Rezension zu Die Krone der Sterne von Kai Meyer

Ui, Hexen im Weltraum! Das war zugegebenermaßen so ziemlich mein erster Gedanke, als ich Kai Meyers „Die Krone der Sterne“ in der Fischer TOR Vorschau gesehen habe. Mit Kai Meyer stehe ich ja so ein bisschen auf Kriegsfuss – einige meiner liebsten Kinder-/Jugendbücher sind von ihm („Die fließende Königin“ 💙), einige seiner Bücher fand ich allerdings auch sterbenslangweilig. Dieser Roman hier allerdings klang so vielversprechend, dass ich ihn unbedingt lesen wollte, seit ich ihn in der Vorschau entdeckt habe. Und Samstag war er dann endlich in der Post! Sonntag Morgen hatte ich das Buch durch und ich muss sagen, es war richtig, richtig gut 😄

Schon auf den ersten Seiten wird der Leser mitten in die Tiefen der Welt Tiamande geworfen – die Menschheit hat sich im Weltall ausgebreitet, beherrscht wird das Reich von den Hexen der Gottkaiserin, die in ihren Kathedralen-Raumschiffen durchs All reisen und Schrecken verbreiten. Und alle paar Jahre holen sie eine der Adelstöchter aus den Baronien ganz am Rand der bewohnten Galaxie als Braut der Gottkaiserin. Die neuste Auserwählte ist Baroness Iniza – doch die hat ihre eigenen Pläne und auf Nimmer Wiedersehen im Palast der Gottkaiserin zu verschwinden gehört da eindeutig nicht zu.

Doch der Albtraum einer Himmelfahrtsreise in einem maroden Raumer war nichts gegen das, was sie jetzt durchmachte. Freischwebend im All, fehlte ihr jedes Gefühl für Oben und Unten.

Die Krone der Sterne von Kai Meyer, Seite 35

Ich muss sagen, ich mochte Iniza nicht – so gar nicht. Aber gerade das hat sie in meinen Augen zu einer ausgesprochen interessanten Protagonistin gemacht. Genau wie die anderen Charaktere, außer vielleicht ihrem recht blassen und eindimensionalen Freund, ist sie keine Heldin, sondern ein Mensch, der im Grunde von recht egoistischen Motiven angetrieben wird und teils durchaus fragwürdige Entscheidungen trifft. Das gibt sowohl den Charakteren als auch der Handlung deutlich mehr Tiefe, als wenn Iniza eine typische Jungfrau in Nöten wäre – am besten noch mit „Special Snowflake Syndrom“.

Das wirkliche Highlight des Romans war für mich aber die unglaubliche Welt, die Kai Meyer hier aufgebaut hat. Tiamande hat mit der allmächtigen Gottkaiserin und ihrem Hexenorden nicht nur eine spannende Gegenwart zu bieten, sondern auch eine bewegte Vergangenheit, die eine ausgesprochen wichtige Rolle für die Handlung spielt. Dabei verwebt der Autor gekonnt Science Fiction mit gerade so viel Fantasy, dass man sich fragt, ob hier wirklich nur Technik und galaktische Geheimnisse am Werk sind oder vielleicht doch echte Magie mitspielt.

Sie war ein zähes Mädchen, fand Kranit, keineswegs das schutzlose Opfer, das er zu Anfang erwartet hatte. Und er wurde nicht schlau aus ihr.

Die Krone der Sterne von Kai Meyer, Seite 324

Insgesamt konnte mich „Die Krone der Sterne“ von Kai Meyer von der ersten bis zur letzten Seite voll und ganz überzeugen – gerade weil es keinen einzigen strahlenden Helden gibt, sondern jeder der Charaktere teils aus durchaus fragwürdigen Gründen handelt. Das einzige Problem am Roman? Wo ist die Fortsetzung? Denn das Ende ist so offen, dass der Roman meiner Meinung nach definitiv nicht als Einzelband durchgehen kann. Aber noch steht wohl nicht fest, ob es eine Fortsetzung geben wird, auch wenn Kai Meyer wohl gerne eine schreiben würde? Naja, warten wir mal ab 😁

Für Fans von…

  • Space-Fantasy
  • Semi-sympathischen Charakteren
  • Maybe-Fortsetzungen

Was andere Blogger sagen:

„Eines von jenen Büchern, die man, einmal angefangen, am liebsten in einem Rutsch durchlesen möchte.“

„Für mich war dieser Ausflug perfekt harmonisiert und abgemischt, man hat so richtigen den Spaß und die Freude vom Autor gespürt.“

„Dem Leser wird aufregende Space-Action geboten sowie ein Ringen um die Entscheidungsmacht an Bord und so manche Überraschung.“

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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