Rezension zu 2084: Noras Welt von Jostein Gaarder

Tja… Das war wohl nichts. Ich muss zugeben, ich bin ein großer Fan von Jostein Gaarders Büchern, habe „Sophies Welt“, „Das Kartengeheimnis“ oder auch „Maya oder das Geheimnis des Lebens“ genauso verschlungen wie „Bibbi Bokkens magische Bibliothek“ und „Das Weihnachtsgeheimnis“. Meine Begeisterung, als ich beim Stöbern durch die diversen Verlagsvorschauen „2084: Noras Welt“ entdeckt habe, war daher groß. Nicht nur, dass es ein neues Buch von Jostein Gaarder ist, nein, die Thematik fand ich auch wahnsinnig spannend.

Denn die Geschichte von Nora und Nova ist erstmal wirklich spannend. Nora wird am 12.12.2012 sechzehn und hat seit jeher eine lebhafte Fantasy. Nun allerdings beginnt sie plötzlich von Nova zu träumen – ihrer eigenen Urgroßtochter im Jahr 2084. Dabei muss sie feststellen, dass die Welt in 72 Jahren so gar nicht mehr das ist, was sie einmal war, denn der Klimawandel hat wirklich alles durcheinander gebracht. Und so beginnt Nora, geführt von ihren Träumen, einen Plan zu entwickeln, wie man die Welt vielleicht doch noch retten könnte.

Klingt toll, war es aber leider nicht. Ich bin gewohnt, dass man Gaarders Werke teils auch mehrfach lesen muss, um sie wirklich zu verstehen – aber bislang war nichtsdestotrotz schon beim ersten Lesen eine gewisse Faszination da, eine Begeisterung für die Figuren und ihre Geschichte und vor allem das Gefühl, dass die Euphorie, mit der sich der Autor den – meist philosopischen – Themen widmet, auf den Leser überschwappt. Und genau das hat mir hier gefehlt.

Natürlich gibt es ein Thema, um das sich in diesem Buch alles dreht und ja, die Sequenzen sind auch alle irgendwie logisch miteinander verknüpft, aber das hat leider nichts daran geändert, dass ich nach den ersten 50 Seiten ständig den Faden verloren habe. Es ging zwar nicht wirklich kreuz und quer, aber während die Geschichte im einen Augenblick noch zäh wie Kaugummi und vollgestopft mit mäßig interessanten wissenschaftlichen Artikeln war, passierte auf der nächsten Seite plötzlich alles mögliche und Noras Realität und ihre Träume wurden kunterbunt durchgemischt, sodass sich mir die Zusammenhänge teils einfach nicht mehr erschlossen haben.

Generell hatte ich irgendwie das Gefühl, dass dieses Buch sehr viel liebloser geschrieben wurde als z.B. „Sophies Welt“, so als wäre die Themenwahl eher Folge aktueller Trends und weniger der wirklichen Interessen des Autors. Das ist natürlich reine Spekulation, aber es liest sich einfach so. Der Funke wollte beim besten Willen nicht überspringen, die Figuren wirkten platt und schemenhaft – und gerade in Novas Fall teilweise unglaublich kindisch – und die gesamte Handlung wurde viel zu schnell runtergespult, war dabei aber trotzdem irgendwie furchtbar zäh.

Kurz gesagt: Mir hat „2084: Noras Welt“ einfach keinen Spaß gemacht. Dass der deutsche Verlag Nora, die im Original Anna heißt, aus irgendeinem Grund umgetauft hat, den Namen allerdings nicht immer korrigiert hat, war dabei noch eins der kleineren Übel. Für mich alles in allem daher leider eine ziemliche Enttäuschung und auch kein Buch, dass ich empfehlen würde, um diesen sonst doch eigentlich wirklich genialen Autor kennen zu lernen. Schade.

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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