Rezension zu Die beste Welt von Karen Lord

„Die beste Welt“ von Karen Lord ist Science Fiction durch und durch. Wer allerdings großartige Weltraumschlachten und blutrünstige Aliens erwartet, der wird enttäuscht sein. Denn gerade zu Beginn ähnelt dieser Roman mehr einer philosophisch-antropologischen Studie denn einem Action-geladenen Science Fiction Schinken.

Die Geschichte beginnt zwar mit einem Welten erschütternden Schicksalsschlag, ist jedoch ansonsten eher ruhig, der Leser bekommt Zeit die Figuren, allen voran Delura und Dllenakh, durch ihre Handlungen und Geschichten kennen zulernen – etwas, was dringend nötig ist, denn in der futuristischen Welt, die Lord hier schafft, hat sich die Menschheit im Laufe der Jahrhunderte über das halbe Universum verteilt und die diversen Kolonien haben sich ganz unterschiedlich entwickelt.

So sehen die Bewohner der einzelnen Planeten nicht nur teilweise recht unterschiedlich aus, sie haben auch sehr verschiedene kulturelle Hintergründe. Und das ist das Hauptthema des Romans: Die Suche nach der eigenen Identität in einer Welt, in der zwar alle den selben Ursprung haben – die Erde -, sich jedoch völlig unterschiedlich entwickelt haben und jede eine gänzlich eigene Kultur mit eigener Sprache und eigenem historischen und mythologischen Hintergrund hat.

Die Autorin versteht sich darauf ihre Charaktere und ihre Welt langsam und dafür umso gründlicher zum Leben zu erwecken und den Leser mit ihnen vertraut zu machen. Langatmig ist die Geschichte dabei aber nicht, die Handlung schreitet durchaus ganz zügig voran, es gibt aber halt keine wirklichen längeren Info-Abschnitte, Figuren und Umgebung erschließen sich dem Leser erst nach und nach. Dabei gibt es zwischendurch allerdings durchaus auch mal etwas – in meinen Augen – nervigere Abschnitte, in denen wissenschaftliche Dinge mehr oder minder abgehandelt werden. Das hat mich, zumindest zu Beginn der Geschichte doch etwas gestört.

Trotzdem fand ich „Die beste Welt“ von Karen Lord alles in allem wirklich sehr gut. Mir haben der Schreibstil der Autorin und ihre Art Charaktere und Welt zu entwickeln hervorragend gefallen und auch die Liebe zum Detail, mit der sie sich der Darstellung der verschiedenen Kulturen widmet, hat mich überzeugen können. Ein toller Roman, der vielleicht hier und da ein paar etwas zähere Szenen hat und überhaupt nicht das ist, was ich erwartet hätte, sondern sehr viel philosophischer.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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