Rezension zu Gib mir deine Seele von Jeanine Krock

Jeanine Krock - Gib mir deine SeeleLovelyBooks - In dein Regal stellenJeanine Krock – Gib mir deine Seele
 
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
Seiten: 784
ISBN: 978-3453528369
 
 
[mygenres]  
 
 
 

Wie weit würdest du gehen, um deinen Traum zu leben?

Die junge Sängerin Pauline ist hochbegabt, aber ohne Engagement. Das ändert sich schlagartig, als sie den geheimnisvollen Constantin Dumont kennenlernt. Innerhalb kürzester Zeit macht er sie zum Star, dafür verlangt er aber bedingungslose Hingabe auf der Bühne — und in der Liebe. Anfangs zögerlich, dann immer mutiger lässt sich Pauline auf das verführerische Spiel aus Sex und Macht, Dominanz und Unterwerfung ein. Ein Spiel mit dem Feuer …

 
 
Meinung:
 
Bei diesem Buch wusste ich anfangs beim besten Willen nicht, ob ich lachen oder weinen sollte und hätte das Buch am liebsten wieder weggelegt – es war hauptsächlich morbide Faszination, die mich hat weiter lesen lassen. Schuld waren hier vorallem erstmal zwei Dinge: Die größtenteils einfach lachhaften und vor allem unglaublich klischeehaften Ausdrücke und Begriffe mit denen gerade die beiden Hauptfiguren Pauline und Constantin und ihr Verhalten (vor allem miteinander) geschildert wurden und die sich gerade auf den ersten Seiten nur so gehäuft haben, und das Twilight-Feeling, das – kaum das die erste Sex-Szene um die Ecke kam – zu einem noch sehr viel irritierenderen Shades-Of-Grey-Feeling umgeschlagen ist.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich die ersten Kapitel weitestgehend lächerlich fand und auch wenn es anfangs vor allem die schon erwähnte morbide Faszination war, die mich zum weiterlesen bewegt hat, ich denke, ich hätte das Buch trotzdem weggelegt, hätte mich nicht das ganze Drumherum doch irgendwie verzaubert. Zum einen waren die da die Charaktere, die unter den ganzen floskelhaften und gekünstelten Beschreibungen eigentlich wirklich liebenswert und interessant waren und zum anderen merkt man vor allem dem künstlerischen Background der Welt, in der diese Geschichte spielt, die detailreiche und liebevolle Recherche an, die in seine Schöpfung geflossen ist. Zwar habe ich von Oper nun wirklich so gar keine Ahnung und die ganzen musikalischen Fachtermini haben mich zwischendurch doch etwas irritiert, weil ich einfach nichts damit anzufangen wusste, aber gerade diese Welt ist es, die hier so lebhaft geschildert wird, dass mir das Buch dann wider Erwarten doch Spaß gemacht hat.

Auch sonst liest sich das Buch glücklicherweise weit weniger trashig als das, was ich von Shades of Grey kenne und nach einer Weile ist dieses Gefühl, das mich zu Beginn des Buchs so stark an diese schreckliche Twilight-Fanfiction erinnert hat, glücklicherweise dann auch ganz verschwunden – ob das aber nun daran lag, dass es tatsächlich besser geworden ist oder ich mich lediglich an den Stil der Erzählung gewöhnt habe, kann ich allerdings leider nicht sagen.

Es gab allerdings noch einen weiteren Punkt (den Punkt, der mich überhaupt erst dazu bewegt hat, das Buch zu lesen, von Erotikromanen halte ich nämlich herzlich wenig), der mir hier sehr gut gefallen hat: das phantastische Element. Von dem bemerkt man während des schauderhaften Anfangs der Geschichte erst einmal so gut wie gar nichts. Außer ein paar irgendwie merkwürdigen Äußerungen und Gesprächsfetzen Constantins gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass sich hinter dieser Geschichte mehr verbirgt als nur die mehr oder minder geschmackvollen erotischen Abenteuer der jungend Opernsängerin Pauline. Nur sehr, sehr langsam wird dieses phantastische Element hier greifbar und diese langsame Enthüllung hat mir wirklich gut gefallen.

Leider war diese phantastische Komponente allerdings auch zentraler Bestandteil der größten Enttäuschung an diesem Buch, nämlich des Endes (irgendwie scheine ich es derzeit mit Büchern zu haben, bei denen mir die letzten Seiten einen ansonsten sehr gelungenen Lesespaß vermiesen). Bedenkt man, dass es sich bei „Gib mir deine Seele“ nun nicht gerade um ein besonders schlankes Buch handelt und bedenkt man vor allem auch die vielen Details, die von Anfang an in die Geschichte eingeflossen sind, war das Ende schlicht und ergreifend enttäuschend.

Endlich kommt man als Leser an dem Punkt an, an dem alle Probleme für einen enthüllt wurden und man sich der beiden größten Probleme deutlich bewusst ist (eins steht im Zusammenhang mit dem phantastischen Element, eins vor allem mit der Beziehung Paulines und Constantins) und freut sich dementsprechend auf die finale Konfrontation, da bricht die Geschichte plötzlich ab – im wahrsten Sinne des Wortes, denn Pauline kippt um und das wars. Dann folgen einige wenige Seiten Epilog, auf denen einem in der Retroperspektive völlig antiklimaktisch und verdammt oberflächlich und unbefriedigend die Ereignisse der letzten Monate geschildert werden und das Buch schließt zwar nicht direkt mit einer Friede, Freude, Eierkuchen Situation, aber ich hatte doch das Gefühl, dass mein Lesevergnügen hier sehr unsanft und plötzlich abgewürgt wurde – von Konfrontation und spannendem Showdown keine Spur.

Alles in allem hat mir „Gib mir deine Seele“ von Jeanine Krock deutlich besser gefallen als ich erwartet hatte, das Ende hat mich dann aber doch bitter enttäuscht. Eigentlich hätte ich dem Buch 4, vllt. sogar 4,5 Sterne geben wollen, doch für das Ende gibt es hier eindeutigen Abzug. Für alle, die sich trotzdem an dem Buch versuchen wollen: Das Buch enthält definitiv nicht wenige ausführliche Sexszenen, bei denen u.a. auch Schmerz und Unterwerfung eine Rolle spielen – Dinge, die definitiv Teil der Hauptthematik dieses Buchs sind und während der Geschichte immer wieder zu Diskussionen zwischen verschiedenen Figuren führen -, ich fand die Umsetzung allerdings doch recht gut, da hier eben auch verschiedene Seiten beleuchtet werden und eine gewisse thematische Abwechslung da ist.
 
 


 
 
Mit herzlichem Dank an den Heyne Verlag, der so freundlich war, mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen
Heyne
 
 
3 Sterne - Okay

 
 
Die Autorin
 
Jeanine Krock, in Braunschweig geboren, war unter anderem in Frankreich, Griechenland sowie Großbritannien als Model-Bookerin und Costumière tätig. Zudem hat sie im Musical-Theater gearbeitet und war in den letzten Jahren als Relocation Consultant tätig. Inzwischen lebt und arbeitet sie als freie Autorin in Norddeutschland.
 
 

Veröffentlicht von Rike (Filia Libri)

20something | bibliomanisches Bücherfresserchen, Leseratte, Bibliophile | begeisterte Fantasy-Leserin, die auch gerne mal queerbeet liest | Studentin der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik | bekloppter Sprachnerd, der zusätzlich noch Spanisch, Niederländisch und Russisch lernt | Serienjunkie, Geek (und manchmal Fan) Girl | Whovian | Chaotin | BookCrosserin | Bloggerin seit ca. 2005 und seit 2010 konstant auf Anima Libri - Buchseele

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2 Kommentare zu “Rezension zu Gib mir deine Seele von Jeanine Krock”

  1. Selten so eine zwiegespaltene Rezension gelesen 😉 Am Anfang hätte ich gedacht, du gibst dem Buch gerade mal 2 Sterne, aber letztlich hat es 3 Sterne, obwohl du am Ende schreibst, du hättest ihm eigentlich 4 oder 4,5 Sterne geben wollen xD *verwirrt* Das ganze Opern-Thema ist definitiv nicht meins und deine Rezension lässt mich von dem Buch eher Abstand halten. Danke für die Beurteilung 🙂

    1. Ähm ja, ich fürchte, das ist nicht unbedingt eine meiner sinnvollsten und besten Rezensionen XD Das Problem ist einfach, dass ich nachwievor echt zwiegespalten bin was das Buch angeht und es einfach nicht so richtig einordnen kann, weil es so ganz anders ist als das, was ich erwartet habe, aber nicht schlecht (bis auf das Ende), nur eben… komisch… ^^

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