Rezension zu Anima: Schwarze Seele, weißes Herz von Kim Kestner

Ich hätte es mir schon beim zweiten Satz denken können: Dieses Buch ist nichts für mich! Denn bereits im zweiten Satz von Kim Kestners Roman „Anima: Schwarze Seele, weißes Herz“ ist von der Liebe der Protagonistin zu Gott die Rede – und ich verabscheue Bücher mit starken religiösen Motiven (und zwar eigentlich mit allen religiösen Motiven, aber irgendwie kommt mir das Christentum in diesen Fällen meist besonders aufdringlich vor).

Klar, religiös-mythologische Motive/Figuren/Wesen/whatever bieten großartige Möglichkeiten für die fantastische Literatur, aber für mich ist die Linie zwischen „faszinierende Mythologie“ und „just too much religion“ eine sehr dünne und normalerweise mache ich einen großen Bogen um religiöse Literatur, weil ich mich in 9 von 10 Fällen doch nur darüber aufrege – und wenn es, wie hier, von außen kaum ersichtlich ist, dass das Buch von der ersten Seite an stark religiösen geprägt ist, dann endet das eigentlich immer damit, dass ich überhaupt nichts mit der Geschichte anfangen kann.

Dabei gefällt mir Kim Kestners Schreibstil wirklich sehr gut und der Roman lässt sich auch sehr gut lesen, aber ich habe mich immer und immer wieder sowohl an den vielen religiösen Aspekten, als auch an Protagonistin Abby gestört. Eine Stelle, an der recht gut deutlich wird, was mich so gestört hat, war Abbys Reaktion auf das Geburstagsgeschenk ihres Vaters, ein Buch mit dem Titel „Mythos Religion“ – ihr Gedanke dazu? Dass sie es mit dem Hinterfragen von Dingen ja nicht so hat. Ich kann es nicht leiden, wenn die Hauptfigur so ein dermaßen naives und langweiliges Gör… Und Abby ist wirklich schrecklich. Sie ist einfach nur gut! Ein wahres „Engelchen“ ist die Pfarrerstochter und sieht man mal von ihrem OCD Tick ab, ist sie die Perfektion in Person – langweilig!

Oh, ach ja, natürlich hat Abby auch ein Loveinterest. Und natürlich ist der gute Juspinn nicht etwa der nette Junge von Nebenan, nein er ist ein Bad Boy, düster, böse, mysteriös, juchee! Abby verfällt ihm bevor sie auch nur ein vernünftiges Gespräch miteinander hatten und natürlich, wie sollte es auch anders sein, ist ihre Liebe vorherbestimmt und quasi unausweichlich. Ich mein, ich war ja sowieso schon genervt von Bibelversen und ähnlichem Humbug, aber das hat mir den Roman dann wirklich endgültig vermiest. Könnte man nicht einfach mal ein Fantasy-Jugendbuch mit einer glaubwürdigen und realistischen Liebesgeschichte schreiben?

Alles in allem ist „Anima: Schwarze Seele, weißes Herz“ zwar wirklich ziemlich gut geschrieben, thematisch konnte ich aber überhaupt nichts damit anfangen – weder der ganze Religionsaspekt noch die Liebesgeschichte (wobei das ja Hand in Hand geht) haben mich auch nur ansatzweise begeistern können, ganz im Gegenteil. Wer allerdings nichts gegen Geschichten mit stark religiösem Anklang und Bad Boy Romanzen hat, der findet hier einen theoretisch durchaus gut geschriebenen und spannenden Fantasyroman.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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1 Kommentare zu “Rezension zu Anima: Schwarze Seele, weißes Herz von Kim Kestner”

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