Rezension zu Maresi: Das Lied der Insel von Maria Turtschaninoff

Seit mehreren Jahren lebt Maresi im Roten Kloster auf der Insel Menos. Die junge Novizin lebt dort mit all den anderen Schwestern und Novizinnen, die ihr Zuflucht vor der oft grausamen Welt suchen, in der Mädchen und Frauen nichts wert sind. Auf der Insel leben die Frauen ein selbstbestimmtes, weitestgehend autarkes Leben und widmen sich ihren Studien und ihrem Glauben an eine dreifaltige Göttin.

Der Roman „Maresi: Das Lied der Insel“ von Maria Turtschaninoff begleitet Maresi durch ihr Leben im Kloster und beginnt mit dem Tag, an dem Jai auf der Insel Menos ankommt. Während Maresi und die ängstliche, verschlossene neue Novizin schnell Freunde werden, bringt Jais Ankunft auch ungeahnte Gefahren mit sich und es dauert nicht lange, bis Maresi sich mit ihren größten Ängsten und den Geheimnissen der Insel konfrontiert wird.

Maria Turtschaninoffs Roman ist weder besonders seitenstark, noch ist die Handlungs besonders rasant. Und doch schafft sie es auf denn gerade einmal 240 Seiten eine absolut faszinierende und fesselnde Geschichte zu erzählen. Dabei besticht „Maresi“ von Anfang an durch den ruhigen aber eindringlichen Erzählton, mit dem Maresi rückblickend die Ereignisse beschreibt. Das Kloster und seine Bewohner lassen den Leser an ihrem Alltag teilhaben und ziehen ihn in seinen Bann, sodass man schnell anfängt Sympathien für diese Mädchen und Frauen zu entwickeln und gleichzeitig voller Spannung mit Maresi den Geheimnissen der Insel hinterher spürt.

Ich fand den Roman sehr angenehm zu lesen, wenn auch teilweise etwas unglücklich übersetzt/lektoriert, da die Zeitformen meines Empfindes nach nicht immer ganz zueinander gepasst haben und mich teilweise etwas stutzen ließen. Trotzdem liest sich die Geschichte schnell und flüssig, die Figuren sind für die Kürze der Geschichte sehr facettenreich und gut ausgeformt und auch die Handlung ist ausgesprochen gut angelegt, sie fesselt ganz ohne großen Schnickschnack und mit einer anhaltenden, unterliegenden Spannung, die sich in der einzigen „Actionszene“ des Romans entlädt. Dazu kommen einige feine, kleine mystisch/mythologische Fantasyelemente, die dem Roman den letzten Schliff verleihen.

Alles in allem ist „Maresi: Das Lied der Insel“ von Maria Turtschaninoff eine Geschichte, die vor allem mit ihrer Ruhe und Stille punktet und den Leser dabei ganz schnell verzaubert. Der Roman erzählt von Freundschaft und Mut und davon, nie die Hoffnung auf eine bessere Welt zu verlieren, sondern aktiv daran zu arbeiten – denn das Rote Kloster ist kein Ort, an dem die Frauen sich vor einer feindlichen Welt verstecken, sondern einer, wo Mädchen mit der Bildung und dem Selbstbewusstsein und -vertrauen versorgt werden, die ihnen anderswo versagt bleiben, damit sie anschließend in die Welt zurückkehren und dort anderen Menschen helfen und ihr Glück finden können.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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