Rezension zu Blackout: Morgen ist es zu spät von Marc Elsberg

„Wie ein verrückter riss Piero Manzaro das Lenkrad herum, während die Kühlerhaube seines Alfa unbeiirt auf den blassgrünen Wagen vor ihm zuglitt.“

Was passiert, wenn in Europa plötzlich sämtliche Stromnetze zusammenbrechen? Das erlebt der Mailänder Piero Manzano aus erster Hand und der Leser wird direkt mit ihm in diese unglaubliche Situation hineingeworfen, als Manzano in einen Massencrash hineingerät, weil plötzlich keine Ampel mehr funktioniert.

Das Tolle an diesem Buch war, dass der Leser von Anfang an mit dabei ist. Es gibt kein langes Vorgeplänkel, der Leser erhält keinen allwissenden Überblick, sondern er entdeckt an der Seite von Manzano (und anderen Charakteren) Schritt für Schritt die Ausmaße der Katastrophe entdeckt und selbst in den Verdacht gerät, an dem Hackerangriff, der den Stromausfall verursacht hat, beteiligt zu sein.

Auf den ersten paar Seiten war ich etwas überfordert mit der Flut an Informationen, Charakteren und Handlungsorten, die der Autor in ziemlich schnellen Tempo vorstellt. Es kristallisieren sich allerdings relativ schnell die wichtigsten Charaktere heraus, darunter auch François Bollard, der Interpol-Kommissar, der sich an Manzanos Fersen heftet und eine ganze Reihe starker Frauencharaktere, die für ein gutes Gegengewicht zu den beiden männlichen Protagonisten sorgen.

Die Charaktere sind allesamt unglaublich vielschichtig und facettenreich, was es dem Leser einfach macht, sich an ihrer Seite in die Geschichte zu stürzen. Die ist, wie bereits gesagt, auf den ersten Seiten dank der Vielzahl an Charakteren und Handlungssträngen noch etwas verwirrend, trägt aber durch die vielen verschiedenen Blickpunkte, mit denen die Katastrophe betrachtet wird, sehr viel dazu bei, dass die Geschichte so unglaublich realistisch wird.
Außerdem kommt durch diese wechselnden Perspektiven und die relativ kurzen Kapitel sehr viel Tempo in die Geschichte, was zähe Passagen in der Handlung gelungen verhindert.

Es gab ein paar kleinere Dinge, die mich etwas irritiert haben, allen voran die Tatsache, dass es kaum zu gewaltsamen Ausschreitungen kommt und die Situation so gut wie gar nicht eskaliert, sondern die Bevölkerung überraschend kooperativ war. Ob es da nicht etwas gewalttätiger und brutaler zugehen würde oder nicht, ist natürlich reine Spekulation, ich hatte allerdings das Gefühl, dass es sich hier eher um Wunschdenken des Autors handelt.

Fazit:

Ein absolut faszinierendes Buch, dass erschreckend realistisch ist und definitiv zum Nachdenken anregt, dabei aber nicht trocken und belehrend ist, sondern fesselnd und unterhaltsam.

Das Cover:

Passend. Sowohl die Farben, als auch das Motiv des Power-Schalters, der so dezent in den Titelschriftzug integriert ist, passen sehr gut zum Buch.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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3 Kommentare zu “Rezension zu Blackout: Morgen ist es zu spät von Marc Elsberg”

  1. Danke für die Rezension! Das Buch steht auch in meinem Schrank und will dringend gelesen werden. Aber deinen Satz „Auf den ersten paar Seiten war ich etwas überfordert mit der Flut an Informationen, Charakteren und Handlungsorten, die der Autor in ziemlich schnellen Tempo vorstellt.“ kann ich nur unterschreiben. Hatte gleich, nachdem es hier ankam, mal reingelesen und es wieder zur Seite gelegt, weil es mir auch so ging. Aber ich muss es auf jeden Fall endlich anfangen.

  2. Um dieses Buch schleiche ich schon ewig herum. Immer habe ich es in der Hand und denke dann: Nee. Und dann sehe ich es im nächsten Buchladen und schwanke wieder. Jetzt habe ich es. Und werde es wohl demnächst auch mal lesen.

    Deine Rezension klingt sehr vielversprechend. Ich mag Bücher mit schnellem Tempo, die reißen mich immer richtig mit. Und da ich auch noch Bücher mit wechselnder Perspektive mag, ist das gleich noch ein zweiter Pluspunkt oben drauf!

    Liebe Grüße,

    Jenny
    http://jennys-buecherkiste.blogspot.de/

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