Rezension zu Dustlands: Die Entführung von Moira Young

Ihr könnt euch meine Begeisterung gar nicht vorstellen, als mir der Fischerverlag vor einigen Wochen ein Leseexemplar von „Dustlands“ zugeschickt hat. Immerhin habe ich eine Schwäche für dystopische Romane und die Inhaltsangabe klang auch wirklich gut. Bedenkt man dann noch die nahezu durchgehend grandiosen Bewertungen, die das englische Original überall im Internet eingeheimst hat, war ich mir so sicher, dass da in meinem Briefkasten Lesespaß pur auf mich wartete. Tja, falsch gedacht, wie sich dann leider ziemlich schnell herausstellte.
Ich möchte jedem, der Interesse an diesem Buch hat, dazu raten vorab die Leseprobe des Fischerverlags zu lesen, die hier zu finden ist, um einen ungefähren Eindruck von dem zu bekommen, was mich beim Lesen schier in den Wahnsinn getrieben hat.

Schon nach wenigen Sätzen wurde klar, dass Youngs Schreibstil und ich niemals Freunde werden würden, denn zu meinem Entsetzen hat die Autorin ihren Charakteren nicht nur eine nahezu grausame Art zu Reden verpasst, simpelste Sätze vermischt mit einem äußerst nervigen Dialekt, sondern sie hat tatsächlich gänzlich auf die Verwendung irgendwelcher Anführungszeichen verzichtet, wodurch es unmöglich wird wörtliche Rede und Erzählung auf den ersten Blick auseinander zu halten.
Nachdem ich einen Blick in den amerikanischen Originaltext geworfen habe und feststellen musste, dass der fast noch schlimmer zu lesen ist, habe ich mir einige amerikanische Rezensionen zum Buch durchgelesen, und dabei herausgefunden, dass Young mit ihrem Schreibstil wohl den Dialekt aus dem Süd-Westen des USA nachahmt und das wohl sogar sehr treffend. Leider lässt sich dieser Dialekt in der Übersetzung (und für mich als Nicht-Amerikaner auch im Original) natürlich nicht mehr identifizieren, was ihn einfach nur nervtötend macht.
Dadurch, dass der Roman aus der Ich-Perspektive erzählt wird, hat die seltsame Art zu Reden auch Auswirkungen auf den restlichen Stil außerhalb der wörtlichen Rede, wodurch alles zu einem einzigen Brei verschwimmt, aus dem man die wörtliche Rede erst mühsam herausfiltern muss, um überhaupt etwas Struktur in das Gelesene zu bringen.

Bei meinen ersten zwei Versuchen das Buch zu lesen, bin ich daher nicht über die ersten fünfzig Seiten hinausgekommen, bevor ich es entnervt beiseitegelegt habe, weil mir Youngs Schreibstil nichts weiter als Kopfschmerzen gebracht hat.
Erst beim dritten Versuch habe ich es geschafft den Stil so lange zu ignorieren und mich durch die anfangs doch recht zähe Erzählung zu quälen (eine leicht masochistische Veranlagung ist dabei vermutlich recht hilfreich), bis mich das Buch irgendwo zwischen Seite 150 und 170 doch tatsächlich mal in seinen Bann ziehen konnte. Und siehe da: So schlimm war es plötzlich gar nicht mehr! Den Stil konnte ich mittlerweile beinahe gänzlich ausblenden und es tauchte auf einmal sogar so etwas wie ein sinnvoller Plot auf, der Spannung und Entwicklung mit sich brachte.

Leider kamen mit der Story auch einige weitere negative Dinge unter dem Schreibstil hervorgekrochen.
So ist die Protagonistin in meinen Augen einfach grenzenlos unsympathisch. Besondern aufgefallen ist mir dabei die Art, wie Saba die Menschen um sich herum, allen voran ihre kleine Schwester, behandelt, für die sie bis kurz vor Schluss nicht ein einziges nettes Wort übrig hat. Außerdem hat sich mir nie so ganz erschlossen, warum sie so eine unglaublich gute Kämpferin ist, obwohl sie in ihrem ganzen Leben noch nie zuvor mit Gewalt in Berührung gekommen ist, und man den Erfolg einer ganzen Revolution nur von ihr abhängig machen kann.

Dafür waren aber die anderen Charaktere, die Saba auf ihrer Reise trifft, wirklich faszinierend und haben mich voll und ganz für Sabas Unzulänglichkeiten entschädigt. Und auch die wirklich fesselnde zweite Hälfte des Buchs entschädigt einen fast schon für die Qual auf den ersten 150 Seiten. Aber leider auch nur fast, weshalb ich wirklich hoffe, dass die Fortsetzung von „Dustlands: Die Entführung“ schneller ins Rollen kommt und den Leser schneller in ihren Bann zieht. Eine Chance werde ich dem Buch auf jedenfall geben sobald es erscheint.
Und auf den Film, für den die Rechte schon vor Veröffentlichung des Originals verkauft wurden, bin ich wirklich sehr gespannt, denn als Film stelle ich mir die Geschichte wesentlich ansprechender vor als in geschriebener Form.
Daher kriegt das Buch von mir alles in allem 2,5 Sterne.

Fazit:

Wer über diesen schrecklichen Schreibstil hinweglesen kann, der wird seine Freude an der fantastischen Geschichte, die sich dahinter versteckt, haben, allen anderen kann ich nur dazu raten, das Buch nicht zu kaufen und sich so den ermüdenden Kampf mit Youngs unglaublichem Stil zu ersparen.

Das Cover:

Dieses Cover ist einer der wenigen Fälle, in denen der deutsche Verlag es geschafft hat, die Idee des Originalcovers zu übernehmen und seine Version tatsächlich besser aussehen zu lassen als das Original. Was meistens leider nur zu einem billigen Abklatsch wird, ist hier richtig gut gelungen und die Stimmung des Buchs wird wunderbar wiedergegeben.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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1 Kommentare zu “Rezension zu Dustlands: Die Entführung von Moira Young”

  1. Ich fand, dass man das buch sher gut lesen konnte und auch der Schreibstil echt gut war. Ich kann deinem Fazit leider nicht so richtig zu stimmen, da es mir sehr gut gefallen hat und ich es jedem empfehlen würde! Aber jeder hat seine eigene Meinung und es ist auch gut, wenn man mal was kritisches über Produkte sagt; Geschmäcker sind eben verschieden 🙂

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