Rezension zu Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman von Laurence Sterne

„Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“ von Laurence Sterne gilt als eins DER Werke der britischen Literatur, die Lobeshymnen, die so mancher meiner Anglistikdozenten (und teilweise auch die aus der Germanistik) bereits darauf gesungen hat, will ich euch mal lieber ersparen, unverdient ist dieses Lob allerdings sicherlich nicht, denn dieser Roman gehört wohl wirklich zu den ganz Großen. Allerdings ist er ungefähr ebenso kompliziert und anstregend zu lesen, wie er gut ist, weshalb der Hörverlag für diese Hörspieladaption ja auch mit dem Slogan „Schwer zu lesen, leicht zu hören“ wirbt.

Zum Inhalt will ich eigentlich gar nicht groß was sagen. In dem Versuch, seine fiktive Autobiographie möglichst umfassend und wahrheitsgetreu niederzuschreiben, verliert sich Ich-Erzähler Tristram Shandy so sehr in Ab- und Ausschweifungen, dass die Geschichte seines Lebens fast zur Nebensache wird. Über neun Bände mit jeweils etwa 40 Kapiteln erstreckt sich dieser Roman, in dem auch mal Kapitel fehlen oder an den falschen Stellen auftauchen und kaum etwas chronologisch erzählt wird, alles unterstrichen von diversen typographischen und layouttechnischen Spielereien.

Wie soll man so etwas nun als Hörbuch, geschweige denn Hörspiel umsetzen? Ich konnte mir das ehrlich gesagt nur sehr schwer vorstellen, muss aber sagen, dass mich diese Hörspieladaption von Karl Bruckmaier tatsächlich positiv überraschen konnte. Ja, sämtlicher optischer Input fällt natürlich weg, womit der Erzählung meiner Meinung nach schon ein gutes Stück fehlt und ja, aus den in der ersten Person gehaltenen Niederschriften wird plötzlich ein ‚mehrdimensionales‘ Spiel, eine nicht gerade kleine Änderung, aber eine, die ausgesprochen gut gelungen ist.

Den teilweise so heillos komplizierten Romanpassagen wird Leben eingehaucht und dadurch gewinnen sie, ohne an Tiefe einzubüßen, an Verständlichkeit. Leichte Kost ist „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“ von Laurence Sterne zwar auch in der Hörspielfassung nicht und ich persönlich hatte trotz allem so meine Probleme immer mitzukommen, aber das liegt wohl hauptsächlich daran, dass meine Aufmerksamkeit bei rein auditiven Medien eh meist eher früher als später abschweift.

Alles in allem kann ich die unter Reggie von Karl Bruckmaier entstandene Hörspielproduktion von Laurence Sternes „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“ trotzdem ganz klar empfehlen. Es ist zwar, meiner Meinung nach, übertrieben zu sagen, dass sie leicht zu hören sei, aber sie ist dennoch um einiges zugänglicher als die Romanversion und daher für Fans von Hörspielen und reichlich abstruser britischer Lektüre aus vergangenen Jahrhunderten definitiv eine Empfehlung wert 😉

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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