Rezension zu Jane Austen bleibt zum Frühstück von Manuela Inusa

Uff… Manuela Inusas „Jane Austen bleibt zum Frühstück“ ist eins dieser Bücher, die ich zwar wahnsinnig unterhaltsam fand, die aber eigentlich nicht wirklich gut waren. Kennt ihr das? Bücher, die euch beim Lesen wirklich unterhalten, aber schon da merkt ihr, dass es einiges gibt, was euch eigentlich stört und spätestens wenn ihr nach dem Lesen noch einmal über das Buch nachdenkt, fällt euch auf, dass es ziemlich vieles gab, was an der Geschichte überhaupt nicht gut war.

Das fing mit der Sprache an: Die Autorin benutzt eine Sprache, die vermutlich modern und mehr oder minder jung und urban oder was auch immer anmuten soll, aber auf mich hauptsächlich platt und proletarisch wirkte. Protagonistin Penny redet wie… ein anderer Rezensent schrieb wie ein Bauarbeiter, das trifft es wohl ziemlich gut, von einer geschliffenen Ausdrucksweise ist hier jedenfalls nichts zu sehen. Ich weiß nicht, ob das den Kontrast zu Jane verdeutlichen soll, aber da auch ihre Ausdrucksweise nicht wirklich authentisch wirkt, hat es mich einfach nur genervt.

Vor allem – und das liegt wohl nicht zuletzt daran, dass ich leidenschaftlich gern Bücher auf Englisch lese, inklusive der Werke von Jane Austen und Co. -, wirkt es einfach seltsam, wenn eine deutsche Autorin versucht, ein britisch anmutendes Buch zu schreiben. Die Ausdrucksweise der Figuren ist nicht nur platt, sie wirkt auch gestellt und überhaupt nicht authentisch, vor allem die Passagen von Jane sind einfach hölzern. Viele Redewendungen und Ausdrücke – oder zum Beispiel das Problem mit dem Duzen und Siezen -, machen vor dem englischen Hintergrund gar keinen Sinn.

Überhaupt fand ich den Schreibstil der Autorin nicht besonders beeindruckend, sondern relativ glatt und wenig eingängig, sodass ich immer wieder Passagen überflogen habe, weil sie einfach sprachlich wie inhaltlich nicht besonder faszinierend waren. Ja, die Interaktionen zwischen Penny und Jane und Jane und ihrer Umwelt waren interessant, aber rückblickend würde ich sagen, dass hier durch die platte Ausdrucksweise und die dadurch eben auch ziemlich platten Dialoge einiges an Potential verflogen ist.

Auch die beiden Protagonistinnen, die 23-jährige Penny Lane Rogers aus dem Jahr 2015 und die 27-jährige Jane, die sich plötzlich 213 Jahre in der Zukunft befindet, sind eher suboptimal. Penny hat von nichts eine Ahnung und versucht auch gar nicht nach Erklärungen zu suchen, die Jane verstehen würde, was auch nicht nötig ist, da diese sich wahnsinnig passiv gibt und all diese Nicht-Erklärungen ohne großes Meckern akzeptiert – passt einerseits zu dem, was sie als akzeptable Verhaltensweise sieht, macht sie aber nicht unbedingt zum interessantesten Charakter.

Trotz all diesen Punkten hat mir der Roman während des Lesens allerdings durchaus Spaß gemacht, auch wenn ich immer wieder über die zuvor genannten Punkte gestolpert bin – und über den Fakt, dass so ziemlich alle Zahlen hier ausgeschrieben wurden. Ich meine, wer schreibt denn achtzehnhundertzwei statt 1802? Das macht es nicht einfacher zu lesen… Die Geschichte war zwar vorhersehbar aber dennoch unterhaltsam.

Alles in allem bin ich mir nicht wirklich sicher, ob ich „Jane Austen bleibt zum Frühstück“ von Manuela Inusa empfehlen würde. Es ist zwar ganz nett, aber verschenkt leider viel von seinem Potential, meiner Meinung nach schon deshalb, weil es dem Ganzen erheblich an „britischem Charme“ mangelt. Schade, ich hatte mir deutlich mehr erhofft!

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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