Rezension zu Die Bücherfee von Lucy van Tessel

Ich habe gefühlte 50 Anläufe gebraucht, um überhaupt auch nur über die ersten beiden Kapitel von Lucy van Tessels „Die Bücherfee“ hinauszukommen. Das Problem fängt ja schon mit dem ersten Satz an: „Das Erste, was Ariane an ihr auffiel, waren ihre Ohren.“ Besagte Ohren gehören der Buchhändlerin Greta, ein ganz unschuldiges, leicht kauziges Ding, in das Marketingfrau Ariane sich auf den ersten Blick verguckt. Oder eher in ihre Ohren, denn die faszinieren Ariane aus Gründen, die mir etwa so unklar sind, wie die für ihre Begeisterung über den wahnsinnig kreativen Namen der Buchhandlung: seitenweise. Dieser ist, ich zitiere, „nicht unbedingt außergewöhnlich, aber witzig und originell“. Kann etwas originell sein, das nicht außergewöhnlich ist? All das passiert schon auf Seite eins des Romans und hat mir einen denkbar schlechten Start ins Buch bereitet.

Und irgendwie wurde es auch nicht wirklich besser. Arianes Ohrenfetisch hält an und auch sonst war mir die toughe Frau von Welt, die keinen so recht an sich heran lässt, nicht sympathisch. Greta… Naja, Greta war etwas besser, ist aber, dafür dass sie hier die titelgebende Rolle und das Objekt von Arianes Begierde spielt, seltsam blass geblieben. Für mich ist sie erschreckend eindimensional gewesen, hat im Laufe der Geschichte irgendwie kaum an Tiefe gewinnen können.

Wenn einem eine Hauptfigur unsympathisch ist und die andere zu nichtssagend um sich für ihr Schicksal zu interessieren, dann sorgt das natürlich nicht gerade für größtes Lesevergnügen. Ich habe „Die Bücherfee“ trotzdem bis zum Ende durchgelesen, immer in der Hoffnung, doch noch irgendwie Zugang zu dieser so nichtssagenden Geschichte zu finden, aber daraus ist leider nichts geworden.

Schade, aber für mich war Lucy van Tessels Roman „Die Bücherfee“ ein ziemlicher Reinfall und – bedenkt man die doch recht abgeschmackten Preise für die ja nun wirklich eher schlanken Schmöker der édition el!es – im Grunde genommen einfach nur Geldverschwendung. Für mich jedenfalls wohl für lange Zeit der erste und letzte Ausflug in die Welt dieses Verlages, denn „Die Bücherfee“ war noch mit Abstand das Buch aus dem Verlagsprogramm, das mich am ehesten angesprochen hat.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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