Rezension zu Der rote Krieger von Miles Cameron

Für mich hatte Miles Camerons Debütroman „Der rote Krieger“ einige definitive Pluspunkte und einen ganz großen Minuspunkt, der mich zwischendurch doch immer wieder ziemlich genervt hat.

Besagter Minuspunkt war die Masse an verschiedenen Perspektiven, von denen ich mehr als eine als eigentlich überflüssig empfunden habe. So wird nur ein winzig kleiner Teil der Geschichte aus der Perspektive der eigentlichen Handlungsträger erzählt, weshalb es lange gedauert hat, bis ich überhaupt erstmal in der Geschichte drin war. Außerdem hatte ich bei der Vielzahl an verschiedenen Personen immer wieder das Gefühl, dass es mir absolut unmöglich ist, zu auch nur einem einzigen der Charaktere so etwas wie eine Bindung aufzubauen.

Allerdings gab es zumindest einen Punkt, der diese Flut an Figuren und Perspektiven etwas durchschaubarer gemacht hat, denn praktischerweise hat jedes Kapitel als Überschrift eine Angabe darüber, aus welcher Perspektive nun erzählt wird und wo sich besagter Charakter gerade befindet. Ansonsten hätte ich vermutlich schon nach dem ersten Drittel des Buchs die Geduld und den Überblick verloren.

Und abgesehen davon hält das Buch tatsächlich fast nur noch weitere Pluspunkte bereit.

Ein ganz großer dabei war die Rolle der weiblichen Figuren in diesem Buch. Ganz egal, ob Geliebte, Kriegerin oder sonst was, die Frauen in dieser Geschichte sind alle ebenso stark wie die Männer und gehen nicht neben diesen unter. Wer meine Rezension zu Peter V. Bretts letztem Roman „Die Flammen der Dämmerung“ gelesen hat, weiß wie nervtötend ich es finde, wenn die Glaubwürdigkeit, Selbstständigkeit, o.ä. der weiblichen Figuren „zum Wohle der Story“ geopfert wird. So etwas findet man hier gar nicht und das ist in meinen Augen nicht nur eine erfrischende Abwechslung sondern auch ein großes Plus für die Geschichte vom roten Krieger.

Auch die Tatsache, dass die Geschichte nicht nur in Schwarz und Weiß sondern in vielen verschiedenen Grauschattierungen gezeichnet ist, stellt definitiv einen Pluspunkt dar. Die Bösen sind nicht nur um der Storywillen böse, sondern haben nachvollziehbare Motive, genau wie die Guten nicht immer nur gut sind, sondern auch ihre Schattenseiten haben. Das gibt der Geschichte eine gewisse Tiefe und lässt sie direkt deutlich realistischer wirken.

Diese beiden Punkte, die starken weiblichen Figuren und die fehlende Schwarz-Weiß-Abgrenzungen, schlagen sich auch in der gesamten Konstruktion der von Cameron geschaffenen Welt nieder. So wirkt diese durch und durch realistisch, die einzelnen Elemente, darunter auch Magie und Religion, fügen sich hervorragend zu einem gelungenen Großen-Ganzen zusammen.

Alles in allem ist Miles Camerons High Fantasy Debüt „Der rote Krieger“ ein wirklich sehr gelungener Roman, der zwar ein paar kleinere Schwächen hat, die aber definitiv von den großen Pluspunkten ausgeglichen werden. Eine Empfehlung für alle Fans epischer Fantasy, die sich von mehr als tausend Seiten starken Büchern nicht abschrecken lassen.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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