Rezension zu Order of Darkness: Sturmbringer von Philippa Gregory

In diesem zweiten Band der „Order of Darkness“-Trilogie von Philippa Gregory, „Sturmbringer“, reist die Gruppe um den Novizen und päpstlichen Ermittler Luca und die verstoßene Fürstin Isobel weiter durch die christliche Welt, auf der Suche nach rätselhaften Vorkommen und Anzeichen für das kommende Ende der Welt und nebenbei mit dem Ziel, Isobel und ihre Begleiterin Ishraq nach Budapest, zum Sohn von Isobels Patenonkel, zu bringen – mehr dazu gleich, in einer ausführlichen Geschichtslektion zu einem der wenigen historischen Themen, von denen ich Ahnung habe, meiner Vorliebe fr Fantasy mit gut recherchierten, real-historischen Hintergründen sei Dank.

Erst einmal treffen die fünf jedoch auf einen Kinderkreuzzug unterwegs ins heilige Land, angeführt von einem selbsternannten Heiligen. Und gerade, als alle Zeichen darauf hindeuten, dass tatsächlich ein Wunder geschieht und die Geschichte endgültig einen klaren Schritt in Richtung Fantasy zu machen scheint, kommt doch wieder alles anders als gedacht und die Gefährten schweben in unerwarteter Gefahr.

Ich muss zugeben, ich fand diesen zweiten Band nicht mehr ganz so gut wie den ersten. Das liegt zum Teil daran, dass Isobel, eigentlich meine Lieblingsfigur aus dem ersten Band, zwischendurch ausgesprochen unausstehlich wird. Sie erleidet eine Art Zusammenbruch, als ihre Wertvorstellungen und ihre Erwartungen, die sie nicht nur an sich selbst stellt, sondern auch an Ishraq, die aber nun mal einen gänzlich anderen Hintergrund hat, mit der Realität kollidieren.

Sie hat, wie für die Zeit üblich, sehr hohe Ansprüche daran, was für eine feine Dame sittsam ist und eindeutige Vorstellungen davon, wie wichtig eben diese Sittsamkeit ist. Dass Ishraq, die sowieso eine sehr viel offenere und pragmatischere Weltanschauung hat, als Halbaraberin und Isobels Dienerin definitiv nicht an die gleichen Prinzipien gebunden ist, wie ihre adelige Herrin, kann diese nur schwer akzeptieren und das führt zu einem ordentlichen Streit, in dem sich Isobel reichlich lächerlich verhält – da hat die ganze romantische Gefühlsduselei für meinen Geschmack eindeutig zu viel Raum eingenommen…

Außerdem hatte ich so meine Probleme damit, dass es ich einige der Entwicklungen hier zu drastisch fand, ein großer Teil der Mysterien löst sich hier plötzlich einfach auf und das nimmt dem Roman einiges von der wundervollen Atmosphäre, die im ersten Teil durch all die Mysterien und die Konstante Balance auf dem schmalen Grat zwischen Realismus und Phantastik entstanden ist.

Diese Balance ist zwar auch im zweiten Teil noch da, aber die Mysterien lassen halt zu wünschen übrig – sehr schade! Das bezieht sich vor allem auf den Orden der Dunkelheit, in dessen Auftrag Luca und Bruder Peter mit den anderen herumreisen und den Weltuntergang ermitteln, denn die Andeutungen, dass mit diesem Orden nicht alles so koscher zugeht, wie gedacht, häufen sich. Und wenn man ein bisschen Ahnung von Geschichte hat, dann werden die Zeichen wirklich überdeutlich.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich es im ersten Teil übersehen habe, aber vielleicht lag es daran, dass ich den Namen von Isobels Patenonkel nicht richtig wahrgenommen habe. Im zweiten Teil werden die Zusammenhänge jetzt aber, wie gesagt, wirklich überdeutlich. Für alle, die sich die Überraschung nicht verderben wollen oder sich einfach die folgende Geschichtsbelehrung ersparen möchten, habe ich den Rest mal als Spoiler markiert 😉

Spoiler oder Eine kleine Geschichtsstunde

Langer Rede kurzer Sinn: Ich fand die Fortsetzung von Philippa Gregorys „Order of Darkness“-Serie nachwievor unterhaltsam und spannend und bin davon wie die Geschichte konsequent auf diesem schmalen Grat zwischen Phantastik und Realismus wandelt genau so begeistert wie von den gut recherchierten historischen Hintergründen, in die sie eingebettet ist, aber trotz allem fand ich „Sturmbringer“ nicht so gut wie „Schicksalstochter“, die Hinweise zur Klärung der Mysterien hinter dem geheimnisvollen Orden der Finsternis wurden einem etwas zu sehr unter die Nase gerieben. Band drei werde ich trotzdem lesen und zwar direkt jetzt 😀

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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