Rezension zu Teardrop von Lauren Kate

Ganz ehrlich? Ich komme immer mehr zu dem Schluss, ich sollte einfach die Finger von YA-Fantasy (oder generell Young Adult Büchern) lassen…

Wäre ich nicht so katastrophal mies darin, mich an meine eigenen Vorsätze zu halten, ich hätte schon längst damit aufhört Bücher wie dieses zu lesen.

Nach 100-nochwas Seiten von Lauren Kates „Teardrop“, dem Auftakt zu ihrer neuen Serie, konnte ich einfach nicht mehr, habe das Buch beseite gelegt und, in der Hoffnung danach mit neuem Elan weiterlesen zu können, zu Jennifer L. Armentrouts „Dark Elements: Steinerne Schwingen“ gegriffen – wer meine Rezension dazu gelesen hat, weiß, dass der Schuss so ziemlich nach hinten losgegangen ist und auch meine Begeisterung „Teardrop“ weiter zu lesen hielt sich in Grenzen – etwas Hoffnung hatte ich aber noch.

Denn, hallo, Atlantis ist ja wohl mal ein tolles, viel versprechendes Thema! Wenn es denn irgendwann mal tatsächlich um Atlantis gehen würde… So aber habe ich mich über weite Strecken des Buchs erstmal gefragt, worum es denn nun eigentlich geht und wann endlich mal irgendwas passiert. Und als Atlantis dann endlich mal ins Spiel kommt, tut es das erst in Form einer grottigen Liebesschnulze, dann in Form eines Infodumps, der aber nun auch nicht sooo viel relevante Infos enthielt und irgendwie bleibt es als als Thematik die gesamte Zeit über einfach schwammig.

Und die Figuren… Nun ja. Ganz zu Beginn der Geschichte steht der mysteriöse Ander vor der Wahl: Rette das Mädchen oder rette die Welt… Dass er sich für das Mädchen, also Protagonistin Eureka, entscheidet, ist ja wohl selbstverständlich. Leider. Denn ich habe mir im Verlauf der Geschichte immer und immer wieder gewünscht, er hätte sich für die Welt entschieden. Dann wäre einem dieser ganze Unsinn erspart geblieben.

So aber habe ich mich über 500 Seiten lang mit einer Protagonistin herum geschlagen, bei der es mir schlicht und ergreifend völlig egal war, ob sie nun überlebt oder nicht. Ich fand Eureka schrecklich. Schrecklich flach, schrecklich oberflächlich, schrecklich egozentrisch, schrecklich weinerlich, schrecklich unsympatisch, schlicht schrecklich unterentwickelt und ungeeignet für eine Protagonistin.

Eureka ist eine dieser „Heldinnen“, die immer im Recht sind und gegen die sich die gesamte Welt verschworen hat. Keiner versteht sie, es ist schlicht und ergreifend völlig unmöglich, dass sie jemand auch nur im Ansatz verstehen könnte. Alle sind böse zu ihr, vor allem die Mädchen und Frauen in ihrem Leben sind im Vergleich zu ihr fast immer entweder fiese Miststücke oder schamlose Schlampen und wagt es mal jemand ihr die Meinung zu geigen – was sie mehr als verdient hat – geschieht das natürlich nur, weil ein böser Geist seine Finger im Spiel hatte – schließlich könnte ihr niemals jemand ihr mieses Verhalten gegenüber Familie und Freunden vorwerfen, immerhin ist so ein Verhalten in ihrer Situation ja völlig gerechtfertigt…

Und ja, bis zu einem gewissen Grad finde ich ihr Verhalten auch durchaus gerechtfertigt und verständlich. Was ich aber überhaupt nicht verstehe, ist weshalb deswegen die meisten anderen Figuren so dermaßen schlecht gemacht werden müssen und erst recht nicht, weshalb sie sich nicht von diesem Punkt aus weiterentwickeln kann! Denn hier entwickelt sich nichts, aber auch gaaaar nichts. Nicht Eureka, nicht die Geschichte, überhaupt nichts…

Ach, ich könnte noch Stunden so weiter machen, aber ich denke, es ist klar, worauf ich hinaus will 😉

Abgesehen von all den bösen, verständnislosen Miststücken, Schlampen und Männern in Eurekas Leben ist da dann noch Ander… Ander… Ernsthaft?! Was bitte ist so reizvoll an Stalkerromanzen? Ich für meinen Teil finde es jedenfalls nicht einmal im Ansatz romantisch oder süß oder irgendwas außer gruselig, abstoßend und übelkeitserregend, wenn das arme, missverstandene Ding, das über alles Böse in der Welt Bescheid weiß, mit völlig irrsinniger, unglaubwürdiger Naivität einem Kerl verfällt, der ganz offensichtlich vor allem eins tut: sie stalken – ganz egal, wie gut seine Gründe dafür sein mögen, sie sind keine Entschuldigung für diese ach so schnuckelige Romanze.

Aber Ander und Eurekas Liebe ist ja auch etwas ganz besonderes. Immerhin ist er der Einzige, es ist alles so unglaublich und intensiv und überhaupt und sowieso… Warum es dann trotzdem ein Dreiecksdings mit Eurekas bestem Freund Brook gibt, mit dem sich ja auch alles „so richtig“ anfühlt? Keine Ahnung. Meiner Meinung nach kann es nur daran liegen, dass die Romanze einfach noch flacher, klischeehafter, unglaubwürdiger und lächerlicher werden sollte…

Und es ist ja nicht nur diese völlig unsinnige, meiner Meinung nach total gefühlslose Romanze (jaja, es sind die „ganz großen Gefühle“ im Spiel, aber für mich kam davon absolut nichts rüber, weder zwischen Eureka und Brooks noch Eureka und Stalkerboy – vielleicht, weil ich Eureka einfach keine ihrer Gefühlsregungen so richtig abkaufen konnte), die restliche „Handlung“ ist ja auch nicht besser.

Wie bereits gesagt, dieses Buch hat über 500 Seiten, die Atlantis-Thematik taucht erst seeehr spät irgendwann auf und auch dann bleibt sie schwammig. Und auf den ersten zig Seiten, bevor wenigstens ein bisschen was passiert? Passiert im Grunde genommen nichts. Naja, außer dem Beginn dieses „Liebesgeschichtengedöhns“ halt. Aber das war es ja nicht, was mich an diesem Buch interessiert hat… Ich wollte Atlantis! Ich wollte fasziniernede, mythologische Welten und nicht schnulzige Teenyliebe, in die irgendwo am Rande mal ein paar mythologische Elemente eingeflochten sind.

Nein, ich bin kein Fan von „Teardrop“. Das bisschen Atlantis-Mythologie, dass sich hier herausfiltern lässt, ist nicht uninteressant, wenn es auch in völlig ungelungener Verpackung daher kommt, der Schreibstil von Lauren Kate ist nicht schlecht und ihre Beschreibungen der Szenerie sind sogar ziemlich gut. Aber der Rest? Die Charaktere sind eindimensionale Stereotypen, die Handlung quasi nicht existent und hauptsächlich auf die InstaLove-Stalker-Dreiecksbeziehung fokussiert. Meiner Meinung nach ist „Teardrop“ von Lauren Kate daher keine Empfehlung wert. Es enthält nichts, was man nicht schon zigfach irgendwo anders gelesen hat – und zwar vermutlich in deutlich besserer Qualität.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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