Rezension zu Die Welt im Jahr 2050: Die Zukunft unserer Zivilisation von Laurence C. Smith

Ich finde Bücher, die sich mit der Entwicklung unserer Welt, mit faszinierenden, wissenschaftlich fundierten Zukunftsprognosen beschäftigen, ja schon aus Prinzip wahnsinnig spannend, wie z.B. auch „Die nächste GENeration“, auch wenn sich das Buch einem ganz anderen Themenschwerpunkt widmet. Allerdings war ich doch etwas enttäuscht von Laurence C. Smiths „Die Welt im Jahr 2050: Die Zukunft unserer Zivilisation“.

Der Untertitel „Die Zukunft unserer Zivilisation“ ist bei diesem Buch definitiv schon einmal irreführend. Da trifft es der Originaluntertitel „Four Forces Shaping Nothern Civilisation’s Future“ (dt. etwa „Vier Kräfte, die die Zukunft unserer nördlichen Zivilisation formen“) deutlich besser. Denn für Autor Laurence C. Smith scheint südlich des 45. nördlichen Breitenkreises schlicht und ergreifend nichts zu existieren – da ihnen eh das Wasser ausgehen wird, sind sie zukunftstechnisch offenbar irrelevant.

Das finde ich schon schade, denn gerade im Hinblick auf klimatische oder auch wirtschaftliche Trends und Entwicklungen würde ich mir eine globale Betrachtung wünschen. Die gibt es hier aber leider nicht, stattdessen liegt der Fokus sehr stark (und starr) auf den USA, die – so zumindest mein Eindruck – von Autor doch ein wenig über den Rest der Welt gestellt werden und, wenn auch nicht unbeschadet, definitiv aus allem als Sieger hervorgehen werden. Auf mich wirkte das gesamte Konstrukt des Buchs daher sehr viel subjektiver und oftmals (gerade im Hinblick auf Ölförderung und Klimawandel) auch deutlich unkritischer als es für meinen Geschmack bei einem solchen „Sachbuch“ sein sollte.

Dazu kommt die Tatsache, dass es zwar offensichtlich ist, dass Smith etwas von wissenschaftlicher Recherche versteht und auch durchaus in der Lage ist seine Quellen zu analysieren, jedoch bei der Interpretation seiner Ergebnisse nicht nur im Hinblick auf die Position der USA recht engstirnig an die Sache herangeht, sondern es auch nicht schafft, zwischen den verschiedenen in diesem Buch angesprochenen Forschungsbereichen eine Brücke zu schlagen und sie in Relation miteinander zu setzen, zu erläutern, wie sie untereinander verknüpft sind und welche Folgen die Entwicklungen in einem Bereich für einen anderen Bereich haben könnten. So bleibt es bei diversen, irgendwie lose im Raum schwebenden Interpretationsansätzen.

So bietet „Die Welt im Jahr 2050: Die Zukunft unserer Zivilisation“ von Laurence C. Smith zwar eine ganze Reihe sehr interessanter Forschungsansätze, die Deutungen des Autors sind meiner Meinung nach allerdings sehr kritisch zu betrachten, da sie vieles doch nur recht einseitig beleuchten. Trotzdem, alles in allem ist dieses Buch eins, das zum Nachdenken anregt und einem in Hinblick auf das eine oder andere Thema vielleicht auch die Augen öffnet.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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