Rezension zu Mingus von Keto von Waberer

Diese Idee… Diese Idee ist so toll. In Keto von Waberers Welt gibt es keine Tiere mehr, High-Tech hat vieles ersetzt. Die Gesellschaft, die die Autorin geschaffen hat, ist in zwei Schichten aufgeteilt, die Ober- und Unterschicht, Aristos und Verstoßene, und in wahnsinnig viele Religionen und Sekten gesplittet. Und mitten in dieser düsteren Welt erschuf man Mingus, eine Chimäre, halb Mensch, halb Löwe. Die Idee ist wirklich genial.

Entsprechend gespannt war ich dann auch auf dieses Buch. Unglücklicherweise allerdings zu unrecht, denn so gut die Grundidee hinter der Geschichte auch ist, so mangelnd ist in meinen Augen die Umsetzung gewesen.

Das fängt schon mit der Welt an, in der von Waberers Dystopie spielt. Nichts ist hier wirklich ausgearbeitet, alles bleibt schemenhaft und nur mit viel Glück und Herumraten kann der Leser sich hier überhaupt etwas zusammenreimen. Dazu tragen auch die Kunstbegriffe der Autorin bei, die einfach munter in den Raum geworfen werden, ohne dass man irgendeine Art der Erklärung geboten bekommt. Da kommt man auch mit der lebhaftesten Phantasie nicht mehr allzu weit.

Auch die Charaktere sind… Nun ja, nicht die besten. Wobei mir die Charaktere an sich durchaus gefallen haben. Nur hat die Autorin es gut verstanden sie mir schnell mies zu machen, denn zum einen hat von Waberer einen doch recht gewöhnungsbedürftigen Schreibstil, der für mich nicht zu den Charakteren gepasst hat, und zum anderen wird die Geschichte aus insgesamt sieben verschiedenen Perspektiven erzählt. Das mag für manchen Autor kein Problem sein (bei „Verhext“ von Debora Geary z.B. ist es wirklich gut gelungen), in dieser Geschichte allerdings klappt das Ganze nicht.

In diesem Buch ist einfach kein Platz für diese sieben doch recht unterschiedlichen Geschichten, sodass alle Charaktere eher schemenhaft bleiben. Wäre das Erzähltempo nicht in weiten Teilen des Buchs so dermaßen langsam gewesen, hätte auch das mit dem Perspektivwechsel wirklich gut funktionieren können. So aber ist das Buch weitestgehend langatmig und zäh und die plötzliche Action am Ende ist völlig unpassend und das Ende komplett übereilt.

Alles in allem war das Buch für mich eine ziemliche Enttäuschung und bis auf einige wenige schöne Szenen und die grandiose Grundidee war es in meinen Augen einfach überflüssig.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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