Rezension: The Letter Q: Queer Writers’ Notes to their Younger Selves

The Letter Q Queer Writers’ Notes to their Younger SelvesThe Letter Q: Queer Writers‘ Notes to their Younger Selves

Bibliographische Angaben:

Format: Gebunden mit Schutzumschlag
Seiten: 288 Seiten
Verlag: Scholastic (Mai 2012)
Sprache: Englisch
ISBN: 978-0545399326

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Life-saving letters from a glittering wishlist of top authors. If you received a letter from your older self, what do you think it would say? What do you wish it would say? That the boy you were crushing on in History turns out to be gay too, and that you become boyfriends in college? That the bully who is making your life miserable will one day become so insignificant that you won’t remember his name until he shows up at your book signing? In this anthology, sixty-three award-winning authors such as Michael Cunningham, Amy Bloom, Jacqueline Woodson, Gregory Maguire, David Levithan, and Armistead Maupin make imaginative journeys into their pasts, telling their younger selves what they would have liked to know then about their lives as Lesbian, Gay, Bisexual, or Transgendered people. Through stories, in pictures, with bracing honesty, these are words of love and understanding, reasons to hold on for the better future ahead. They will tell you things about your favorite authors that you never knew before. And they will tell you about yourself.

Auch wenn mir 90% der Autoren, die zu dieser Anthologie beigetragen haben, nachwievor herzlich wenig sagen, hat es doch wirklich großen Spaß gemacht The Letter Q: Queer Writers‘ Notes to their Younger Selves zu lesen. Dabei sind die Inhalte ganz unterschiedlich, auch wenn die meisten Briefe sind (es gibt aber auch den einen oder anderen Comic).

Eins haben aber alle Inhalte gemeinsam: Es sind Nachrichten heute erwachsener Autoren in ihr jüngeres Selbst. Briefe, in denen die Autoren zurückblicken auf ihr Leben, um den Teeny-Versionen von sich selbst mitzuteilen, dass doch noch alles gut werden wird. Dabei geht es natürlich auch, und in vielen Beiträgen vorrangig, um die eigene Sexualität und all die Probleme, die man eben so damit hat, gerade wenn sie nicht ‚der Norm‘ entspricht. Aber auch andere typische Teenager-Probleme werden thematisiert und die Mitteilung ist ganz klar: Auch wenn’s hart ist und vielleicht erstmal nicht besser wird, irgendwann kriegt man doch noch die Kurve (wenn auch möglicherweise auf ganz andere Art, als man es in Teenagerjahren erwartet oder erträumt hat).

So gibt es zum Beispiel einen Beitrag, der aus zwei Briefen besteht: einer, der 1980 vom 13-jährigen Brian Selznick an sein zukünftiges Ich geschrieben wurde, und einen, mit dem der Autor 31 Jahre später auf diesen Brief antwortet. Punkt für Punkt arbeitet er all die Personen, Fragen und Erinnerungen ab, von denen sein jüngeres Ich schreibt und muss dabei zum einen feststellen, dass er sich überraschenderweise tatsächlich noch an seine diversen Familienmitglieder erinnern kann, und wird zum anderen mit der Frage konfrontiert, ob er denn zwischenzeitlich eine nette Frau geheiratet habe:

Well… This is the question that most surprised me, because I’m the only person who knows what you were really thinking at thirteen when you wrote it. […] Of course, you did phrase it as a question, so I guess you weren’t totally sure you’d get married, but it’s interesting nonetheless.

Humor ist eine große Komponente dieses Buchs. Denn die meisten Autoren blicken mit eben diesem auf ihre Jugend zurück, auf die Wünsche, Ängste und Gedanken ihrer jüngerer Versionen, die rückblickend teilweise wirklich sehr unterhaltsam sind. Aber auch die ernsthafte Komponente fehlt nicht. Denn wer weiß besser, wie erdrückend, wie erschreckend diese Gefühle damals waren, als eben die Personen, die sie damals gefühlt haben? Mit einer wirklich herzergreifenden Einfühlsamkeit finden die Briefverfasser hier genau die richtigen Worte und mehr als einmal hat mich die Lektüre dieses Buchs nicht nur zum Schmunzeln gebracht, sondern mir auch das eine oder andere Tränchen in die Augen getrieben, wie der Brief von Martin Moran an sein von Selbstmordgedanken geplagtes jüngeres Ich:

The pleasure of it so deep and sharp it cut right to heaven and back and you knew right then you were damned. Ruined. […] and they know it’s not your fault; that you’re just a kid doing a kid’s job – falling into love, falling into life.

Laut lachen musste ich hingegen als ich den Brief von David Levithan gelesen habe, der sich an die doch etwas idiotischen (und im Rückblick auf trockene Art doch recht amüsanten) Eskapaden zurückerinnert, die seine Zeit in der achten Klasse geprägt haben:

I’m still not entirely sure whether I use the word irony correctly, but I believe there’s something exquisitely ironic about making fun of your non-gay teacher for being gay, and then going home and listening to Barbra Streisand’s Broadway Album over and over again.

Alles in allem fand ich The Letter Q wunderschön und sehr berührend. Ja, es gibt den einen oder anderen Brief, der mir nicht so gut gefällt, aber im großen und ganzen ist es eine sehr runde Sammlung von Briefen, die sich mit der Jugend, dem erwachsen werden und dem Coming out auseinander setzen und die verschiedensten Szenarien und Hintergründe schildern, sei es das Aufwachsen in einem abgelegenen, amerikanischen Dorf in den 60ern, der Versuch Glauben und Identität unter einen Hut zu bringen oder der Kampf mit Depressionen und Ängsten, so ziemlich jedes Thema wird hier abgedeckt und jeder einzelne Brief macht Mut, dass man es auch bei den widrigsten Umständen schaffen kann, irgendwann seine Träume zu verwirklichen.

Die folgenden Autoren haben einen Beitrag zu dieser Anthologie geleistet:

LaShonda Katrice Barnett · Marion Dane Bauer · Lucy Jane Bledsoe · Amy Bloom · Anne Bogart · Paige Braddock · Melanie Braverman · Nick Burd · Jennifer Campers · Bill Clegg · Bruce Coville · Michael Cunningham · Ray Daniels · Benoit Denizet-Lewis · Stacey D’Erasmo · Carole DeSanti · Diane DiMassa · Michael DiMotta · Mayra Lazara Dole · Colman Domingo · Larry Duplechan · David Ebershoff · Paula Gilovich · Jewelle Gomez · Brent Hartinger · Adam Haslett · Randall Keenan · Lucy Knisley · David Leavitt · James Lecesne · Arthur Levine · David Levithan · Ali Liebegott · Ali Liebegott · Malinda Lo · Gregory Maguire · Jaye Maiman · Armistead Maupin · Richard McCann · J.D. McClatchy · Terrence McNally · Erika Moen · Sarah Moon · Martin Moran · Eileen Myles · Michael Nava · Jasika Nicole · Eric Orner · Erik Orrantia · Julie Anne Peters · Christopher Rice · Paul Rudnick · Rakesh Satyal · Brian Selznick · Carter Sickels · Susan Stinson · Lucy Thurber · Tony Valenzuela · Maurice Vellekoop · Linda Villarosa · Marc Wolf · Jacqueline Woodson · Bil Wright · Doug Wright

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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