Rezension zu Weihnachten auf dem Lande von Martina Bick

Dieses Buch hat mich zu der Feststellung gebracht, dass ich diese „klassisch deutschen“ Doppelvornamen für Männer, vorzugsweise mit Hans- oder Horst-, absolut grauenvoll finde (eine Entschuldigung an alle, die von ihren Eltern mit solch schicken Namen gesegnet wurden ;)) und Figuren mit solchen Namen beim besten Willen nicht ernst nehmen kann, was es dann schwierig macht, das Buch an sich wirklich ernst zu nehmen, da mich „Horst-Jürgen“ (das ist aber auch eine besonders scheußliche Kombination) mit jedem seiner Auftritte völlig aus dem Lesefluss gerissen hat. Glücklicherweise ist die Rolle des armen Horst-Jürgens nur eine sehr kleine, ich bin mir nicht mal mehr sicher, ob er überhaupt irgendeinen entscheidenden Beitrag zum Verlauf der Geschichte geleistet hat…

Wie dem auch sei, da Horst-Jürgen im Endeffekt einer von zwei Teilen der Geschichte war, der wirklich bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat und der andere Teil mich ungefähr genau so beeindruckt hat, kann man sich vermutlich schon denken, dass Martina Bick mit „Weihnachten auf dem Lande“ nicht wirklich bei mir punkten konnte. Was mich nämlich außer Horst-Jürgen noch beeindruckt hat – und das wirklich nicht im positiven Sinne – war seine Familie. Bzw. die Beziehungen innerhalb seiner Familie. Bei denen bin ich nämlich nur mit aller größter Mühe durch gestiegen. Offenbar scheinen sich weder die Autorin noch das Lektorat hier wirklich Mühe gegeben zu haben, die Familienverhältnisse wirklich konstant zu halten. So sind Schwägerinnen auch mal Schwestern und die Urenkelin landet in einer Generation mit ihrer Tante, der Enkelin.

Das beeinflusst den Teil der Handlung, in dem es zufälligerweise nämlich ausgerechnet um diese Familie und ihre Verhältnisse untereinander geht, natürlich nicht gerade zum Besten. Denn wer kann schon das Gewirr aus Freund- und Feindschaften und Erbstreitigkeiten nachvollziehen, wenn nicht mal wirklich klar ist, wer denn jetzt mit wem verwandt ist? Nun ja, klar ist es ja eigentlich schon, nur werfen einen die wirren Bezeichnungen zwischendurch halt immer wieder aus dem Konzept. Und das nervt ungemein.

Der zweite Teil der Handlung hat mich ebenfalls nur wenig in seinen Bann ziehen können. Emina wird hier in die Rolle einer modernen Maria gezwängt – wobei die Empfängnis definitiv alles andere als unbefleckt war -, wirkt dabei aber nur wenig überzeugend. Zwar fand ich die „Heldin“ dieses Buchs an sich nicht unsympathisch, aber sie wirkte auch sehr flach und eindimensional. Auch ihr Freund Jasper war doch arg glatt gebügelt und kam ohne jegliche Ecken und Kanten daher. Vieles in dieser Geschichte wirkte ein wenig inkonsequent, es wurden immer wieder Thematiken angerissen, auf die dann nicht weiter eingegangen wurde, was insgesamt den Eindruck hinterlassen hat, dass die Geschichte recht wirr und wenig durchdacht war.

Ach so, genau, den Kindsvater gibt es ja auch noch. Warum ist mir allerdings ein Rätsel. Warum man ihm außerdem noch eine schwerkranke aber liebevolle Ehefrau angedichtet hat, ist ein noch viel größeres Rätsel. Besonders da sich in Christophs Teil der Geschichte quasi nichts tut und alles, was bleibt, offene Fragen und angerissene Ideen und Entwicklungen sind, hat sich mir seine Position in der Geschichte einfach nicht erschlossen. Er und seine Reaktionen und Handlungen wirkten völlig deplatziert und schienen bis auf einige minimale Berührungspunkte nichts mit den anderen beiden Handlungsteilen zu tun zu haben.

Alles in allem war das einzige, was mich an „Weihnachten auf dem Lande“ von Martina Bick auch nur ein klitzekleines bisschen in Weihnachtsstimmung versetzt hat, das Krippenspiel der Kinder, ansonsten hat sich dieses Buch für mich als ein Flickwerk aus oberflächlichen Figuren und inkonsequent angerissenen Handlungsfetzen und -ansätzen erwiesen, das ich leider nicht weiter empfehlen kann. Aber vielleicht habe ich mich auch einfach zu sehr von Horst-Jürgen und seinen Familienverhätlnissen ablenken lassen, um den weihnachtlichen Geist in der Erzählung zu entdecken…

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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