Rezension zu Der Advent, in dem Emma ihren Schutzengel verklagte von Noel Hardy

Bei diesem Buch weiß ich einfach nicht so richtig, was ich davon halten soll. Das Buch hat einen gewissen, ähm, nennen wir es mal Recycling-Schick. Die Textur des Umschlags wirkt, sowohl optisch wie haptisch, ein wenig wie Recyclingpappe, was dem Buch einen gewissen Charme verleiht. Auch die graphische Gestaltung ist gelungen, die vielen kleinen Sternchen rieseln wie Schnee über den Umschlag und auch wenn ich nicht weiß, was der geflügelte Mini in der Schleife auf dem Cover zu suchen hat, wirkt die Gestaltung doch insgesamt sehr schön und weihnachtlich.

Cover und Klappentext haben mich daher dann auch dazu verleitet, hier eine humorvolle und eventuell romantische Weihnachtsgeschichte zu erwarten. Was ich dann bekommen habe, war jedoch… anders. Und ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob ich wirklich etwas damit anfangen konnte oder nicht. So wirkliche Weihnachtsstimmung hat Noel Hardy mit „Der Advent, in dem Emma ihren Schutzengel verklagte“ bei mir jedenfalls nicht hervorrufen können.

Das größte Problem dabei waren für mich die Charaktere, die mir einfach alle nicht sympathisch waren. Emma selbst wird in der Inhaltsangabe zwar liebevoll als Pechvogel beschrieben, hat bei mir jedoch vor allem als Jammerlappen Eindruck hinterlassen. Ganz egal, was passiert, nie ist es ihre Schuld und anstatt mal zu versuchen, Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen, suhlt sie sich in ihrem Elend und sucht krampfhaft nach Schuldigen für ihre Unglücke. Nicht gerade die sympathischsten Eigenschaften für eine Protagonistin und Mitleid, wie vermutlich von der Autorin angedacht, hatte ich auch keins mit ihr.

Auch Emmas beste, und einzige, Freundin Sera hat auf mich nicht den Eindruck einer besten Freundin sondern eher einer egozentrischen Schlampe gemacht, um es mal ganz krass auszudrücken. Doch nicht nur bei ihr stehen ihre Taten in starkem Kontrast zu dem Eindruck, den die Autorin zu vermitteln versucht. Monsignore Wenzel, Emmas Arbeitgeber, entdeckt seine kleinkriminelle und betrügerische Ader, wird aber gleichzeitig als rechtschaffener Vertreter des Herrn auf Erden dargestellt. Mit Schutzengel Murat und Anwalt Julian Kant erging es mir ähnlich, auch für sie konnte ich keine wirkliche Sympathie aufbringen.

Zurückgeblieben ist bei mir nach der Lektüre dieses Buchs vor allem der Eindruck eines mahnend erhobenen Zeigefingers, denn was vermutlich als lehrreich und zum Nachdenken anregend gedacht war, machte auf mich, vermutlich nicht zuletzt wegen des religiösen Untertons, mit dem ich eh nicht viel anfangen konnte, einen weitestgehend predigenden Eindruck.

Alles in allem war „Der Advent, in dem Emma ihren Schutzengel verklagte“ von Noel Hardy leider so gar nicht meins. Mit den Figuren konnte ich nichts anfangen und Weihnachtsstimmung kam für mich leider so gut wie gar keine auf. Zu viel Lehre, zu wenig Liebe, dass ist der Eindruck, den dieses Buch bei mir hinterlassen hat. Schade.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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