Rezension zu Enders Schatten von Orson Scott Card

Die Tatsache, dass der deutsche Verlag dieses Buch als Fortsetzung zum im vergangenen Jahr als Neuauflage erschienen „Enders Spiel“ vermarktet, ist unglücklicherweise irreführend. Denn eigentlich ist „Enders Schatten“ der Auftakt einer weiteren Serie und gleichzeitig die Beschreibung der Ereignisse aus „Enders Spiel“ aus einer anderen Perspektive. Aber nun gut, was tut man nicht alles, um Jugendbücher, gerade wenn sie demnächst verfilmt werden, erfolgreich zu vermarkten? Serien durcheinander zu würfeln gehört da wohl doch noch zu den kleineren Übeln, besonders wenn man bedenkt, dass es dafür endlich eine vernünftige Übersetzung dieses Buchs gibt, sodass die Namen und Begriffe innerhalb der Neuauflagen von Orson Scott Cards Romanen einheitlich sind – was vorher wohl nicht der Fall war.

Ganz unabhängig von allen fragwürdigen Marketingmethoden, die mit diesem Titel verbunden sein mögen, kann ich allerdings sagen, dass ich das Buch wirklich großartig fand. Die Geschehnisse in „Enders Schatten“ sind, wie schon gesagt, im Grunde genommen ein und dieselben, die auch in „Enders Spiel“ geschildert wurden, nur eben nicht mehr aus der Sicht Enders sondern aus der Beans. Nun sollte man meinen, dass soetwas im Grunde genommen ziemlich langweilig ist, immerhin kennt man die ganze Geschichte doch eigentlich schon. Dem ist aber nicht so.

Stattdessen ist „Enders Schatten“ genauso spannend, fesselnd und aufregend wie „Enders Spiel“. Man erfährt ersteinmal sehr viel mehr über den Hintergrund von Bean, der im ersten Band ja eigentlich nur eine Nebenrolle spielte, und auch wenn große Teile der Handlung im Grunde genommen schon bekannt sind, versteht Card es doch sie durch den neuen Blickwinkel so interessant darzustellen, dass die Geschichte einen kaum los lässt.

Genau wie sein Vorgänger ist „Enders Schatten“ ein All-Age-SciFi-Roman, der wirklich unter die Haut geht und sich allein durch seine Eindringlichkeit, seine ungeschönten Darstellungen aller möglichen ersten Themen und die wirklich eckig und kantigen Charaktere völlig von dem ganzen SciFi-/Dystopie-Kuddelmuddel abhebt, das sich mittlerweile gerade im Jugendbuchbereich überall so breit macht.

Von daher bleibt nur zu sagen, dass mir „Enders Schatten“ von Orson Scott Card alles in allem mindestens ebenso gut gefallen hat, wie „Enders Spiel“ und dass ich beide Bücher nur jedem empfehlen kann, der Science Fiction und Dystopien nicht wegen der niedlichen Liebesgeschichten liest.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

Alle Beiträge von Rike (Filia Libri) »

Hinterlasse einen Kommentar

Du kannst die folgenden HTML Codes in deinem Kommentar verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*