Rezension zu Die Geisterseher von Kai Meyer

Kai Meyer kann man heutzutage wohl getrost als einen der bekanntesten Vertreter der deutschen Phantastik bezeichnen, immerhin entstehen regelmäßig Hypes um seine neuen Romane und auch international ist der deutsche Autor durchaus nicht erfolglos. Allerdings sind auch seine Bücher für mich immer wieder ein eher durchwachsenes Erlebnis, teils wirklich großartig, teils einfach gar nichts für mich. „Die Geisterseher“, der erste von zwei Fällen der Gebrüder Grimm, ist eins seiner frühsten Werke und es wirklich spannend zu lesen.

Für Bibliophile und Fans der klassischen deutschen Literatur, die außerdem Geschichten im Stil der romantischen Schauermärchen des späten 18. bis 19. Jahrhunderts mögen, werden an diesem Roman ihre helle Freude haben. Denn in diesem Werk tummeln sich nicht nur bekannte Größen der deutschen (Literatur)Geschichte wie Goethe, Schiller oder Hoffmann – und natürlich die Protagonisten Wilhelm und Jacob Grimm -, sondern Meyer schafft es auch auf überaus authentische Art und Weise den Schreibstil und die Atmosphäre damaliger Werke einzufangen und auf seinen eigenen Roman zu übertragen.

Das die historischen Zusammenhänge hier zur Gunsten der Phantastik ein klitzekleines bisschen (und teilweise auch ein bisschen mehr) zurecht gebogen werden, darf einen dabei allerdings nicht stören. Im großen und ganzen orientiert sich Meyer an den tatsächlichen Begebenheiten, gerade aber die Details fallen teils eben doch – und zwar verständlicherweise – der künstlerischen Freiheit zum Opfer. Ein Preis, den ich für so eine faszinierende und phantasiereiche Geschichte allerdings gerne in Kauf nehme.

Denn wenn diese Geschichte um die jungen Gebrüder Grimm, die hier in einem äußerst mystischen Kriminalfall ermitteln, eins ist, dann ist das wohl phantasiereich. Das zeigt sich zum einen natürlich in der Handlung, die ich ziemlich spannend fand und die immer wieder unerwartete Wendungen und Überraschungen bereithielt. Vor allem aber lag es an den Charakteren, die überraschend plastisch, wenn auch nicht immer historisch korrekt, und teilweise wirklich unerwartet amüsant wirken, ohne dabei aber zu platt zu wirken. Und auch die vielen literarischen und historischen Querverweise und Anspielungen geben der Geschichte eine Extraportion Schwung und machen das Buch zu einem, das man gut und gerne auch ein zweites Mal lesen kann.

Alles in allem fand ich „Die Geisterseher“ wahnsinnig unterhaltsam und spannend, wobei die Handlung, die durchaus den einen oder anderen Hänger hat, hier dank der unglaublich faszinierenden und plastischen Charaktere ausgeglichen wird. Für Literaturfans definitiv eine dicke Empfehlung 😉

Veröffentlicht von Rike

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

Alle Beiträge von Rike »

1 Kommentare zu “Rezension zu Die Geisterseher von Kai Meyer”

  1. Romantische Schauermärchen
    oooooh ich liebe Märchen seit ich ein kleines Krümelchen war.
    Mit dem alter darf es dann immer gruseliger werden^^
    Bzw so wie du hier ja schreibst, sehr fantasiereich.
    mmmh da bin ich doch tasächlich am überlegen es mal selbst zu lesen^^

Hinterlasse einen Kommentar

Du kannst die folgenden HTML Codes in deinem Kommentar verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*

%d Bloggern gefällt das: