Rezension zu Order of Darkness: Schatzwächter von Philippa Gregory

Was für ein riesiger Schwachsinn o.O Ich mein, was war das bitte?! Ein Ende sicherlich nicht, denn „Schatzwächter“ ist nicht nur insgesamt deutlich schwächer als die ersten beiden Bände der „Order of Darkness“-Reihe von Philippa Gregory, es bietet auch keinerlei Abschluss – auf überhaupt keiner Ebene! Also eine sehr viel bittere Enttäuschung hätte das Buch gar nicht sein können…

Dabei fing alles so vielversprechend an, als nämlich die Truppe um Luca und Isobel sich aufmacht nach Venedig, definitiv einer meiner liebsten literarischen Schauplätze überhaupt. Dann geht aber alles sehr schnell den Bach runter. Die Gruppe trifft während des Carnevales in Venedig ein, einer Zeit der Sünden und Laster und das hat katastrophale Auswirkungen auf die jungen Leute, die plötzlich jegliche Vernunft zu verlieren scheinen und dann heißt es Ciao Gefühlsgedusel!

Es wirkt, als wären ihnen allen die Hormone zu Kopf gestiegen, sie zeigen überhaupt keine Weiterentwicklung, ganz im Gegenteil, bis auf wenige Glanzmomente verhalten sie sich so dumm und naiv wie man es im Laufe der Reihe noch nicht einmal gesehen hat, treffen lächerliche Entscheidungen und übersehen die offensichtlichsten Zusammenhänge. Ihr Verhalten wirkt schrecklich gestelzt und wahnsinnig überzeichnet und das wo es in den ersten beiden Bänden doch eigentlich so authentisch wirkte.

Es half auch nicht, dass die Geschichte ähnlich konstruiert wirkte. Die Zusammenhänge erschienen erzwungen, die Entwicklungen waren schrecklich offensichtlich, auch wenn diverse Verknüpfungen von den Figuren wie schon gesagt überhaupt nicht wahrgenommen wurden, was mich, besonders nachdem im letzten Band schon so freigiebig mit Hinweisen herumgeworfen wurde, doch sehr genervt hat. Außerdem hat die Handlung im Laufe des Alchemie-Handlungsstrangs eine Richtung genommen, mit der ich überhaupt nichts anfangen konnte, sie passte einfach nicht mehr zu dieser mysteriösen Gradwanderung zwischen Realismus und Phantastik.

Zusätzlich wurden zwischendurch Konflikte geschürt, die dann einfach wieder beiseite geschoben wurden, während andere bis zum Zerreißen ausgedehnt und dann scheinbar völlig willkürlich abgeschlossen werden – dadurch entsteht ein gewisser Deus ex Machina Effekt und man hat am Ende nicht wirklich das Gefühl, dass die Geschichte in irgendeiner Hinsicht auch nur ansatzweise voran gekommen ist. Es macht einfach keinen Spaß…

Es bleibt auch alles offen. Die Welt geht nicht unter, der Weltuntergang wird aber auch nicht widerlegt, Luca findet seine Eltern nicht wieder, Isobel kommt nicht beim Sohn ihres Paten an, die Identität des Mannes hinter dem Orden der Finsternis wird nicht aufgeklärt (die Gruppe schafft es ja kaum den Schluss zu ziehen, dass sie und die Goldfälscher auf die Befehle des gleichen Herren hin handeln, wobei zumindest kurz der Drachenorden erwähnt wurde) und überhaupt bleiben alle Fragen offen und zwar so weit offen, dass es überhaupt keinen Sinn macht, die Geschichte hier zu beenden.

Und jetzt habe ich gerade mal nachgeschaut und siehe da, während dieser Band vom Fischer Verlag als „Finale der spannenden Trilogie“ vermarktet wird, ist in der Inhaltsangabe des Originalverlags die Rede von einem Quartet… Es ist auch ein vierter Band gelistet, ohne Titel und ohne Cover, datiert für Mai 2016 und anscheinend nur als eBook geplant. Und der Fischer Verlag scheint das Buch gar nicht auf dem Schirm zu haben, super… Macht es irgendwie alles auch nicht besser.

Ich bin jedenfalls insgesamt wirklich enttäuscht von diesem Roman, allein die Tatsache, dass er vom deutschen Verlag als Abschluss der Serie hingestellt wird, obwohl er das offiziell wohl nicht ist und die Handlung dementsprechend völlig offen bleibt, wertet ihn rückblickend enorm ab und dazu kommt, dass er mich schon während des Lesens nicht wirklich begeistern konnte. Für mich war „Order of Darkness: Schatzwächter“ von Philippa Gregory ein absoluter Reinfall, der mir die ganze Serie irgendwie ruiniert hat.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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