Rezension zu Hüter der Erinnerung von Lois Lowry

Ich bin mir überhaupt nicht sicher, was ich eigentlich von diesem Buch halte oder wie viele Sterne ich ihm geben soll. Nur einen? Oder doch direkt fünf? Oder besser irgendwas in der Mitte? Ich habe mich für 3,5 entschieden, aber auch nur, weil ich mich für irgendwas entscheiden musste, um diesen Post in die richtige Kategorie packen zu können 😀

Lois Lowrys „Hüter der Erinnerung“ – den man wohl schon fast als eine Art Klassiker der dystopischen Jugendliteratur bezeichnen könnte – ist im Grunde nicht wirklich ein Roman. Zumindest habe ich große Probleme die Geschichte in diese Kategorie zu stopfen, denn mit den gerade mal gut 250 relativ großzügig bedruckten Seiten fällt dieses Büchlein für mich eher irgendwo in den Bereich von Novelle und Kurzgeschichte.

Dass die Handlung dadurch schneller an ihre Grenzen stößt als in einem umfangreicheren Werk, ist natürlich nicht verwunderlich. Leider aber fand ich die Aufteilung der Handlung rückblickend sehr unbefriedigend.

Ich habe die ersten gut 200 Seiten in einem Rutsch durchgelesen. Das ging mal eben so im Laufe des Nachmittags sehr gut, denn Lowrys Schreibstil fand ich angenehm zu lesen und die Welt, die sie erschaffen hat, und ihre Charaktere interessant. Und ich weiß noch genau, wie ich nach diesen gut 200 Seiten dachte „Ja, jetzt geht die Action los!“ nur um dann zufällig einen Blick auf die Seitenzahl zu werfen und voller Bestürzung festzustellen, dass ich nur noch wenige Seiten vor mir habe.

Damit will ich nicht sagen, dass der Großteil der Geschichte langatmig oder etwas in der Art ist. Ich fand sein Tempo gut und angemessen, es passte um den Leser in diese Welt einzuführen. Und diese Einführung fand ich stellenweise ziemlich intensiv. Lowry schildert die Welt ihres Protagonisten Jonas recht eindrucksvoll, wenn auch eingie Teile sicherlich durchaus vorhersehbar sind, aber nichtsdestotrotz erschafft sie eine tolle Atmosphäre.

Aber dann fingen plötzlich die Zeitsprünge an, erst waren es nur ein paar Wochen, die einfach übersprungen wurden, dann mehrere Monate und dann war ich schon fast am Ende und statt des großen Abenteuers, dass ich erwartet hätte, geschieht auf einmal alles Schlag auf Schlag und dann… dann ist die Geschichte vorbei. Einfach so.

Es passte einfach nicht. Während ich das Tempo zu Beginn der Geschichte, wie schon gesagt, sehr passend fand, läuft zum Ende hin plötzlich alles wie im Zeitraffer ab und dann ist es einfach vorbei, obwohl überhaupt nichts vorbei ist. Dazu kommt, dass der deutsche Verlag hier mal wieder ganz herrlich spoilert und in der Inhaltsangabe schon das „Ende“ der Geschichte mehr oder minder verrät, was bei mir im Nachhinein immer für einen faden Beigeschmack sorgt.

Ja, „Hüter der Erinnerungen“ ist nur der erste Teil einer Quadrologie, aber deren Bände schließen nicht direkt aneinander an, der nächste hat, soweit ich weiß, sogar erstmal so gar keinen direkten Zusammenhang mit Jonas Geschichte. Das gehetzte, abrupte offene Ende ist also in diesem Sinne erstmal wirklich das Ende für Jonas Geschichte…

Alles in allem fand ich die ersten ca. 200 Seiten von Lois Lowris „Hüter der Erinnerung“ wirklich sehr gut, der Schluss jedoch ist eine ziemliche Enttäuschung gewesen.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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