Rezension zu Zodiac von Romina Russell

Also dieses Buch war ja mal… so gar nicht meins! Romina Russells „Zodiac“ habe ich von der Frankfurter Buchmesse mit nach Hause gebracht und war vom ersten Moment an skeptisch, ob das wirklich etwas für mich sein könnte, weshalb es eine ganze Weile unbeachtet im Regal stand. Irgendwann siegte dann aber doch die Neugierde und ich habe angefangen es zu lesen – und nur mit Müh und Not bis zum Ende durchgehalten.

Dieses Buch ist einfach einer dieser typischen Young Adult Romane, die alles vereinen, mit dem ich überhaupt nichts anfangen kann. Da wäre natürlich zu aller erst einmal eine superduper-special Protagonistin, dazu auserkoren die Welt zu retten! Halt, nein, in diesem Roman ist es ja sogar das Universum… Rho kann alles, weiß alles und ist trotzdem so unerträglich blöd, dass es weh tut, denn statt ihre Perfektion zu nutzen und eine starke Heldin zu sein, ist das einzige, worüber sie sich Gedanken machen kann, – oh Wunder – Jungs!

Denn natürlich kommt die Geschichte nicht ohne Instantliebe aus, das wäre ja zu realistisch. Und natürlich muss auch ein Liebesdreieck her, weil, hey, es wäre doch langweilig, wenn die Protagonistin nicht endlos unentschlossen rumjammern würde, weil sie sich nicht entscheiden kann, wen sie mehr liebt. Wobei Rho die Sache ja noch weiter treibt, denn statt einfach zu jammern und eventuell mal zu denken, probiert sie lieber beide Typen mal aus, schläft mit dem einen, merkt, dass der es ja doch nicht ist und schmeißt sich an den anderen ran.

Theoretisch zwei große Pluspunkte, denn a) sie jammert nicht nur doof rum und b) Teenager sind in diesem Roman keine quasi sexlosen Wesen, für die ein paar Küsse schon das höchste der Gefühle sind, aber muss man das unbedingt auf eine Art einbauen, die lediglich dafür sorgt, dass die Protagonistin als noch egozentrischer und ignoranter herüberkommt als sowieso schon der Fall ist…

Dabei hatte „Zodiac“ so unglaublich viel Potential, denn die Welt, die die Autorin Romina Russell geschaffen hat, hat zwar so ihre Logiklücken und wäre deutlich glaubhafter, wenn man sie einfach als eine völlig von unserer Realität abgetrennte Fantasywelt genommen hätte, ist aber trotz dieser Schwächen wahnsinnig faszinierend und ziemlich gut gemacht. Auch der Schreibstil ist angenehm zu lesen und die Geschichte ist eigentlich ziemlich spannend.

Aber die Protagonistin ist halt eine Katastrophe. Oder generell die Charaktere. Denn während Rho aus unerfindlichen Gründen zur Perfektion erzogen wurde und Dinge kann, die sonst natürlich niemand kann, sind die Erwachsenen alle Idioten, die so in ihrer vermeintlichen Autorität festgefahren sind, dass sie alles, was nicht in ihr Weltbild passt, als Spinnerei abtun. Damit wirken sie mit ihrem ignoranten Verhalten sehr viel zerstörerischer als der eigentliche Bösewicht der Geschichte. Allerdings konnte ich mich nach dem ersten Drittel nicht einmal mehr wirklich darüber aufregen, weil der Roman mir mit all seinen Figuren wahnsinnig schnell einfach völlig egal war, dafür hat Nervensäge Rho schon gesorgt.

Alles in allem hat Romina Russell mit „Zodiac“ meiner Meinung nach enorm viel Potential verschenkt, denn hätte sie bei den Charakteren einfach mal auf diese typischen Klischees der perfekten Heldin, Instantliebe, Liebesdreieck und Erwachsene als ultimative Gegenspieler verzichtet und stattdessen etwas originellere und sympathischere Figuren erschaffen, wäre auch das eigentlich so unglaublich gute Setting sehr viel besser zur Geltung gekommen. So gehen Setting und vor allem natürlich die Handlung in der unerträglichen Dummheit der Protagonistin unter. Schade!

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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