Rezension zu Eigentlich sind wir nicht so von Luisa Binder

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei und so habe ich auch innerhalb von drei Tagen drei völlig unterschiedliche Romane aus dem Knaur Verlag gelesen, die sich aber alle mit dem Schicksal und Liebesleben einer jungen Frau beschäftigt haben: „Big Girl“ von Danielle Steel, „Schwindelfrei und schwerelos“ von Heidi Linde und nun eben „Eigentlich sind wir nicht so“ von Luisa Binder. Und während Nummer eins und zwei wirklich nicht berauschend waren, ist Nummer drei dann doch tatsächlich endlich der lang ersehnte Glückstreffer gewesen (okay, nicht ganz so lang ersehnt, zwischendurch habe ich ja noch Melissa Pimentels „Das Dating-Projekt“ gelesen, das auch ziemlich gut war).

Protagonistin Marie war mir einfach schon von der ersten Seite an sympathisch. Sie hat gefühlte hundert Semester irgendwas im Bereich Geisteswissenschaften studiert und steht nun zwar mit einem Studienabschluss in Fächern da, die die meisten nicht einmal richtig aussprechen können, geschweige denn wissen, was das ist, aber leider eben auch ohne Job, daher auch ohne Kohle und seit neustem auch noch ohne Freund und ohne WG. Dummerweise fällt ihr in dieser Situation nur noch eine Möglichkeit ein und die heißt Langweiler – das Kaff, in dem Marie geboren und aufgewachsen ist und in dem ihre Eltern noch immer leben. Also räumt sie ihre ganze Habe in ihr Auto und zieht kurzerhand wieder im elterlichen Heim ein – natürlich nur vorrübergehend.

Leider haben Olaf und Erika, Maries Eltern, bereits einen Hausgast: Britta, die von ihrem Mann verlassen wurde und nun nicht weiß wohin. Aber damit nicht genug, denn kurz nachdem ihre Erstgeborene zurück ist, steht noch ein weiterer Gast vor der Türe und dann noch einer. Hausherr Olaf ist plötzlich allein mit einer Gruppe von Frauen, die alle nicht so recht wissen, was sie denn nun mit ihrem Leben anfangen sollen. Das absolute Chaos ist quasi vorprogrammiert und während Luisa Binder ihre Leser mit Herz und Humor durch die rasante Handlung führt, bei der die Seiten nur so fliegen, hat man dann auch immer wieder die Lachtränen in den Augen.

Ich fand „Eigentlich sind wir nicht so“ einfach wahnsinnig gelungen. Die Figuren sind teilweise wirklich total skurril, gerade Familie Schröder, also Marie, ihre Eltern und Schwester Tina, wirken gleichzeitig aber auch wie aus dem echten Leben gegriffen und sind auf ihre ganz eigene Art total sympathisch und wachsen einem beim Lesen ganz schnell ans Herz. Dabei hinterlässt Protagonistin Marie natürlich den deutlichsten Eindruck, auch der ist aber wirklich positiv, denn sie ist eine tolle Figur, mit einer wahnsinnigen Stärke, die irgendwie immer doch wieder zurück auf die Füße findet und wenn sie sich in noch so großen Mist reinmanövriert hat.

Dabei ist die Geschichte aber auch sehr vielseitig, es ist bei weitem nicht alles Jubel, Trubel, Heiterkeit, denn letztendlich hat ja nicht nur Marie völlig die Orientierung in ihrem eigenen Leben verloren und ist verzweifelt auf der Suche nach einem Neubeginn, auch die anderen Figuren schleppen alle so ihre Lasten mit sich herum und während man auf der einen Seite hemmungslos lachen muss, geht es auf der nächsten schon wieder deutlich ernster zur Sache und man leidet mit den Figuren mit. Dabei ist zwar im Großen und Ganzen relativ schnell klar, worauf die Geschichte hinauslaufen wird, aber erfreulicherweise macht das hier nicht viel aus, denn weit interessanter als das, was am Ende passiert, ist wie die Figuren dort hinkommen.

Alles in allem ist „Eigentlich sind wir nicht so“ von Luisa Binder nicht nur „ein kauziger Familienroman“ sondern vor allem auch eine Geschichte, die Mut macht, die gute Laune bereitet und die ganz grandios unterhält. Die Autorin hat mit viel Liebe zum Detail eine Riege total sympathischer Charaktere geschaffen, allen voran Protagonistin Marie, mit der ich sofort warm geworden bin, und eine Geschichte, die einen durch die Höhen und Tiefen des Lebens führt und auf humorvolle aber nicht flache, irgendwie skurrile und trotzdem realistisch anmutende Weise zeigt, dass überall Überraschungen und Möglichkeiten warten und man nur den Mut braucht, diese zu ergreifen.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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