade so grandios beseitigten Probleme ja alleine seine Schuld sind, bevor er dazu aufgefordert wird, wieder ein neues Stück Karte zu zeichnen, womit der ganze Spaß natürlich wieder von vorne los geht.

Oder anders ausgedrückt: Die gesamte Geschichte ist einfach langweilig und, nachdem man diese „drei Stufen“ von Wex‘ Handeln einmal durchgemacht hat, absolut vorhersehbar. Weder die Beschreibungen der Charaktere noch so interessante Details wie „Warum kann Wex eigentlich was er kann?“ sind dem Autor irgendwelche auch nur ansatzweise ausführlichen Beschreibungen wert, mit etwas Glück bekommt man hin und wieder sogar einen ganzen Absatz der einem dieser Dinge gewidmet wird, ansonsten ergeht sich die Geschichte in ewig gleichen Wiederholungen der immer gleichen Handlungsfolgen, die anscheinend nur dazu dienen, möglichst viele Klischees und unglaubwürdige Figuren und Wesen mit möglichst geringem Aufwand in der Geschichte unterzubringen.

Auch von Weiterentwicklung kann keinerlei Rede sein und so war es im Endeffekt auch nicht verwunderlich, dass ständig, immer und immer wieder, alle auf Wex Ursprung als Schweinehirte herumreiten, obwohl er mit seiner Fähigkeit eigentlich in einer Position hätte sein sollen, mit der er sich zumindest ansatzweise etwas Respekt hätte verschaffen können. Pustekuchen. Genau dieser Mangel an irgendeiner Art von Entwicklung, Reflexion oder überhaupt sinniger Gedanken sorgen dann auch dafür, dass man den Charakteren tatsächlich die bodenlose Dummheit abkauft, auf der die gesamte Handlung, die nach den ersten 50nochwas Seiten stattfindent, beruht: Wenn Wex doch die Realität mit seinen Zeichnungen ändern kann (er erschafft einen Drachen, hallo?!), warum zeichnet er dann nicht einfach einen Pass, einen Tunnel oder sonst was, um die Leute zurück zu ihrem Ausgangspunkt zu bringen, wo ein Weitergehen doch offensichtlich so eine große Gefahr (und Dummheit) darstellt?

Naja, auf jeden Fall war das Buch alles in allem einfach enttäuschend und ich kann es wirklich niemandem empfehlen. Mein Ratschlag daher: Finger weg und lieber nach einem anderen Buch suchen!

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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