Rezension zu Kyndred: Dunkle Berühung von Lynn Viehl

Bei diesem Buch hatte ich anfangs leider wirklich mehr als einmal ziemliche Verständnisprobleme. Das wird vermutlich nicht zuletzt daran gelegen haben, dass es sich bei „Kyndred“ um ein Spin-Off zu Lynn Viehls „Darkyn“-Serie handelt und ich diese Serie nicht kenne. Ich schätze, der Einstieg wäre mir zumindest etwas leichter gefallen, wenn ich zumindest gewusst hätte, dass es sich hier um den Ableger einer anderen Serie handelt und ich mich vorher wenigstens kurz mit deren Inhalt vertraut gemacht hätte. Habe ich allerdings nicht und das hat dann doch immer wieder zu etwas Verwirrung geführt.

Schuld daran war aber zugegebenermaßen weniger möglicherweise fehlender Inhalt, auch wenn ich manchmal das Gefühl hatte, dass sich mir der eine oder andere Zusammenhang mit etwas Vorwissen eher erschlossen hätte, als viel mehr meine Probleme mit Viehls Erzählweise. Gerade zu Beginn des Buchs hatte ich immer wieder große Probleme zwischen all den Perspektivwechseln und Rückblenden und der Vielzahl unterschiedlicher Namen – immerhin haben hier die meisten Charaktere mindestens zwei davon – zu unterscheiden und alles richtig zuzuordnen. Das hat den Einstieg ins Buch mitunter etwas zäh gemacht.

Dabei fand ich die Geschichte selbst gar nicht einmal so schlecht. Zugegeben, die Inhaltsangabe hat mich dann doch etwas verwirrt, nachdem ich erst einmal in die Geschichte eingetaucht bin, und auch der eine oder andere Dialog zwischen den Figuren war, gerade zu Beginn der Geschichte, nicht immer ganz einleuchtend, denn antike Römer passen genauso wenig mit Gentechnik unter einen Hut wie die Annahmen von Geburt an „anders“ zu sein und die Tatsache, dass irgendwann einmal an den eigenen Genen herumgepfuscht wurde. Das hat mich doch erst etwas aus der Bahn geworfen, da hier quasi zwei komplett unterschiedliche Dinge nebeneinander abzulaufen schienen, glücklicherweise klärt sich das jedoch im Laufe der Geschichte weitestgehend auf.

Und interessant ist das Thema, das die Autorin hier wählt, alle mal. Auch wenn ich zugegebenermaßen immer wieder Bilder der X-Men vor Augen hatte, sind die Kyndred und Takyn doch etwas ganz anderes. Sicher, die Idee ist nicht neu, aber sie ist, hat man die anfängliche Verwirrung erst einmal hinter sich gelassen, spannend und faszinierend und generell sehr gut umgesetzt. Da macht es definitiv Spaß in die Welt des Buchs einzutauchen und auch die Auftritte einiger Charaktere aus der Darkyn-Serie wegen beim Leser die Lust, sich auch mit dieser Serie einmal vertraut zu machen.

Die Charaktere waren für meinen Geschmack teilweise etwas zu widersprüchlich im Bezug auf ihr Wesen, wie es in den aus ihrer Sicht geschilderten Abschnitten deutlich wird, und die Art, auf die sie von anderen Charakteren wahrgenommen werden. Hier wurde das Sprichwort „Harte Schale, weicher Kern“ eventuell etwas zu weit geführt, um mich als Leser noch wirklich überzeugen zu können. Trotzdem wurden die Figuren gerade dadurch, dass man immer wieder in ihre einzelnen Gedanken und Gefühle Einblick erhält, sehr greifbar und die Geschichte damit deutlich faszinierender, da man sich trotz der einen oder anderen Unstimmigkeit gut in die Figuren hinein versetzen und ihre Abenteuer an ihrer Seite miterleben konnte.

Ein wenig irritierend fand ich den Stellenwert, den Erotik in dieser Geschichte einnimmt. Ich war davon ausgegangen, dass es sich bei diesem Buch durchaus um eine dieser Urban Fantasy Geschichten handelt, in denen es des öfteren auch mal mehr als einfach nur knistert. Und die ziemlich ausführlich beschriebene Masturbationsszene relativ zu Beginn der Geschichte hat mich schnell vermuten lassen, dass dieses Buch expliziter wird, als es mir lieb ist – ich könnte gut und gerne vollständig auf solche Szenen verzichten, solang sie aber die eigentliche Geschichte nicht überlagern, kann ich damit leben, wenn sie existieren. Überraschenderweise geht die Geschichte dann jedoch nahezu keusch weiter, zumindest gemessen an ähnlichen Büchern, was dafür gesorgt hat, dass mir diese erste Szene noch unnötiger und vor allem übertriebener vorkam als eh schon.

Alles in allem hat mir dieser Serienauftakt trotzdem nach etwas anfänglicher Verwirrung und einem klitzekleinen bisschen Quälerei, um auch wirklich dran zu bleiben und das Buch nicht wieder ins Regal zustellen, doch unerwartet viel Spaß gemacht und mich auch neugierig auf die Folgebände gemacht. Definitiv eine Empfehlung wert!

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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