Rezension zu Die Zeitagentin: Ein Fall für Peri Reed von Kim Harrison

Über neun Jahre und 13 Bände hinweg habe ich mich mehr und mehr in Kim Harrisons „Rachel Morgan“-Serie mit all ihren herrlichen Charakteren verliebt. Und dann war es vorbei und die Reihe fertig geschrieben und ausgelesen. Jetzt gibt es etwas neues von Kim Harrison – oder eher: jetzt gibt es eine Neue und die heißt Peri, Peri Reed.

Peri Reed ist Zeitagentin, sie gehört zu den wenigen Menschen im Jahr 2030, die die Fähigkeit haben, in der Zeit zurück zu springen. Klingt beeindruckend, oder? Dachte ich mir auch und war daher ursprünglich auch wirklich gespannt auf Kim Harrisons neusten Roman „Die Zeitagetin: Ein Fall für Peri Reed“. Bis ich im vergangenen September dann die Originalausgabe in der Hand hatte und nach wenigen Kapiteln wieder beiseite gelegt habe, denn begeistern konnte mich das nicht. Warum ich es dann jetzt doch nochmal mit der deutschen Übersetzung versucht habe? Weil mich Kim Harrison mit ihrer Urban Fantasy Reihe eben doch total überzeugen konnte und ich ihrer neuen Reihe noch eine zweite Chance geben wollte – und weil mir dann auch die Kurzgeschichte „Zeitspiel“ überraschend gut gefallen hat.

Leider kann man das von diesem Roman hier nicht behaupten. Ja, Zeitreisen sind cool, aber das, was Peri kann, ist kein Zeitreisen, es ist lediglich ein Zeithüpfen – und zwar ein abartig kompliziertes. Zeitagenten sind nämlich in der Lage bis zu einer Minute in der Zeit zurück zu springen und die Vergangenheit zu ändern, indem sie eine zweite, alternative Zeitlinie erstellt. Da solche Zeitsprünge auch durch traumatische, lebensbedrohliche Situationen ausgelöst werden können und weil das menschliche Gehirn offenbar sowieso nicht so flexibel ist, wie gedacht, vergessen Zeitagenten nach ihrem Sprung – wenn also die alternative Zeitlinie mit der ursprünglichen aufgeholt hat – beide Zeitlinien und offenbar mitunter auch noch mehr, teilweise sogar Jahre. Deshalb brauchen sie Anker, Menschen mit der Fähigkeit sämtliche Zeitlinien wahrnehmen zu können und das unterbewusste Wirrwarr von Original- und Alternativzeitlinien im Kopf der Zeitspringer zu ordnen und ihre Erinnerungen wieder herzustellen – oder auch nicht.

Jep, kompliziert, unübersichtlich und dann auch noch meiner Meinung nach relativ grottig erklärt. Nicht die besten Voraussetzungen für einen unterhaltsamen Roman und ehrlich gesagt fand ich auch nicht, dass es besser wurde nachdem man das Prinzip einmal durchschaut hat. Denn zu dem schon recht verwirrenden Konzept des Zeitspringens kommt leider eine Handlung hinzu, die ebenfalls nicht gerade vor Klarheit strotzt. Die große Frage ist: Wer ist korrupt, wer ist es nicht, wer steht auf wessen Seite und überhaupt und sowieso. Leider gibt es quasi keine Antworten darauf, denn klare Ansagen sucht man hier vergeblich, stattdessen gibt es immer wieder Andeutungen und Anspielungen auf vergangene Beziehungen, geteilte Geheimnisse und gemeinsame Pläne, aufgedeckt wird aber nichts.

Weiter geht es mit den Charakteren: Peri ist ein verzogenes, arrogantes Gör und ja, sie ist darauf konditioniert, aber trotzdem ist es nervig und macht es schwierig, Sympathie oder Mitleid für sie zu empfinden. Das größte Problem hier ist erneut diese allgemeine Schwammigkeit des Romans, denn auch die Figuren bleiben ähnlich wage, wie schon das Konzept des Zeitspringens und die Handlung. Ich glaube, ich hatte am Ende des Buchs eine bessere Vorstellung davon, was die Figuren für Kleidungsgeschmäcker hatten, als davon, was sie für Charaktere waren. Es wird wirklich viel Zeit damit verbracht, über Kleidung zu reden – und über Peris Mutter, was ungefähr ähnlich sinnlos war.

Die ZeitagentinInsgesamt ist „Die Zeitagentin: Ein Fall für Peri Reed“ von Kim Harrison ein einziges Wirrwarr aus Zeitsprüngen, Gedächtnislücken, vergessener Vergangenheit und unklaren Allianzen. Dazu gibt es flache Charaktere, eine ganze Menge zwielichtiger Typen, eine durchgedrehte Tussi und noch ein Blondchen. Mich konnte das Ganze einfach nicht überzeugen, auch der Schreibstil war ungewohnt schwerfällig und anstrengend zu lesen und das Ende hat es echt nicht besser gemacht. So sehr ich mich auch auf etwas neues von Kim Harrison gefreut habe und auch wenn ich nicht erwartet habe, dass Peri eine zweite Rachel wird, enttäuschend ist es doch und ich weiß beim besten Willen noch nicht, ob ich den Rest der Serie wirklich lesen will…

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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