Rezension zu Grrrimm von Karen Duve

Ich habe den großen, großen Fehler gemacht zuerst in die Hörbuchversion, gesprochen von Bastian Pastewka und Ina Müller, hineinzuhören und Pastewkas Vortrag von Duves Version von Schneewittchen hat bei mir keinen positiven Eindruck hinterlassen. Als ich dann letztendlich doch noch das Buch „Grrrimm“ von Karen Duve in der Hand hatte, war der abgeschmackte, platte und irgendwie billige Eindruck, den das Hörbuch bei mir hinterlassen hatte, leider noch nicht wieder verschwunden.

Vier verschiedene und altbekannte Märchen erzählt Autorin Karen Duve in „Grrrimm“ einmal ganz neu und versetzt sie ins 21. Jahrhundert. Dabei kommen teils wirklich sehr skurrile Geschichten heraus: Da wäre die bereits erwähnte etwas versaute Version von Schneewittchen, der Froschkönig trifft auf die Mafia, in Dornröschen schlägt sich der Prinz mit Verjüngungskuren herum und Rotkäppchen ist ein Mobbingopfer.

Zwergenidyll

Duves Version von „Schneewittchen“ mit einem irgendwie notgeilen Zwerg, der nicht nur erpresserische Tendenzen an den Tag legt, sondern auch zum Vergewaltiger tendiert. Harter Stoff, der meiner Meinung nach nicht wirklich gut umgesetzt ist und gerade mit Bastian Pastewkas Stimme noch im Ohr sehr flach und irgendwo auch geschmacklos wirkt. Überhaupt nicht mein Ding.

Die Froschbraut

Meine Lieblingsgeschichte ist diese vom Froschkönig und der Mafiatochter. Ich fand sie ganz amüsant, hätte mir aber definitv einfach mehr gewünscht. Aber das ist wohl nicht drin bei fünf Geschichten auf 160 Seiten. Für die einzelnen Erzählungen bleibt dann leider nicht mehr allzu viel Platz. In diesem Fall wirklich schade…

Der geduldige Prinz

Die wohl „harmloseste“ Geschichte in diesem Bändlein ist Duves Version von „Dornröschen“, auch wenn es sich oftmals doch eher lächerlich denn witzig las, wie der Prinz sich einer Verjüngungskur nach der anderen unterzieht, damit er nicht stirbt, bevor sein angebetetes Dornröschen bereit ist wachgeküsst zu werden – dass die natürlich alles andere als darauf versessen ist, einen halbtoten Greis zu heiraten, ist wohl kaum verwunderlich.

Bruder Lustig

Pfui Deivel. Also diese Geschichte fand ich weitestgehend einfach relativ eklig. Denn hier scheint Duve einen riesigen Spaß an der äußerst detailreichen und fast schon Horrorfilm-würdigen Beschreibung der Handlung zu haben…

Der Grrrimm

Rotkäppchen als Fußabreter und Mobbingopfer – die Großmutter als Werwolf, in dieser Märchenneuerzählung geht es nicht weniger rabiat zu als in den vorherigen Texten. Ehrlich gesagt war mir einfach schon etwas die Luft ausgegangen, als ich hier angekommen war, die Geschichte ist auch kein Highlight, das einen nochmal mit neuem Elan ans Lesen bringt, schlecht ist sie aber auch nicht.

Schlicht und ergreifend nicht mein Fall. Karen Duve erzählt in „Grrrimm“ ihre Märchen sehr nüchtern, auf mich wirkte vieles gewollt witzig, wirklicher Spaß kommt aber nur selten rüber, was auch daran liegt, dass alle Märchen sich eher wie unausgereifte Skizzen lesen denn wie tatsächlich fertiggestellte Geschichten. Eindeutig Geschmackssache und wohl eins dieser Bücher, bei denen sich die Geister scheiden werden – entweder man ist begeistert oder möchte das dünne Bändlein – ganz á la Froschkönig – gegen die Wand klatschen, in der Hoffnung, dass doch noch was vernünftiges bei rumkommt.

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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1 Kommentare zu “Rezension zu Grrrimm von Karen Duve”

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