Rezension zu Zwanzig Zeilen Liebe von Rowan Coleman

In „Zwanzig Zeilen Liebe“ erzählt Rowan Coleman eine ausgesprochen bewegende Geschichte über Leben, Liebe und Tod, deren Dreh- und Angelpunkte das Marie-Fancis-Hospiz und die Menschen, deren Leben dieser Ort auf die eine oder andere Art berührt. Ein, wie ich fand, sehr schöner Roman, dem aber das gewisse Etwas gefehlt hat.

Besonders gefallen hat mir der Aufbau des Buchs, denn neben Abschnitten aus wechselnder Perspektiven verschiedener Menschen, deren Leben irgendwie in Verbindung mit dem Hospiz steht, sind immer wieder Briefe abgedruckt. Briefe von Patienten des Hospiz, die diese vor ihrem Tod der Krankenschwester Stella diktierten, damit diese nach ihrem Tod eine letzte Nachricht an ihre Liebsten oder irgendwem, dem sie einfach noch dringend etwas sagen wollten, übermittelt.

Diese Briefe sind sehr unterschiedlich, manche nur ein paar Zeilen lang, andere mehrere Seiten, manche witzig, andere wütend und wieder andere traurig und auch ihre Empfänger sind völlig verschieden, ob verlorene Liebe oder entfremdeter Ehegatte, gerade erst geborene Urenkel oder zur Adoption freigegebene und mittlerweile erwachsene Kinder, verhasste Nachbarn oder geliebte Fremde. Eins aber haben all diese Briefe gemeinsam, denn sie sind sehr bewegend.

Dazu kommen die bereits erwähnten wechselnden Perspektiven. Da gibt es einmal die schon erwähnte Hospiz-Krankenschwester Stella, deren Ehe seit der Rückkehr ihres Mannes Vincent als Kriegsversehrtem vor der Krise steht. Vincent selbst, der nicht mehr schlafen und seine Frau, die sich in Nachtschichten und das Laufen flüchtet, nicht mehr ansehen kann. Hope, eine junge Frau, die an Mukoviszidose erkrankt ist und nach einer Infektion zur Erholung im Hospiz liegt, während ihr bester Freund Ben versucht, sie dazu zu bewegen, ihr Leben zu genießen. Hugh, einem Mitdreißiger, dessen Verbindungen zum Hospiz erst nach und nach deutlich werden und dessen neue Nachbarn, eine junge Mutter und ihr zehnjähriger Sohn, ordentlich Wirbel in sein Leben bringen.

Ich muss ehrlich zugeben, die Figuren konnten mich nicht zu 100% berühren. Ja, ihre Geschichten sind nicht unemotional und lassen einen auch nicht kalt, aber trotzdem waren sie mir irgendwie einen Ticken zu flach, irgendwie fehlte einfach das gewisse Etwas, um mich vollends von der Geschichte zu überzeugen. Trotzdem hat mir die Geschichte gut gefallen, vor allem auch wegen des hoffnungsvollen Untertons, denn auch wenn die Geschichte in und um ein Hospiz spielt, ist sie zwar auch traurig aber nicht depressiv.

Alles in allem ist „Zwanzig Zeilen Liebe“ von Rowan Coleman ein sehr schönes Buch, das sich sehr gut lesen lässt und das ich trotz der wechselnden Perspektiven und den sie unterbrechenden Briefen sehr schnell gelesen habe. Leider hat mir trotz allem das gewisse Etwas gefehlt und dafür gibt es dann doch ein Sternchen Abzug.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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