Rezension zu Der Fluch der falschen Frage von Lemony Snicket

Ich muss ja gestehen, ich habe noch nie etwas von Lemony Snicket gelesen. Als ich dann beim Durchstöbern von Neuerscheinungen dieses Buch, in dem der skurrile Autor sozusagen seine eigene Kindheit beschreibt, entdeckt habe, dachte ich mir, jetzt muss ich diesem hochgelobten Autor doch auch einmal eine Chance geben. Und ich muss sagen, „Der Fluch der falschen Frage“ hat mir einige wirklich amüsante Lesestunden beschert.

Die größte Schwäche des Romans wird dabei leider direkt auf den ersten Seiten deutlich: Der Anfang zieht sich und das ziemlich. Für eine ganze Weile tappt der Leser quasi komplett im Dunkeln und das ist dann doch ein wenig demotivierend. Übersteht man jedoch diesen zähen Romanauftakt erwartet einen eine überaus amüsante, sehr kluge und durch und durch charmante Geschichte.

Die Atmosphäre, die Lemony Snicket hier schon mit wenigen gekonnten Sätzen erschafft, erinnert an klassische Detektivgeschichten im Stile des Roman Noir oder der Hardboiled Fiction, der Ton ist düster und rau und dabei gleichzeitig charmant und vor allen Dingen eins, nämlich auf gekonnte und anspruchsvolle Art witzig.

Nicht nur der Detektivroman wird im Verlauf der teilweise schon sinnlosen – und trotzdem unterhaltsamen – Handlung auf die Schippe genommen, auch die in englischsprachigen Büchern so weit verbreiteten, in die Geschichte eingeflochtenen (und zwar oft eher schlecht als recht) Definitionen schwieriger oder unbekannterer Wörter müssen zur Erheiterung des Lesers herhalten und werden hier dermaßen übertrieben, dass sie sich auf einem ganz schmalen Grad zwischen amüsant und nervtötend bewegen – und zum Glück zumindest meiner Meinung nach immer noch so gerade auf der amüsanten Seite bleiben.

Zum Inhalt des Buchs etwas zu sagen, wäre wahrscheinlich völlig unsinnig, denn genau darum geht es in diesem Buch, um Unsinn. Um unsinnige Fragen, unsinnige Wortdefinitionen, unsinnige Figuren und unsinnige Handlungen. Das ganze Buch ist irgendwie unsinnig und dabei doch durchgehend so amüsant, dass einen der mangelnde Sinn hinter vielen Teilen der Geschichte überhaupt nicht stört – im Gegenteil, denn wäre die Handlung sinnvoller, wäre sie vermutlich auch sehr viel langweiliger.

Auf jeden Fall gibt es hier hartgesottene Detektive, Geheimorganisationen, eine Femme Fatale und eine ganze Reihe Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Teilweise sind sie geradezu schmerzhaft klischeehaft und passen gerade dadurch hervorragend in die Geschichte, teilweise glänzen sie aber eben auch durch ihre ausgesprochene Individualität.

Alles in allem ist „Der Fluch der falschen Frage“, der erste Band von Lemony Snickets Kindheitsgeschichte, eine durch und durch schräges Buch, das durch einen klugen Schreibstil und jede Menge Witz glänzt und mich trotz einiger Schwächen zu einem großen Fan des skurrilen Autors macht und mich mit Spannung auf kommende Werke dieser Serie warten lässt.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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