Rezension zu Die Masken des Morpheus von Ralf Isau

Ralf Isau - Die Masken des MorpheusLovelyBooks - In dein Regal stellenRalf Isau – Die Masken des Morpheus
 
Verlag: cbj
Format: Gebunden mit Schutzumschlag
Seiten: 544
ISBN: 978-3570138359
 
 

[mygenres]  
 
 
 

Ein außergewöhnlicher Junge. Ein skrupelloser Seelendieb. Und ein fantastischer Wettlauf auf Leben und Tod …

London 1793: Arian Pratt, Akrobat, Illusionist und Zirkusstar, kann es kaum fassen, als er sich während einer Vorstellung plötzlich im Körper eines geheimnisvollen Fremden wiederfindet – und dieser in seinem! Arian nimmt die Verfolgung auf – und wird selbst zum Gejagten. Doch der Junge lässt sich nicht einschüchtern: Er will wissen, wer hinter dem mysteriösen Tausch steckt – und er möchte seinen Körper zurück! Zusammen mit der jungen Mira macht er sich auf eine abenteuerliche Reise und kommt einem grausamen Geheimnis auf die Spur …

 
 
Meinung:
 
Ralf Isau ist einer der wenigen deutschsprachigen Autoren, deren Bücher ich auch zu der Zeit, zu der ich mit deutschsprachiger Literatur sonst so gar nicht wirklich klar gekommen bin, nur so verschlungen habe. Daher war ich natürlich auch wirklich gespannt auf sein neues Buch „Die Masken des Morpheus“. So 100%ig überzeugen konnte mich das Buch aber leider nicht. Es ist zwar gut, aber an einigen Ecken hakt es dann doch etwas.

So war mir die Geschichte an einigen Stellen generell zu schwerfällig und zäh. Schuld daran war eigentlich nicht die Handlung sondern viel mehr der Schreibstil, der teilweise so erdrückend gewirkt hat, dass er einem tatsächlich die sprichwörtliche Luft zum Atmen nimmt, bzw. in diesem Fall einem jeden Freiraum nimmt, in dem man seine eigene Fantasy spielen lassen könnte, da die Handlungen, Gedanken und Gefühle der einzelnen Figuren vom Autor stellweise quasi totanalysiert werden.

Zwar legt sich das nach den ersten ca. 50 Seiten wieder, aber es macht den Einstieg ins Buch nicht gerade einfach, obwohl die Geschichte handlungstechnisch von der ersten Seite an unglaublich spannend ist. Und leider gibt es im Verlauf der Geschichte immer wieder „Rückfälle“ in dieses Überanalysieren, sodass sich die Erzählung stellenweise dann doch etwas zäh dahinschleppt.

Ansonsten, also auf der Handlungsebene, ist das Buch allerdings großartig. Hier merkt man mit wie viel Liebe zum Detail der Autor für den historischen Hintergrund des Europas des späten 18. Jahrhunderts hier recherchiert hat. Es ist ein Leichtes sich auf die fremdartige und doch irgendwie bekannte Szenerie einzulassen und in die Vergangenheit einzutauchen.

Auch die phantastischen Elemente der Geschichte sind, wie von Ralf Isau nicht anders zu erwarten, spannend, innovativ und einfach faszinierend und vor allem ebenfalls sehr gut umgesetzt. Sie fügen sich nahtlos in die historische Szenerie ein und man kann fast glauben, dass im London des 18. Jahrhunderts tatsächlich Menschen mit magischen Begabungen umhergelaufen sind.

Die Charaktere haben mir eigentlich ebenfalls sehr gut gefallen, sie sind rund und realistisch, passen in die vom Autor geschaffene Welt und überzeugen durch ihre Handlungen und Entwicklungen, werden nur leider eben aufgrund des Erzählstils teilweise etwas überanalysiert, was einem als Leser dann eben den bereits erwähnten Freiraum nimmt und dazu führt, dass die Figuren teilweise etwas sehr konstruiert und hölzern wirken. Gerade auch die Dialoge hätten etwas mehr Humor vertragen können, sie waren doch oft sehr düster – was zwar an sich zur Geschichte passt, aber ein bisschen Auflockerung wäre meiner Meinung nach nicht verkehrt gewesen.

Alles in allem ist „Die Masken des Morpheus“ zwar solide Phantastik, die an sich großartige Geschichte und gerade die sonst sehr liebenswerten Charaktere leiden aber stellenweise unter dem überanalysierenden Erzählstil. Schade, denn wäre das nicht gewesen, hätte das Buch locker fünf Sterne bekommen.
 
 


 
 
4 Sterne - Sehr gut

 
 
Der Autor
 
Ralf Isau wurde 1956 in Berlin geboren. Fantastische Erzählungen begeisterten ihn schon früh, aber sein Interesse für Naturwissenschaft und Technik führte ihn zunächst in die Informatik. Während er in der EDV-Branche arbeitete, schrieb und veröffentlichte er mehrere Romane für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, u.a. die mittlerweile legendäre Neschan-Trilogie. 2002 hängte er die Informatik an den Nagel und widmet sich seitdem ganz der Schriftstellerei.

Inzwischen gilt Ralf Isau als einer der großen fantastischen Autoren Deutschlands. Er hat über 35 Bücher veröffentlicht, und seine Werke wurden in fünfzehn Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Ralf Isau lebt mit seiner Frau bei Stuttgart.
 
 

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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2 Kommentare zu “Rezension zu Die Masken des Morpheus von Ralf Isau”

  1. Hallo, Du meintest frühere Bücher des Autors hätten dir gefallen.
    Kannst du mir kurz sagen ob der Schreibstill von „Das Netz der Schattenspiele“ ähnlich anstrengend ist (falls du es gelesen hast). Das ist nähmlich das nächste Buch auf meinen Stapel…. Danke!

    1. Es ist schon einige Jahre her, dass ich „Das Netz der Schattenspiele“ gelesen habe und es hat definitiv auch etwas ganz eigenes – wie die meisten deutschsprachigen Fantasyromane – ich habe es allerdings nicht annähernd so anstrengend in Erinnerung, auch wenn der direkte Vergleich nach so langer Zeit natürlich schwer fällt. Aber allein dadurch, dass es ja keine historischen Elemente hat, ist es definitiv weniger anstrengend.
      Hoffe, das hilft dir weiter 😉

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