Rezension zu Metamorphose am Rande des Himmels von Mathias Malzieu

Nach Malzieus einfach zauberhaftem Roman „Die Mechanik des Herzens“ habe ich mich wirklich sehr auf ein weiteres Werk des Autoren gefreut – und mit „Metamorphose am Rande des Himmels“ ein Buch bekommen, dass für mich zwar nicht mit seinem Vorgänger mithalten kann, aber nichtsdestotrotz ein wunderschönes modernes Märchen ist, das definitiv das Potenzial hat, den Leser zu verzaubern.

Auch dieses Buch besticht vor allem durch den Schreibstil des Autors. Tiefsinnig und immer begleitet von einem Hauch Melancholie, aber nie ohne diesen ganz feinen Humor, er den Leser trotz der eigentlichen Schwere des Buchs immer wieder zum Schmunzeln bringt – und damit vielleicht auch für die Leichtigkeit sorgt, die Protagonist Tom zur Erfüllung seines sehnlichsten Wunschs, des Fliegens braucht.

Denn Tom „Häma-Tom“ Cloudman wünscht sich nichts mehr als fliegen zu lernen. Mit seinen Stunts ist er dem zwar schon sehr nahe gekommen, doch seine Ungeschicktheit hat immer wieder zu Unfällen geführt und ihn nun schlussendlich auch ins Krankenhaus befördert. Dort muss er nicht nur seine Freiheit gegen ein enges Krankenzimmer tauschen, sondern wird auch mit der „roten Beete“ konfrontiert, dem Tumor an seiner Wirbelsäule, der das Leben für ihn immer schmerzhafter macht und ihm wohl einen frühzeitigen Tod bescheren wird.

Wäre da nicht Endorphina, die Vogelfrau. Denn diese ist es, die „Häma-Tom“ auf den Weg bringt hin zur Metamorphose am Rande des Himmels. Eine Metamorphose, deren bildgewaltige Prosa verzaubert und in ihren Bann zieht, die sich schon mit wenigen gekonnten Worten ins Herz des Lesers schleicht und sich dort einnisten will – es aber leider nicht so erfolgreich schafft, wie noch im ersten Werk des „Dionysos“-Frontmanns-

Denn etwas fehlt. Der Tod ist in dieser Geschichte übermächtig, das kann auch der außergewöhnliche Umgang mit der Thematik nicht verschleiern, bzw. ich glaube sogar, dass er es noch deutlicher macht. Zwar gibt es hier die Liebe, die ebenfalls eine zentrale Rolle spielt, allerdings nicht als Gegenspielerin des Todes, sondern viel mehr als eine Art Weggefährtin. Und damit fehlte für mich zumindest ein ganz wichtiges Element in dieser Geschichte, diesem Märchen vom Träumen und Wünschen, nämlich die Hoffnung.

Vielleicht ist sie mir in all den Metaphern und Bildern einfach entgangen, denn auch wenn ich den Stil des Autors nach wie vor einfach wundervoll finde und für etwas ganz besonderes halte, wirkt er hier doch an einigen Stellen etwas zu überborden, etwas zu gewollt. Und genau das ist auch der Grund, warum sich Häma-Tom Cloudman nicht so vollständig in mein Herz schleichen konnte wie zuvor Jack in „Die Mechanik des Herzens“.

Trotzdem ist „Metamorphose am Rande des Himmels“ einmal mehr ein wirklich schönes, außergewöhnliches und zauberhaftes Märchen für Erwachsene, mit dem Autor Mathias Malzieu sicherlich viele Leser verzaubern wird.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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2 Kommentare zu “Rezension zu Metamorphose am Rande des Himmels von Mathias Malzieu”

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