Rezension zu Midnight Girl: Das Lied des Feuervogels von Melissa Grey

Uff… „Midnight Girl: Das Lied des Feuervogels“ von Melissa Grey ist eins dieser Bücher, die mich wirklich zwiegespalten zurücklassen, weil die Geschichte zwar definitiv nicht schlecht war, aber a) nichts neues ist, b) weniger gut geschrieben war als vergleichbare Bücher und c) keine besonders überzeugenden Charaktere hatte – zumindest wenn man es mit all der anderen YA Urban Fantasy vergleicht, die ich schon gelesen habe.

Okay, fangen wir vorne an: Es ist nichts neues. Aber was ist das schon? Wenn man eine gewisse Anzahl an YA-UF-Romanen oder generell Romanen eines Genres gelesen hat, dann fragt man sich irgendwann unweigerlich, ob man überhaupt noch eine innovative Geschichte finden kann oder schon alles kennt. So hat mich dieser Roman gerade zu Beginn doch sehr an Laini Taylors „Daughter of Smoke and Bone“-Romane erinnert, aber, und damit kommen wir zu Punkt b, ich fand Melissa Greys Roman bei weitem nicht so gut geschrieben.

Das soll nicht heißen, dass das Buch schlecht geschrieben ist, Laini Taylors Romane setzten einfach einen wahnsinnig hohen Maßstab und da kann „Midnight Girl“ in meinen Augen nicht mithalten, weil ich halt auch einfach nicht umhinkam ständig beide Geschichten zu vergleichen – wenn sich so etwas erstmal in meinem Kopf festgesetzt hat, kann ich mich nur sehr, sehr schwer davon lösen. An sich ist dieser Roman also nicht schlecht geschrieben, aber der Schreibstil ist eben auch nichts allzu außergewöhnliches und auch die Atmosphäre konnte mich, trotz diverser sehr gelungener szenischer Beschreibungen, nicht so ganz überzeugen, was aber vor allem an einem lag:

Die Charaktere! Ich weiß ja nicht… Fangen wir mit der Protagonistin an: Echo, ein 17jähriges Menschenmärchen, das bei den Avicen, Vogelmenschen, aufgewachsen ist und sich zur talentierten Diebin gemausert hat. Mit ihr konnte ich einfach nichts anfangen, sie ist ein wandelndes Hormon- und Gefühlschaos – Dreiecksgeschichte ahoi! – und irgendwie so unglaublich naiv und gleichzeitig so wahnsinnig von sich eingenommen, das ich nicht nachvollziehen kann, wie man sie sympathisch finden kann. Dazu kommt die Art, wie sie redet, ich weiß nicht, ob das im Original bissiger und witziger wirkt, aber in der Übersetzung wirkte vieles von dem, was Echo da so von sich gibt, auf mich hauptsächlich kindisch und versucht cool und umgangssprachlich und das passt überhaupt nicht in die Geschichte und nimmt ihr daher viel von ihrer phantastischen Atmosphäre.

Weiter geht es mit dem Avicen Rowan, Echos Freund, der eigentlich 99% der Handlung abwesend ist. Sympathien für ihn? Null. Ganz ähnlich ging es mir mit Ivy, Echos Avicen Freundin, Heilerin in der Ausbildung und im Gegensatz zu Rowan während 99% der Handlung theoretisch anwesend aber dabei so unglaublich blass und uninteressant, dass auch meine Sympathien für sie gegen null tendieren. Ganz anders der Avicen Jasper, ein eitler und stolzer Pfau, der mir trotz der Maske der Überheblichkeit und Gleichgültigkeit, die er allen und allem gegenüber aufsetzt, mit Abstand am sympathischsten war, einfach weil ich auch das Gefühl hatte, dass er deutlich stärker entwickelt und sehr viel vielschichtiger ist als die anderen beiden Avicen.

Und dann sind da natürlich noch die beiden Drakhari, Caius und Dorian. Caius, der zweite Protagonist und Grund für Echos Gefühlschaos, wirkte stellenweise einfach nur dumm. Da half auch die eigentlich ziemlich gut entwickelte Beziehung zwischen ihm und Echo nicht weiter, denn obwohl es dicke, fette Pluspunkte für glaubhafte Romantik statt Instantliebe gibt, da ich mit keinem von beiden etwas anfangen konnte, konnte mich auch ihre wachsende Beziehung nicht begeistern. Ganz anders bei Dorian, ehemals Hauptmann von Caius Leibwache und loyal bis in den Tod, nicht zuletzt weil er Gefühle für den anderen Drakhari hegt. Genau wie Jasper wirkte er auf mich deutlich überzeugender als die restlichen Nebencharaktere und weniger nervig als die Hauptfiguren – und ich bin ein großer Fan der Liebesgeschichte, in die er verwickelt ist 😀

Alles in allem ist Melissa Greys „Midnight Girl: Das Lied des Feuervogels“ ein unterhaltsamer Urban Fantasy Roman, der mich zwar – vor allem auf Grund der Charaktere – nicht zu 100% überzeugen konnte, mir aber trotzdem gut gefallen hat und mich neugierig auf den nächsten Band macht. Wobei ich zugeben muss, das liegt tatsächlich zu großen Teilen an der zweiten Liebesgeschichte in diesem Roman, die mich sehr viel mehr überzeugen konnte als die der beiden Protagonisten. Aber noch habe ich vor allem für Echo definitiv Hoffnung und wer weiß, vielleicht komme ich im nächsten Band ja wirklich besser mit ihr klar.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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