Rezension zu Order of Darkness: Schicksalstochter von Philippa Gregory

Eigentlich bin ich ja überhaupt kein Fan historischer Romane, denn so spannend ich historische Kulissen z.B. in Fantasyromanen immer wieder finde, in reinen Historien-Schinken spielt meiner Erfahrung nach meist einfach viel zu viel kitschige Romantik mit, als das mir das Ganze wirklich gefällt. Mit historischen Jugendromanen habe ich allerdings einige gar nicht so schlechte Erfahrungen gemacht und daher war ich doch auf Philippa Gregorys „Order of Darkness: Schicksalstochter“ gespannt, immerhin wurde das Buch ja auch ordentlich vom Verlag gepriesen. Und ganz ehrlich? Ich fand den Roman großartig und bin total gespannt auf die Folgebände.

Im Zentrum von Philippa Gregorys Geschichte stehen mehrere Personen, die junge Adelige Isobel, deren Gefährtin Ishraq sowie der Novize Luca, sein Diener Freize und der Schreiber Peter.

Isobel hat bis zum Tod ihres Vaters, einem sehr fortschrittlichen und weltoffenen italienischen Fürsten, ein äußerst privilegiertes Leben geführt, hat Europa bereist und sich darauf vorbereitet nach dem Tod ihres Vaters die Verwaltung von dessen Gütern zu übernehmen. Sie ist eine kluge junge Frau, deren scharfer Verstand und Selbstbewusstsein durch die Förderung ihres Vaters gut ausgeprägt ist, sodass sie auch für sich selbst einstehen kann. Gleichzeitig ist sie als Frau aber auch den Regeln ihrer Zeit unterworfen und trägt die Folgen dessen mit Fassung und einer sehr ruhigen Stärke, wobei Mitgefühl und Pflichtbewusstsein oft der Antrieb für ihre Handlungen sind. So auch, als sie nach dem Tod ihres Vaters unerwartet ins Kloster verbannt und dort mit mysteriösen Geschehnissen konfrontiert wird.

Die gleichaltrige Ishraq ist Maurin, kam mit ihre Mutter als „Beute“ eines Kreuzzugs nach Italien, und wuchs dort gemeinsam mit Isobel auf, weshalb sie mehr Freundin und Gefährtin ist als Dienerin. Genau wie Isobel selbst profitierte auch Ishraq vom fortschrittlichen Denken des Fürsten, der sie in Sprachen und Naturwissenschaften ausbilden lies, sodass sie z.B. in den Genuss kam, an den spanischen Universitäten bei ihren „Landsleuten“ Medizin zu studieren. Auch im Umgang mit dem Langbogen ist sie bestens ausgebildet, da es dem Fürsten stets daran lag, dass sie auch in den Künsten ihres Volkes ausgebildet wird. Sie ist ebenso wie Isobel stark und selbstständig, allerdings auf eine weniger ruhige Art. Sie ist der Gegenpol zu ihrer ruhigen, vornehmen Herrin und wirkt schroff und widerborstig, das direkte Handeln liegt ihr mehr als  das unauffällige Handel im Hintergrund und ihre Loyalität zu Isobel scheint der einzige moralische Maßstab zu sein, nach dem sie sich richtet.

Im Kloster werden die beiden Frauen von Luca aufgefunden, einem ausgesprochen intelligenten und aufgeweckten jungen Mann, der aus einfachen Verhältnissen kommt und nun im Dienste eines Geheimordens der Kirche steht und als Inspektor seltsame Vorkommnisse überprüfen soll, seien es nun Nonnen am Rande des Wahnsinns, die die Wundmale Jesu aufweisen, oder Werwolfsichtungen. Er ist jemand, der immer wissen möchte, was hinter den Dingen steckt, sich trotzdem aber immer wieder in den Normen und Regeln seiner Zeit verstrickt, was zu einigen für ihn sehr frustrierenden Momenten führt, als er sich im Kloster einer Horde unabhängiger Frauen gegenüber sieht. Denn während er zwar sieht, dass die Frauen ihr Kloster in der Theorie durchaus selbst führen können und nicht dem benachbarten Mönchskloster unterstellt werden müssen, kommt er gleichzeitig nur schwer damit klar, wenn sie sich nicht so verhalten, wie er das erwartet.

Begleitet wird Luca von seinem Diener Freize, bei dem man schnell merkt, dass sich eine scharfe Beobachtungsgabe und ein großes Herz hinter seinem Verhalten als einfältiger Tölpel verbergen. Ganz im Gegensatz zu ihm steht der Schreiber Peter, der die beiden ebenfalls begleitet. Ein älterer Mann, der schon länger im Dienst der Kirche steht und quasi die Personifizierung der damaligen gesellschaftlichen Standards und Erwartungen darstellt, weshalb er mit Lucas Arbeitsmethoden nicht direkt warm wird und Freize vor allem nervtötend findet.

Die Charaktere sind zwar völlig unterschiedlich, sie sind jedoch alle auf ihre Art faszinierend, da sie eben auch gänzlich unterschiedliche Facetten ihrer Zeit widerspiegeln und das – so zumindest meine völlig subjektive und gänzlich unfachmännische Meinung – ziemlich authentisch. Dazu kommt, dass sie mit einigen wirklich spannenden Handlungselementen konfrontiert werden und es einfach herrlich ist, zu sehen wie verschieden sie darauf reagieren und damit umgehen. PSehr gut gefallen hat mir auch die Tatsache, dass der Young Adult Aspekt hier eindeutig hinter dem historischen Teil zurücksteht, denn es gibt keine Instant-Liebe, die Figuren entwickeln sich zwar, aber langsam und in einem realistischen Tempo, entsprechend ihrer Erfahrungen.

Alles in allem ist „Order of Darkness: Schicksalstochter“ von Philippa Gregory ein Buch gewesen, dass mir großen Spaß gemacht hat, denn es ist spannend und bietet nicht nur faszinierende Charaktere sondern auch eine atmosphärische historische Kulisse. Es gibt keine überbordenden Romanzen, dafür eine Gratwanderung zwischen Wirklichkeit und Übernatürlichem und einen Plot, der einen den zweiten Band mit Spannung erwarten lässt. Für alle jungen und definitiv auch die älteren Fans kitschfreier historischer Romane definitiv ein Muss! 😀

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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1 Kommentare zu “Rezension zu Order of Darkness: Schicksalstochter von Philippa Gregory”

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