Rezension zu Kaffeeklatsch mit Goldfisch von Martha Sophie Marcus

„Kaffeeklatsch mit Goldfisch“ von Martha Sophie Marcus ist ein humorvolles, kurzweiliges Stück Unterhaltung, das aber auch mit tiefgründigeren, ernsthafteren Hintergründen dienen kann. So hat dieser Roman einen durchweg heiteren Unterton, zentrales Thema ist aber die Überflutung einer Stadt und deren existenzbedrohender Folgen.

Protagonistin ist die 42-jährige Apothekerin Antonia, Mutter zweier Töchter und Frau eines weitestgehend abwesenden Ehemanns. Sie teilt sich die Rolle des Erzählers allerdings mit drei weiteren Frauen: Helen, Antonias beste Freundin, hat zwei Söhne und einen Alkoholiker als Ehemann, die alleinerziehende Petra ist kurz davor mit ihren sechs Kindern auf der Straße zu stehen und Antonias Apothekenhelferin  Carolin ist unfähig jungen Männern auch nur in die Augen zu sehen, geschweige denn mit ihnen zu reden.

Jede der vier Frauen hat mehr als genug eigene Probleme, auch wenn sie vor den meisten davon krampfhaft die Augen verschließen. Als ihre Heimatstadt jedoch von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht wird und Frau Lilienthal, eine ältere Dame und Antonias Kundin, um Hilfe bittet, weil ihr Haus überflutet wird, müssen die Frauen ihre persönlichen Probleme jedoch erst einmal in den Hintergrund stellen und alle gemeinsam anpacken.

Und während sie in den oberen Etagen des Lilienthalschen Hauses festsitzen, kommen sie langsam aber sicher miteinander ins Gespräch. Beim „Kaffeeklatsch“ in Frau Lilienthals Schlafzimmer fangen sie an über ihre jeweiligen Probleme zu reden und diese so nach und nach aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Durch diese Gespräche und durch die wechselnden Perspektiven lernt man die Figuren schnell sehr gut kennen. Sie alle wirken so real, vor allem durch ihre „Alltäglichkeit“. Die Probleme, die sie beschäftigen, sind Allerweltsprobleme, mit denen sich fast jeder – aufgrund eigener Erfahrungen oder welcher im Bekanntenkreis – auf irgendeiner Ebene identifizieren kann.

Das heißt aber noch lange nicht, dass mir die Figuren alle sympathisch waren. Helen zum Beispiel fand ich schon nach wenigen Seiten fürchterlich unausstehlich, einfach weil sie es ihrem rebellischen Teeny-Sohn übel nimmt, dass er den Alkoholismus des Vaters nicht totschweigen will, während Helen sich selbst und ihrem jüngeren Sohn munter was vorlügt – immerhin hatten sie doch stillschweigend Stillschweigen vereinbart…

Aber so ist das Leben und gerade die Mischung aus Anti- und Sympathien macht Martha Sophie Marcus‘ „Kaffeeklatsch mit Goldfisch“ so lebensecht. Dazu kommt ein locker-leichter, immer humorvoller Schreibstil, der aber trotzdem die Ernsthaftigkeit der einzelnen Themen immer gut rüberbringen kann. Für mich ein tolles Lesevergnügen, das sich zwar nicht immer so ganz nach meinem Geschmack entwickelt hat aber trotzdem definitiv lesenswert ist!

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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