Rezension zu Die zwei Monde von Luca Tarenzi

Luca Tarenzi - Die zwei MondeAdd on GoodReadsLuca Tarenzi – Die zwei Monde
 
Originaltitel: Le Due Lune
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
Seiten: 512
ISBN: 978-3453267206
 
 
[mygenres]  
 
 

Bei Vollmond ist deine Zeit abgelaufen!

Als die siebzehnjährige Veronica Meis am Morgen nach einer Party mit dröhnenden Kopfschmerzen und Übelkeit erwacht, kann das nur eines bedeuten: Sie hat einen Kater! Doch als die Symptome auch nach ein paar Tagen noch nicht verschwunden sind, beginnt Veronica sich Sorgen zu machen. Warum ist sie plötzlich so geräusch- und geruchsempfindlich? Wieso sieht sie plötzlich die fantastischsten Gestalten auf den Straßen Mailands? Woher hat sie diese seltsame Wunde am Bein? Und was hat der ebenso geheimnisvolle wie attraktive Ivan mit alldem zu tun? Als Veronica schließlich die Wahrheit herausfindet, ist es fast schon zu spät …

 
 
Meinung:
 
Ich gebe es gerne zu, die meisten Bücher, die ich lese, sind amerikanischer Mainstream, vermischt mit ein paar britischen Autoren und dem selteneren deutschen Exemplar. Trotzdem, oder gerade deswegen, genieße ich es zwischendurch immens auch einmal Fantasy von Autoren anderer Nationalitäten zu lesen. Einfach deshalb, weil sie meistens schon völlig anders an eigentlich altbekannte Thematiken herangehen.

Das war es auch, was mich an „Die zwei Monde“ gereizt hat. Neben russischer Fantasy, sind mir italienische Autoren eindeutig am Liebsten, um Abwechslung vom ewigen Mainstream-Gedöhns zu finden. Ich liebe Italien als Land, ich liebe die Kultur und wäre ich nicht so verflucht faul, hätte ich schon längst einmal italienisch gelernt. Meine Begeisterung als ich das Buch dann in der Hand hatte, war dem entsprechend hoch. Und „Die zwei Monde“ hat mich nicht enttäuscht.

Die 17-jährige Veronica ist ein typischer Teenager mit all den Problemen, die man in ihrem Alter halt so hat. Ich muss sagen, ich fand Veronica erst einmal schrecklich unsympathisch. Wäre ich als Leser nicht direkt mitten ins Geschehen geschmissen worden – Veronica wacht mit blutverkrustetem Bein, großer Bissnarbe und ohne Erinnerungen an die letzte Nacht auf – hätte mich Veronica als Charakter vermutlich doch ziemlich abgeschreckt.

Generell sind die Charaktere in Tarenzis Werk nicht unbedingt die tollsten. Die meisten von ihnen sind eher flach und recht eindimensional, ihr Verhalten ist stellenweise wirklich ziemlich absurd und die Beziehungen zwischen den Charakteren (auch die Romanze zwischen Veronica und Ivan) werden eher wenig thematisiert und ausgearbeitet.

Das ist zwar schade, macht aber im Grunde genommen nicht allzu viel aus, denn das Buch dreht sich hauptsächlich um Veronica und die ist, nachdem ich meine persönlichen Antipathien erstmal überwunden hatte, zu einem sehr faszinierenden Charakter geworden. Die Art wie Tarenzi ihre inneren Auseinandersetzungen mit ihrer „dunkeln Seite“ schildert und wie Veronica plötzlich all ihre moralischen und ethischen Werte überdenken muss, waren in meinen Augen sehr einfühlsam und realistisch geschildert.

Generell hat mich die Seite des Buchs, die sich mit dem eigentlichen Thema, den Werwölfen, auseinander setzt, sehr viel mehr begeistert, als die Charaktere. Man merkt sofort, wie viel mehr Mühe in diesen Teil geflossen ist, der auch wirklich toll ausgearbeitet ist.

Zwar gibt es zwischendurch einige Längen, einfach weil der Autor recht viel Theoretisches in seine Geschichte einbindet, das wird allerdings angenehm dadurch aufgelockert, dass Veronica relativ schnell dann auch auf praktische Beispiele zu den theoretischen Erklärungen über Sagen, Mythen und heidnische Kulte etc. stößt.

Alles in allem ist „Die zwei Monde“ ein spannend-düsteres urbanes Märchen, das in einigen Bereichen mehr, in anderen weniger glänzt, jedoch gerade für Fans von stark Mythologie-basierten Geschichten ein flüssig zu lesendes All-Age-Werwolf-Abenteuer bietet.
 
 


 
 
Mit herzlichem Dank an den Heyne-Verlag, der so freundlich war, mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen
Heyne
 
 
4 Sterne - Sehr gut

 
 
Der Autor
 
Luca Tarenzi wurde 1976 in Somma Lombardo geboren, studierte Religionsgeschichte in Mailand und war nach seinem Abschluss zunächst als Journalist und Redakteur tätig. Heute lebt und arbeitet Luca Tarenzi als freier Übersetzer und Autor in Arona.
 
 

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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